So soll der Innovation Hub nach seiner Fertigstellung aussehen.

Bildquelle: Genolier Innovation Hub

Artikel • Krebs-Therapie, Forschung und Weiterbildung

Präzisionsmedizin im Innovationszentrum

Ein Innovationszentrum im schweizerischen Genolier soll die Zukunft des Gesundheitswesens revolutionieren. Akteure aus den Bereichen Medizintechnik, Onkologie, Pharma- und Biowissenschaften werden ab Mai/Juni 2024 im „Genolier Innovation Hub“ zusammenarbeiten, um die strategische Interaktion zwischen Ärzten und Wissenschaftlern zu fördern und den Transfer innovativer Lösungen vom Labor in die Klinik zu beschleunigen.

Artikel: Sonja Buske

Initiator des Innovation Hub ist die Schweizer Privatklinikgruppe Swiss Medical Network. In dem hochmodernen, neu errichteten Gebäude finden sich auf 9000 Quadratmetern Büro-, Labor- und Besprechungsräume sowie ein Auditorium mit 300 Plätzen. Darüber hinaus wird die Einrichtung über zwei Operationssäle verfügen, in denen im Rahmen von Forschungsprogrammen und klinischen Studien Patienten chirurgisch behandelt werden. Im klinischen Teil des Zentrums, der von der Genolier-Klinik belegt ist, werden Patienten im Rahmen ihrer laufenden onkologischen Versorgung regelmäßig behandelt.

Personalisierte Medizin

portrait of Antoine Leimgruber
Antoine Leimgruber

Bildquelle: privat

Ausschlaggebend für die Gründung des Zentrums war der Wunsch, allen an einer Krebsbehandlung Beteiligten den Zugang zu Technologien, Diagnosen und hochqualifizierten Daten zu ermöglichen. „Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung von Krebs ist seine Komplexität”, sagt Antoine Leimgruber, Direktor von Swiss Medical Network. „Um den Patienten bestmöglich helfen zu können, müssen wir einen personalisierten Ansatz über das gesamte Behandlungsspektrum hinweg verfolgen.“ Solch ein Ansatz ist Theranostik, eine enge Verzahnung von Therapie und Diagnostik. Sie nutzt molekulare Bildgebungstechnologien wie PET und SPECT um festzustellen, ob bestimmte Ziele, so genannte Tumorrezeptoren, auf den Tumorzellen vorhanden sind. Ist dies der Fall, wird ein radioaktives Medikament injiziert, das in der Lage ist, selektiv gegen die identifizierten Tumorzellen vorzugehen. Durch diesen integrierten Behandlungsansatz können hohe Strahlungsdosen verwendet werden, ohne umliegendes gesundes Gewebe zu schädigen.

portrait of Christian Bernhard
Christian Bernhard

Bildquelle: GE HealthCare

Um Theranostik bestmöglich nutzen und weiterentwickeln zu können, hat sich das Team um Leimgruber einen starken Partner aus der Industrie an seine Seite geholt. GE HealthCare investiert in den Innovation Hub, um ihn als Kompetenzzentrum für Theranostik zu nutzen und dort Forschung und Ausbildung voranzutreiben. „Wir können für jeden Schritt des Theranostik-Behandlungspfades Lösungen anbieten und Kliniker somit mit Bildern, Informationen und molekularen Bildgebungsmitteln versorgen, die für die Praxis und die Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin erforderlich sind“, sagt Christian Bernhard, Managing Director bei GE HealthCare. Das Unternehmen wird zukünftig Anwender seiner Systeme direkt im Innovation Hub unter der fachkundigen Begleitung von Leimgruber ausbilden. Bernhard: „Unser Fokus auf eine ganzheitliche Patientenversorgung ermöglicht es Ärzten, eine andere, stärker personalisierte Art der Gesundheitsversorgung anzubieten.“ Jan Makela, Präsident und CEO von GE HealthCare Imaging, bringt es noch mehr auf den Punkt: „Patienten, die auf keine Therapie mehr ansprechen, können dank Theranostik wieder hoffen.“

Datenmenge mit KI beherrschen

portrait of Jan Makela
Jan Makela

Bildquelle: GE HealthCare

Diese Form der personalisierten Medizin mit modernster Bildgebung sorgt jedoch auch für Unmengen an Daten. Um diese auswerten zu können, braucht es künstliche Intelligenz (KI), da ist sich Makela sicher. „Es geht immer um Qualität, Schnelligkeit und Kosten. Damit der Arzt eine Entscheidung für die Therapieplanung treffen kann, braucht er aussagekräftige Daten. KI kann zwischen guten und schlechten Daten unterscheiden und ihm nur die Bilder zeigen, die er wirklich benötigt.“ Entscheidend für die Auswahl der richtigen Daten ist jedoch auch die Bildqualität. Die KI-Anwendung „Precision DL“ ermöglicht schon jetzt dank eines hochentwickelten, neuronalen Netzwerks ein besseres Kontrast-Rausch-Verhältnis sowie eine Kontrastwiederherstellung bei PET/CT-Bildern. Bernhard ist sich sicher: „Im Jahr 2034 werden allein in Deutschland 1.8 Millionen Mitarbeiter im Gesundheitswesen fehlen. Wir müssen jetzt in KI investieren, um dieses Problem rechtzeitig anzugehen.“ 

Wenn das Innovationszentrum im Frühsommer 2024 seine Türen öffnet, wird der Fokus zunächst auf die Behandlung von Brustkrebs gelegt. Im nächsten Schritt wollen sich die Experten dann der verbesserten Prostatakrebs-Therapie widmen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern soll zudem weiter daran gearbeitet werden, die Behandlung für die Patienten erträglicher zu machen.

15.01.2024

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