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Bildquelle: Unsplash/Egor Myznik

Preise für Patientensicherheit

Kurz innehalten, Behandlungsfehler vermeiden

Ein zweiter Blick, ein Moment verstärkter Aufmerksamkeit - oft reichen bereits Kleinigkeiten aus, um Fehler im klinischen Alltag zu vermeiden und die Sicherheit der medizinischen Behandlung zu erhöhen. Projekte, die sich der Patientensicherheit verschrieben haben, zeichnet das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) jedes Jahr mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit aus.

Der erste Preis geht in diesem Jahr an die Initiative TELnet@NRW, die zeigt wie auch digitale Tools zu einer verbesserten Patientenversorgung beitragen können – etwa indem sie eine hochqualifizierte telemedizinische Versorgung ermöglichen. Für „Stop-Injekt Check“ erhalten die Asklepios Kliniken den zweiten Preis. Sie zeigen eindrucksvoll, wie ein kurzes Innehalten tausende von Medikationsfehlern jährlich verhindern kann. Ausgezeichnet wird auch ein Projekt der Berliner Charité, das kritische Infektionsmuster schneller und zuverlässiger erkennen lässt. Die Auszeichnungen, mit denen das APS nun bereits zum achten Mal wegweisende Beiträge zur Sicherheit in der Medizin würdigt, wurden online vergeben.

„Es gibt viele bemerkenswerte Initiativen, die die Stärkung der Patientensicherheit zum Ziel haben“, sagt die APS-Vorsitzende Dr. Ruth Hecker, Chief Patient Safety Officer an der Universitätsmedizin Essen. „Wir freuen uns, dass wir jedes Jahr zumindest einigen davon besondere Anerkennung zuteilwerden lassen können.“ „Das APS und seine Partner möchten mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit ein Zeichen setzen, um die Sicherheitskultur im Gesundheitswesen nachhaltig zu fördern“, ergänzt die DPFP-Schirmherrin Irmtraut Gürkan. Er solle eine Anerkennung für das starke Engagement einzelner Personen und Teams sein, die sich mit Projekten oder zukunftsweisenden Forschungsarbeiten für die nachhaltige Verbesserung der Patientensicherheit einsetzen. Angesichts der Vielzahl der Bewerbungen aus den unterschiedlichsten Gesundheitsbereichen sei die Entscheidung über die Platzierung auch in diesem Jahr nicht leicht gefallen. 

Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis hat die Jury der Initiative TELnet@NRW zugesprochen, einem sektorenübergreifenden digitalen Gesundheitsnetzwerk unter Leitung von Professor Dr. Gernot Marx vom Aachener Universitätsklinikum. Ziel des Netzwerks ist es, den Zugang zu qualifizierter medizinischer Versorgung besonders in den Bereichen der Intensivmedizin und der Infektiologie zu verbessern, für die in ländlichen Gebieten meist keine Fachärzte zur Verfügung stehen. TELnet@NRW bietet Ärzten sowie Gesundheitsfachkräften nun die Möglichkeit, sich über gesicherte Datenleitungen rund um die Uhr fachlich auszutauschen, um besonders die infektiologische Expertise auch abseits der Zentren verfügbar zu machen. „Die Zukunft liegt in den Telemedizinischen Anwendungen und Audio-Videokonferenzen. Sie ermöglichen es, medizinisches Fachwissen unter medizinischem Personal auszutauschen und über therapeutische Ansätze bei Patienten zu entscheiden, und zwar ohne, dass der Patient selbst den aufwändigen und belastenden Transport in ein spezialisiertes Zentrum auf sich nehmen muss“, sagt Hecker. Dies sei nicht nur in Corona-Zeiten ein großer Gewinn für die Sicherheit und Qualität der Behandlung.

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Der zweite Platz, der mit einem Preisgeld von 6.000 Euro verbunden ist, geht an das Projekt „Stop-Injekt Check“ – ein Konzept zur Vermeidung von Fehlern bei der Verabreichung von intravenösen Injektionen. Im Rahmen des Projekts, das vom InPASS Institut für Patientensicherheit und Teamtraining GmbH entwickelt und in allen Asklepios-Kliniken bundesweit umgesetzt wurde, wird medizinisches Personal geschult, sich unmittelbar vor jeder intravenösen Injektion folgende Frage zu stellen: Bin ich mir ganz sicher, dass ich den richtigen Zugang und das richtige Medikament in der richtigen Konzentration für den richtigen Patienten in Händen halte? „Injektionsfehler zählen zu den häufigsten und folgenschwersten vermeidbaren Zwischenfällen, die zu Patientenschäden führen “, sagt Hecker. „Stop-Injekt Check“ habe bereits in den ersten Wochen nach seiner Einführung bei Asklepios bewiesen, dass es das Risiko für falsche Injektionen um eine Vielzahl zum Teil folgenschwere Medikationsfehler pro Jahr reduzieren könne. 

Mit dem dritten Preis (3.500 Euro) wird ein an der Berliner Charité entwickeltes und eingesetztes elektronisches System ausgezeichnet, mit dem das gehäufte Auftreten von Krankheitserregern detektiert werden kann. Das von Dr. Michael Behnke entwickelte CLAR (Cluster-Alarm-System) schlägt per E-Mail-Alarm, wenn es in einer Station oder einem Klinikbereich zu ungewöhnlichen Erregerhäufungen kommt. Im Zusammenspiel mit anderen Systemen ermöglicht CLAR auch die krankenhausweite Echtzeit-Überwachung multiresistenter Erreger, sowie die stationsgenaue Erstellung von Erregerstatistiken – „ein wesentlicher Beitrag zur Früherkennung und Bekämpfung von problematischen Krankenhauskeimen“, so Hecker.

Der diesjährige Nachwuchspreis (500 Euro) geht an den Münchener Humanbiologen Dr. Dominik Bauer für seine Dissertation zu den „Auswirkungen einer intersektoralen pharmakotherapeutischen Betreuung durch Apotheker auf die Symptomlast von Palliativpatienten“.

„Die in diesem Jahr ausgezeichneten Arbeiten und Initiativen befassen sich mit sehr unterschiedlichen Bereichen der Patientenversorgung und -sicherheit. Damit spiegeln sie in idealer Weise die große Bandbreite der möglichen Verbesserungen wider, von denen unser Gesundheitswesen profitieren kann“, sagt Hecker. 


Quelle: Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V

30.04.2021

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