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Von links: OA Dr. Maximilian Hochmair, Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek, Priv.-Doz. Dr. Thomas Klikovits und Ap. Prof. Priv.-Doz. DDr. Barbara Kiesewetter-Wiederkehr.

Bildquelle: Verein "Leben mit Krebs"/Thomas Laimgruber

News • Überblick über Behandlungsfortschritte

Lungenkrebs: Früher Einsatz moderner Therapien verbessert Prognose

Lungenkrebs ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die häufigste Tumorerkrankung weltweit. In den vergangenen Jahren wurden allerdings bahnbrechende Fortschritte in der Behandlung vieler Lungenkrebs-Formen erzielt. Der Monat November ist internationaler Lungenkrebs-Awareness-Monat.

Jährlich wird in Österreich bei knapp 5.000 Personen die Diagnose Lungenkrebs gestellt. Dank innovativer Optionen sind die Chancen auf Heilung oder zumindest ein langes Überleben bei guter Lebensqualität in den letzten Jahren deutlich gestiegen. "Relativ neu ist, dass moderne Behandlungsansätze nicht nur in fortgeschrittenen Stadien Anwendung finden, sondern auch in frühen Stadien mit zunehmendem Erfolg eingesetzt werden", erklärt Univ.-Prof. Dr. Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien und Präsidentin des Vereins "Leben mit Krebs". Ungeachtet aller Therapiefortschritte ist und bleibt der Nichtraucherschutz elementar wichtig. 

Komplexe Wirkmechanismen revolutionieren die Behandlung, erfordern allerdings auch mehr Zeit für Patientenaufklärung, Therapiemanagement und Dokumentation, betonen die Experten des Vereins. 

Lungenkarzinome im Frühstadium, also Tumore, die noch sehr gut behandelbar bzw. operabel sind, verursachen in der Regel keine Symptome. Deshalb werden bei einem Großteil der Patienten Lungenkarzinome erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Dank der nunmehr breiteren Anwendung von Lungen-Computertomographie-Untersuchungen gelingen Zufallsbefunde mit frühen Diagnosen von Lungenkarzinomen und guten Behandlungsoptionen immer häufiger.

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Lungenkrebs ist eine häufige und extrem aggressive Tumorart. Molekulargenetisch werden diverse Subtypen von Lungenkarzinomen unterschieden. "Diese können mit zunehmendem Erfolg mit individuell maßgeschneiderten Therapiekonzepten behandelt werden", erläutert OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der pneumo-onkologischen Ambulanz der Klinik Floridsdorf. Eine molekulargenetische Charakterisierung des Tumorgewebes wurde früher erst im Stadium IV durchgeführt. Heute ist diese Testung bereits bei allen Patienten nach der Erstdiagnose üblich und für die individuell optimale Therapieentscheidung maßgeblich.

In den vergangenen Jahren hat die Thoraxchirurgie mit modernen technischen Entwicklungen große Fortschritte erzielt

Thomas Klikovits

Früher war die Rezidivrate selbst bei lokalisiertem Tumor im Frühstadium nach der Operation sehr hoch. Durch frühe exakte Diagnose ist es nun möglich geworden, Patienten mit Chemo-Immuntherapie oder zielgerichteter Therapie in einem heilenden Setting zu behandeln. Diese Behandlungen kommen entweder vor der geplanten operativen Tumorexzision (neoadjuvant) oder danach (adjuvant). Selbst wenn eine kurative Wirkung nicht mehr möglich ist, kann in vielen Fällen eine deutliche Senkung der Rezidivrate bzw. Verbesserung der Prognose sowie Verlängerung der Überlebenszeit bei guter Lebensqualität erzielt werden. 

"In den vergangenen Jahren hat die Thoraxchirurgie mit modernen technischen Entwicklungen große Fortschritte erzielt", berichtet Priv.-Doz. Dr. Thomas Klikovits, Abt. Thoraxchirurgie in der Klinik Floridsdorf. Routinemäßig kommen heute minimalinvasive Zugänge (= Knopflochchirurgie), sowohl bei Lungenkarzinomen im Frühstadium als auch mittlerweile vermehrt in lokal fortgeschrittenen Stadien zum Einsatz. Darüber hinaus haben aktuelle Studienergebnisse gezeigt, dass kleinere Tumore im Frühstadium mit lungenerhaltenden Verfahren (Segmentektomie) effizient behandelt werden können. Dieses moderne Konzept der Kombination von lungenerhaltender und Knopfloch-Chirurgie bringt für die Patienten viele Vorteile: sehr kleine Schnitte, geringeres Operationstrauma, kürzerer Krankenhausaufenthalt, weniger Schmerzen, erhaltene Lungenfunktion. Mit der Erfahrung eines spezialisierten Teams kann so den Betroffenen sehr gut geholfen werden.

In der Entwicklung zielgerichteter Krebstherapien wurden in den letzten Jahren grundlegende Fortschritte erzielt. "Dies gilt auch für Lungenkrebs im metastasierten Stadium", betont Ap. Prof. Priv.-Doz. DDr. Barbara Kiesewetter-Wiederkehr, Klinische Abteilung für Onkologie, MedUniWien/AKH Wien. Angesichts der Komplexität der Thematik hat die Europäische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) 2023 erstmals eine eigene Leitlinie zu Diagnose, Behandlung und Follow-up für Patienten mit onkogenabhängigem metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) publiziert

Mittlerweile sind mehr als acht verschiedene Genmutationen beim NSCLC bekannt, für die eine spezielle Behandlungsstrategie zur Verfügung steht. In den ESMO-Leitlinien wird daher bereits ab dem Zeitpunkt der Erstdiagnose die Durchführung molekulargenetischer Tests empfohlen. Diese ermöglichen eine genaue Charakterisierung der Tumore und sind die Basis dafür, eine individuell maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können. 

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Neben Chemotherapie stehen mittlerweile Immuntherapie, zielgerichtete Therapie und sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate zur Verfügung. Neueste Erkenntnisse wurden erst kürzlich auf dem ESMO-Kongress 2023 Ende Oktober in Madrid präsentiert. Aktuelle Studiendaten bestätigen zunehmend die Effizienz und Verträglichkeit der modernen Therapiekonzepte. Viele dieser Konzepte kommen zunächst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zum Einsatz und werden aufgrund ihrer guten Wirksamkeit in der Folge zunehmend in frühere Therapielinien integriert. Darüber hinaus wächst auch das Wissen über Mechanismen der Resistenzentwicklung und darüber, welche Behandlungsstrategien in diesen Situationen hilfreich sein können. 

Jede neue Therapieoption wirkt ausschließlich bei einem bestimmten Subtyp von NSCLC. Sie eröffnet jedoch die Möglichkeit, wieder einem kleinen Anteil von Patienten mehr eine eigene maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können. Im metastasierten Setting kann zwar nach wie vor keine Heilung erreicht werden. Ziel ist es jedoch, durch moderne und vielfach auch gut verträgliche Therapien eine langfristige Stabilisierung der Erkrankung zu erreichen. 


Quelle: Verein "Leben mit Krebs"

09.11.2023

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