ebola isolation station, infection protective gear
So stellen sich viele die Patienten-Isolierung vor. Die Realität sieht allerdings meist völlig anders aus.

Bildquelle: bhossfeld auf Pixabay

Infektiologie

Patienten-Isolierung: Der Mythos vom 'Wegsperren'

Wenn Patienten mit bestimmten Keimen infiziert sind, müssen sie isoliert werden. Damit sie die entsprechenden Maßnahmen akzeptieren, ist adäquate Aufklärung notwendig.

Bericht: Michael Krasnitzer

Erreger, die besonders leicht übertragbar sind, Erreger, die eine sehr schwere Erkrankung auslösen, oder multiresistente Erreger, die unempfindlich gegenüber vielen Antibiotika sind: Krankenhauspatienten, die mit solchen Keimen infiziert oder besiedelt sind, müssen isoliert werden. „Isolierung bedeutet Absonderung des Patienten, um zu verhindern, dass bestimmte Keime übertragen werden“, weiß Dr. Michael Berktold, PhD, Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck (Österreich). Das oft vorherrschende Bild von isolierten Patienten, die in einem Zimmer abgeschottet sind, das nur mit Schutzkleidung betreten werden darf, ist nur eingeschränkt richtig. „Isolierung ist nicht gleich Isolierung“, betont Berktold: „Es kommt auf die Art der Keime und auf den Übertragungsweg an. Entsprechend sollten die Isolierungsmaßnahmen individuell an den Patienten angepasst werden.“

Es geht nicht darum, den Patienten ,wegzusperren‘, sondern darum, den spezifischen Übertragungsweg des Erregers abzuschirmen

Michael Berktold

Es gibt Erreger, die über direkten Kontakt übertragen werden, Erreger, die über Tröpfchen weitergegeben werden oder die über die Luft übertragen werden. Bei offener Lungen-Tuberkulose oder Masern etwa, deren Erreger sich über die Luft verbreiten können, sind strengste Isolierungsmaßnahmen angebracht: der Patient wird in einem Einzelzimmer untergebracht, das er nicht verlassen darf; wer dieses betritt, muss spezielle Schutzkleidung und partikelfiltrierende Halbmasken (FFP-Masken) tragen.

Oft aber sind derartige Maßnahmen nicht notwendig. „Bei Patienten, die an einer Erkrankung leiden, die über Kontakt übertragen wird, ist eine sogenannte Kontaktisolation ausreichend“, sagt Berktold. Ein Beispiel dafür sind Durchfallerkrankungen, etwa infolge einer Infektion mit Enteritis-Salmonellen, die nicht immer eine strikte Isolation erfordert. „Es geht nicht darum, den Patienten ,wegzusperren‘, sondern darum, den spezifischen Übertragungsweg des Erregers abzuschirmen“, erläutert der Krankenhaushygieniker. Solche Patienten dürfen sich durchaus frei im Krankenhaus bewegen, aber sie müssen eine eigene Toilette benutzen und nach dem Toilettengang die Hände desinfizieren. Ist das sichergestellt, können solche Patienten sogar in einem Zimmer mit anderen Patienten untergebracht werden. Auch ein Atemschutz für Pflegepersonal und Ärzte ist nicht notwendig.

portrait of michael berktold
Dr. Michael Berktold, PhD, vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck

„Im klinischen Alltag ist es nicht immer möglich, Patienten mit infektiöser Durchfallerkrankung eine eigene Toilette zur Verfügung zu stellen“, bedauert Berktold. In vielen Fällen kann man sich aber helfen. Eine mögliche Notlösung: Man legt den Infizierten mit einem Patienten zusammen, der nicht die Zimmertoilette, sondern die Bettpfanne oder den Leibstuhl für seine Notdurft verwendet, somit wird der Hauptübertragungsweg ausgeschaltet.

„Für den Patienten bedeutet eine Isolierung einen Einschnitt“, bekräftigt Berktold. Die eventuelle räumliche Isolation und die Schutzkleidung führen zu Verunsicherungen oder Ängsten. „Aus diesem Grund müssen die Patienten, sobald man sie isoliert, adäquat aufgeklärt werden“, unterstreicht der Innsbrucker Krankenhaushygieniker. Man muss ihnen also erklären, auf welchem Weg sich ihre Infektion weiterverbreitet und mit welchen Maßnahmen sich dies verhindern lässt. „In aller Regel sind die Patienten dann damit einverstanden“, berichtet Berktold.

Patienten, die sich nicht in die Isolierungsmaßnahmen fügen wollen, sind zum Glück Einzelfälle. „Mit guter Kommunikation lässt sich vieles lösen“, betont Berktold. Am häufigsten noch gibt es Probleme mit Patienten, denen die Notwendigkeit einer Isolierung aufgrund kognitiver Einschränkungen – zum Beispiel infolge eines demenziellen Syndroms – nicht begreiflich gemacht werden kann. Bei solchen Patienten wird vor allem auf die Angehörigen gesetzt: „Die Angehörigen sollten immer mit ins Boot genommen werden“, meint Berktold: „Bei Patienten mit demenziellen Syndrom aber ist das besonders wichtig, weil deren Angehörige am ehesten auf den Patienten einwirken können.“


Profil:

Dr.med.univ. Michael Berktold, PhD ist Facharzt für Klinische Mikrobiologie und Hygiene und in der Krankenhaushygiene am Landeskrankenhaus Innsbruck tätig. Er absolvierte das Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck. Das PhD-Studium sowie seine Facharztausbildung absolvierte er am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene ebenfalls an der Medizinischen Universität Innsbruck. Dr. Berktolds Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der angewandten Krankenhaushygiene.

21.08.2019

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