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Angst vor dem Krebsrezidiv: Studie untersucht Potenzial der Paar-Psychotherapie
Forschung zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Paarinterventionen bei Progredienzangst

Bildquelle: UCT Frankfurt; Foto: privat
Eine Studie von PD Dr. Christina Sauer, Leiterin der Psychoonkologie im Universitären Centrum für Tumorerkrankungen (UCT) an der Universitätsmedizin Frankfurt, untersucht die Machbarkeit und Wirksamkeit von psychotherapeutischen Paarinterventionen bei Progredienzangst. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Durchführung der bizentrischen Studie mit rund 480.000 Euro.
Eine der größten psychischen Belastungen von Krebsüberlebenden in der Nachsorgephase – auch Cancer Survivors genannt – ist die Angst vor der Rückkehr der Krebserkrankung, die sogenannte Progredienzangst. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen und geht oftmals mit weiteren psychischen Symptomen einher. Etwa 60% der Cancer Survivors leiden unter Progredienzangst. Auch Partnerinnen und Partner können durch diese Angst belastet sein, was sich auf die Paarbeziehung und die Lebensqualität der Krebsüberlebenden auswirken kann.
Die neue Pilotstudie Coping with fear of cancer recurrence (CARE-pilot) untersucht zwei verschiedene Therapieansätze zur Behandlung von Progredienzangst bei Krebsüberlebenden und ihren Partnern: Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Im Gegensatz zur traditionellen KVT, die Gedanken und Gefühle mittels kognitiver Umstrukturierung verändern will, strebt die ACT eine Steigerung der psychischen Flexibilität an. ACT fördert eine distanzierte, akzeptanzbasierte Haltung gegenüber Gedanken und Gefühlen sowie eine wertorientierte Lebensausrichtung. „Meta-Analysen haben bereits darauf hingewiesen, dass ACT Progredienzangst verringern kann. Wir wollen jetzt erstmals in der Praxis untersuchen, wie wirksam eine ACT-Therapie im Vergleich zur traditionellen KVT bei einer Paarintervention zur Verringerung von Progredienzangst ist“, erläutert Studienleiterin PD Dr. Christina Sauer.
Insgesamt 64 Paare, bei denen sich der Cancer Survivor innerhalb der fünfjährigen Nachsorgephase nach Abschluss der Krebsbehandlung befindet und mindestens einer der beiden Partner unter Progredienzangst leidet, erhalten in der Studie entweder ACT- oder KVT-Paarinterventionen. Die Interventionen bestehen aus sechs psychotherapeutischen Sitzungen (vier Paarsitzungen und zwei Einzelsitzungen), deren Inhalte zwischen den Sitzungen in Online-Modulen vertieft werden. Zu verschiedenen Zeitpunkten werden dabei mittels standardisierter Instrumente Veränderungen der Progredienzangst und anderer psychosozialer Messgrößen erhoben. Die bizentrische Pilotstudie CARE-pilot soll ab Sommer 2026 an der Universitätsmedizin Frankfurt und der Universitätsmedizin Leipzig (Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Dr. Gregor Weißflog) durchgeführt werden. Sie wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 480.000 Euro über eine Laufzeit von drei Jahren gefördert.
Die Studienleiterin PD Dr. phil. Christina Sauer ist Psychologin, Psychoonkologin und Psychologische Psychotherapeutin. Sie leitet den Psychoonkologischen Dienst und die UCT Krebsberatungsstelle an der Universitätsmedizin Frankfurt und verbindet klinische Praxis und Forschung an der Schnittstelle zwischen Psychologie und Krebsmedizin. Als Wissenschaftlerin arbeitet und forscht sie unter anderem zu den Themen Paardynamik, Akzeptanz- und Commitment-Therapie sowie digitale Interventionen in der Psychoonkologie. Als Leiterin mehrerer Studien untersucht sie, wie psychoonkologische Angebote die Versorgung von Krebsbetroffenen verbessern können und welche Faktoren die psychische Gesundheit und Lebensqualität von Betroffenen beeinflussen.
Quelle: Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt
16.04.2026



