Der Spieler von My Dispense nimmt die Rolle des Pharmazeuten ein und findet...
Der Spieler von "My Dispense" nimmt die Rolle des Pharmazeuten ein und findet sich in einer virtuellen Apotheke wieder.

Virtuelle Apotheke

Pharmazie-Studenten lernen Arzneimittelabgabe per Simulationsspiel

An der Universität Greifswald ist das Simulationsspiel „MyDispense“ fester Bestandteil des Pharmazie-Studiums. Spielerisch erlernen Studierende in einer virtuellen Apotheke Kompetenzen zur Abgabe von Arzneimitteln. Da sich der Beruf des Apothekers immer mehr hin zu einem Berater für Medikamente entwickelt, hält Prof. Dr. Christoph Ritter das Spiel für einen wichtigen Baustein in der pharmazeutischen Ausbildung.

Bericht: Sonja Buske

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Dr. Christoph Ritter

„Die Abgabe von Arzneimitteln erfordert ein breites Spektrum an Kompetenzen“, weiß Ritter, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität Greifswald. „Apotheker müssen überprüfen, ob die verschriebene Dauer der Einnahme, die Menge und die Darreichungsform für den Patienten angemessen sind. Zudem müssen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten abgeglichen und der Patient über Nutzen, Wirkung und Anwendung seines Präparates informiert werden.“ Diese Kompetenzen eignet man sich am besten durch regelmäßiges Üben an. An der Uni Greifswald gibt es zwar bereits eine komplett ausgestattete Lehrapotheke, doch die kann nur vor Ort zu bestimmten Zeiten genutzt werden. Das Greifswalder Lehrkonzept basiert auf einem Blended-Learning Konzept, bei dem sich Präsenzformate mit e-Learning-Komponenten abwechseln. „MyDispense“ ist Teil der eLearning-Komponente, die durch die Studierenden eigenständig, asynchron und Standort-unabhängig durchgeführt werden.

Unterschiedlichste Übungen

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An der Uni Greifswald gibt es auch eine komplett ausgestattete Lehrapotheke
Quelle: Uni Greifswald

Das 2019 ins Leben gerufene und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt wurde ursprünglich an der Monash University in Australien entwickelt. Ritter und sein Team haben das Lernprogramm auf die Gegebenheiten des deutschen Arzneimittelmarktes und -rechts angepasst. Es kann auf mehrere Datenbanken zugriffen werden: So finden sich in einer Datenbank Angaben zu Patienten unterschiedlichster Altersstrukturen und Lebensumstände, von Kindern über Schwangere bis hin zu Senioren, mit chronischen Krankheiten, schweren Vorerkrankungen oder auch Allergien. Eine andere Datenbank hält sämtliche Arzneimittel vor, sowohl verschreibungspflichtige als auch frei verkäufliche sowie Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Das Programm erstellt daraus die unterschiedlichsten Übungen. Zu Beginn des Spiels nimmt der Student die Rolle des Pharmazeuten ein und befindet sich in einer virtuellen Apotheke, wo er auf einen Patienten trifft. Über die Menüführung können dann Gespräche geführt, externe Literatur herangezogen, Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten und am Ende Medikamente herausgegeben werden. Direkt im Anschluss erhält der Spieler über ein automatisiertes Feedback-System eine Bewertung seiner Entscheidungen und Kompetenzen.

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KI zur Prüfung von Wechselwirkungen

Im realen Leben drängen immer mehr Apps auf den Markt, die dem Apotheker dank künstlicher Intelligenz die Prüfung von Wechselwirkungen erleichtern oder sogar abnehmen sollen. Ritter hält solche Programme unter bestimmten Umständen für hilfreich: „Die Prüfung von Wechselwirkungen geschieht bisher über Datenbanken, die durch Ergebnisse aus in vitro-Untersuchen, Simulationen, klinischen Studien oder Extrapolationen von Arzneistoffeigenschaften gespeist werden. Häufig lässt sich daraus nur schwer abschätzen mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Wechselwirkung in klinisch relevantem Ausmaß bei einem Patienten auftritt, da seine individuellen Eigenschaften wie z.B. Organfunktion oder genetische Besonderheiten nicht berücksichtigt werden. Algorithmen, die bei der Bewertung solche individuellen Eigenschaften mit einbeziehen, könnten einen wichtigen Beitrag leisten, besser vorherzusagen, ob bei einem Patienten eine klinische relevante Wechselwirkung eintreten wird oder nicht.“

Ob sich „MyDispense“ positiv auf die Arbeit von angehenden Pharmazeuten auswirkt, soll Ritter zufolge in Kürze durch eine Evaluation herausgefunden werden. Bisher ist das Programm nur in Greifswald vollständig in das Studium integriert, weitere Universitäten wollen aber laut Ritter nachziehen.

23.06.2021

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