
Bildquelle: UMG; Foto: Mirko Plha
News • Bauchspeicheldrüse im Fokus
Darm-Mikrobiom sagt Komplikationen nach Pankreatitis voraus
Europaweite Studie unter Leitung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zeigt, dass die mikrobielle Zusammensetzung des Darms, das sogenannte Darmmikrobiom, Langzeitkomplikationen nach einer schweren akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung vorhersagen kann.
Dazu wurde das Darmmikrobiom bei Krankenhausaufnahme analysiert und basierend auf diesen Daten ein computergestütztes Modell entwickelt, das spätere Komplikationen mit den mikrobiellen Veränderungen in Zusammenhang setzt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Gut“ veröffentlicht.
Gesunde Menschen sind von zahlreichen Mikroben besiedelt. Allein im Magen-Darm-Trakt lassen sich Billionen von Bakterien nachweisen, die neben Pilzen und Viren den Hauptbestandteil des sogenannten Darmmikrobioms ausmachen. Die Mikroorganismen und ihre Stoffwechselprodukte beeinflussen verschiedene Prozesse und Funktionen sowie Entzündungs- und Immunregulationsprozesse im menschlichen Körper. Die schwere akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, auch Pankreatitis genannt, ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die eine hochspezialisierte fachübergreifende Behandlung erfordert. Sie wird häufig durch Gallensteine oder erhöhten Alkoholkonsum ausgelöst. Es ist bekannt, dass Patienten nach einer akuten Pankreatitis in den Folgejahren häufig Komplikationen entwickeln wie eine chronische Pankreatitis, eine wiederkehrende akute Pankreatitis, einen Diabetes mellitus, auch als Zuckerkrankheit bekannt, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder eine exokrine Pankreasinsuffizienz, bei der nicht genügend Verdauungsenzyme produziert werden, um Nährstoffe, insbesondere Fette, im Darm richtig aufzuspalten und zu verdauen.

Bildquelle: UMG; Foto: Mirko Plha
Forschende um Dr. Christoph Ammer-Herrmenau, Assistenzarzt in der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinalen Onkologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und Prof. Dr. Dr. Albrecht Neeße, geschäftsführender Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinalen Onkologie und Endokrinologie der UMG, haben jetzt in einer europaweiten Studie mit 15 Pankreaszentren die Rolle des Darmmikrobioms im Zusammenhang mit Komplikationen nach der Entlassung bei akuter Pankreatitis untersucht. Sie entwickelten ein computergestütztes Modell basierend auf den Mikrobiomdaten von 277 Patienten mit akuter Pankreatitis. Die bakterielle Zusammensetzung des Darmmikrobioms nach Krankenhausaufnahme und die aufgetretenen Komplikationen innerhalb von drei Jahren nach Entlassung wurden in das Modell eingespeist, um Zusammenhänge zu ermitteln. Die Ergebnisse zeigen, dass frühe Veränderungen im Darmmikrobiom eindeutig mit späteren Komplikationen in Verbindung stehen. Bei Patienten, die beispielsweise einen Diabetes mellitus entwickelten, wurden elf Bakterienspezies identifiziert, die bei Krankenhausaufnahme vermehrt im Darm vorkamen. Bei den anderen Komplikationen wurden jeweils andere bakterielle Zusammensetzungen bei Aufnahme beobachtet. Diese Erkenntnisse werden in einer weltweit durchgeführten Folgestudie in den kommenden drei Jahren weiter vertieft. Die Studie wird von der Else Kröner-Fresenius-Stiftung mit mehr als 400.000 Euro gefördert.
„Ich freue mich sehr über die Veröffentlichung der Studie von Prof. Neeße und seinem gesamten Team, um die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Mikrobiomforschung schnellstmöglich in die klinische Versorgung zu überführen. Ich freue mich, dass die Else Kröner-Fresenius-Stiftung diese wichtige Arbeit für die nächsten drei Jahre unterstützen wird, wodurch wir Mikrobiomproben von 700 Patienten mit akuter Pankreatitis weltweit sammeln und analysieren können“, sagt Prof. Dr. Volker Ellenrieder, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie und Endokrinologie der UMG.
Quelle: Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
21.01.2026









