Antibiotika-resistente Bakterien: Alarmierende Bilanz

Mehr als 70 internationale Experten für Infektionskrankheiten, Mikrobiologie und Epidemiologie riefen auf dem World HAI Forum dazu auf, aktiv zu werden, um eine Gesundheitskatastrophe durch die Entstehung und Ausbreitung von Bakterien zu verhindern, die gegen Antibiotika resistent sind.

Mit dem Ziel, die Ausbreitung von resistenten Bakterien zu bekämpfen, haben ...
Mit dem Ziel, die Ausbreitung von resistenten Bakterien zu bekämpfen, haben anlässlich des ‚World Hai Forum‘ internationale Experten aus über 30 Ländern über mögliche Auflagen diskutiert.

Während die Entwicklung neuer Antibiotika praktisch stillsteht, haben Antibiotika-Resistenzen durch den massiven und unangemessenen Einsatz  von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin zugenommen. Dabei steht die Behandelbarkeit bestimmter verbreiteter Infektionen auf dem Spiel. So könnte  auch der Erfolg von immunsupprimierenden Therapien und chirurgischen  Eingriffen gefährdet sein, da diese mit einem erhöhten Risiko bakterieller  Infektionen einher gehen. Als wichtiges Alarmsignal sollten die  Infektionsepidemie von multiresistenten E.-coli-Bakterien sowie die Entstehung von pan-resistenten NDM-1-Bakterien angesehen werden. Laut den Experten hat eine neue Ära der Antibiotika-Resistenz begonnen, bei der ein weltweites Bewusstsein erforderlich ist, um die Effektivität der Antibiotika zu erhalten.

Maßnahmenkatalog beschlossen

Die Teilnehmer des Forums, das auf Initiative des Diagnostika-Unternehmens bioMérieux im Konferenzzentrum der
unternehmenseigenen Stiftung stattfand, folgen den Aufrufen und Vorschlägen der großen  nationalen und internationalen Organisationen wie WHO, ECDC, IDSA und CDC. Mit dem Ziel, die Antibiotika-Resistenz und die Ausbreitung von
resistenten Bakterien zu bekämpfen, wurden zwölf Empfehlungen herausgegeben, die kurz- und mittelfristig von den unterschiedlichen Akteuren umzusetzen sind.

Neue internationale Standards gefordert

Die Aktionsschwerpunkte, die von Gesundheitsbehörden eingefordert werden, betreffen die Verabreichung von Antibiotika an Tiere. So soll Tieren nur zu therapeutischen Zwecken Antibiotika gegeben werden, die nicht in der Humanmedizin verwendet werden. Die wichtigsten Antibiotika-Klassen sind der Humanmedizin vorzubehalten. Ebenfalls soll in allen Ländern die Verwendung von Antibiotika in Futtermitteln als Wachstumsbeschleuniger eingestellt werden. Der Verkauf von Antibiotika, die für die Humanmedizin bestimmt sind, soll reguliert und deren rezeptfreier Verkauf in allen Ländern der Welt verboten werden. Außerdem möchten die Experten den internationalen Organisationen eine Charta zur adäquaten Antibiotika-Verwendung vorschlagen und sie von den Gesundheitsministern aller Länder unterzeichnen lassen. Für den Bereich der Human- und Tiermedizin soll in allen Ländern eine standardisierte Überwachung der Antibiotika-Verwendung und -Resistenz eingeführt werden. Ebenso fordern die Experten die Integration einer fundierten Ausbildung zur Bakterienresistenz in die Studiengänge der Human- und Tiermedizin sowie kontinuierliche Weiterbildungsprogramme für Angestellte des Gesundheitswesens. Für die Bevölkerung sollen Informationskampagnen ausgearbeitet werden, die an die Besonderheiten vor Ort angepasst sind und in denen die Notwendigkeit aufgezeigt wird, Antibiotika zu schützen und deren Verwendung nur auf die notwendigen Indikationen zu beschränken. Darüber hinaus sollen grundlegende Hygienemaßnahmen zur Krankheitsvorbeugung vermittelt und sanitäre Einrichtungen, mit denen insbesondere resistente Bakterien im Abwasser beseitigt werden können, ausgebaut werden. Verbrauchervertreter sollen an der Ausarbeitung und Umsetzung der Aktionspläne beteiligt werden.

Weniger Antibiotika – Neue Antibiotika

Die Experten empfehlen der Industrie, Schnelltests zu entwickeln, um dabei zu helfen Antibiotika nur dort zu verschreiben, wo es sinnvoll ist. Die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika soll gefördert und neue Wirtschaftsmodelle entwickelt werden, bei denen die Interessen des Gesundheitswesens und die Rentabilitätsanforderungen der Industrie in Einklang sind.
 

18.07.2011

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