Der Scanner gibt ein visuelles Feedback über die Gründlichkeit der...
Der Scanner gibt ein visuelles Feedback über die Gründlichkeit der Händedesinfektion

Quelle: AKH Wien

Auf Neugeborenen-Stationen

Mit KI die Händedesinfektion optimieren

Weltweit stehen Infektionen bei den Ursachen der Mortalität Neugeborener an dritter Stelle. In den Präventionsstrategien spielen Vorschriften zur Handhygiene insbesondere in den Abteilungen für Neugeborene eine herausragende Rolle. Daher setzen die Neugeborenenstationen im Allgemeinen Krankenhaus Währingergürtel (AKH) der Medizinischen Universität Wien auf ein evidenzbasiertes, durch künstliche Intelligenz optimiertes Qualitätsmanagementsystem. Es bietet Mitarbeitenden und Eltern umgehendes visuelles Feedback zur Durchführung der Händedesinfektion.

Dr. Judith Rittenschober-Böhm ist Oberärztin der Neonatologie am AKH der Medizinischen Universität Wien, Österreichs größtem Klinikum. In der klinischen Praxis ebenso wie in der Forschung liegt Rittenschober-Böhms Schwerpunkt auf nosokomialen und perinatalen Infektionen. „Neugeborene sind besonders vulnerabel“, erklärt Rittenschober-Böhm: „Ihr Immunsystem ist unausgereift, was sie für Infektionen prädisponiert. Und ihre Haut bietet noch keine gute Barriere gegen Keime. Außerdem werden Frühgeborene verschiedenen invasiven Prozeduren unterworfen, darunter Katheterisierung und Intubation, die signifikante Risikofaktoren mit sich bringen.” Da sich perinatale Infektionen schwer vermeiden lassen, muss ein Hauptaugenmerk des Personals auf der Abwendung nosokomialer Infektionen liegen.

Personal und Eltern schulen

Laut Rittenschober-Böhm lassen sich in diesem Kontext zwei Hauptzielgruppen mit technologiegestützter Schulung adressieren. Das klinische Personal ist eine davon - Ärzte, Pflegekräfte und Physiotherapeuten. Eltern sind die zweite Zielgruppe; auch ihnen kommt eine wichtige Rolle zu. Der wichtigste Faktor sind die „Augenblicke der Handhygiene“: Das Personal muss daran erinnert werden, dass es in Situationen wie vor und nach Patientenkontakten Händedesinfektion durchführen muss. Mit diesem Thema befassen sich zahlreiche Studien. „Aber auch der zweite Faktor ist wichtig“, sagt die Expertin: „Wie gut werden die Hände desinfiziert?“ Desinfektionslösungen sind durchsichtig, was es schwierig zu erkennen macht, ob die Qualität der Durchführung angemessen war.

„Patientensicherheit trägt in unserer Abteilung eine strategische Bedeutung, und die Anwendung moderner Methoden auf dem Weg zu besten Ergebnissen wird von Prof. Berger, der Chefärztin unserer Abteilung, unterstützt“, unterstreicht Dr. Rittenschober-Böhm. Gemeinsam haben sie die Bestellung von Scannern initiiert, die die Gründlichkeit der jeweils durchgeführten Händedesinfektion in einem einfachen Verfahren, das nur 30 Sekunden erfordert, visualisieren.

Sowohl die Eltern als auch das Personal sind Zielgruppen für den Einsatz dieser Scanner. Eltern von Frühgeborenen, die in Betreuungsaktivitäten auf der Station eingebunden sind, sind in der Regel hoch motiviert, sich zu engagieren. Sie sind bereit, alles tun, was ihre Kinder unterstützt. Es ist für sie aber nicht einfach, die notwendigen Schritte für eine wirksame Desinfektion zu durchlaufen und die richtige Menge an Desinfektionsmittel zu finden.

„Wir schulen daher die Eltern an ihrem ersten Tag auf unserer Station hinsichtlich der Durchführung der Händedesinfektion“, erklärt Rittenschober-Böhm. Das visuelle Feedback, das die Eltern von den Scannern über die Qualität ihrer Desinfektionsmaßnahmen erhalten, ist für sie sehr wertvoll.“ Den Eltern wird veranschaulicht, welche Handbereiche sie vernachlässigt haben. „Die Rückmeldungen der Eltern zum Einsatz der Scanner waren sehr positiv“, sagt die Expertin.

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Die andere Zielgruppe ist ebenso wichtig – Pflegekräfte und Ärzte. „Ihre Herausforderung besteht darin, dass sie die Händehygiene seit Jahren als Teil ihrer täglichen Routine praktizieren, was zu einer mangelnden Reflexion über die Qualität dieses Prozesses führen kann“, unterstreicht Rittenschober-Böhm. Typische Bereiche, die mit geringerer Sorgfalt desinfiziert werden, sind der Rücken und der Daumen der dominierenden Hand. Diese werden von den Scannern sehr gut erfasst. Die Aufrechterhaltung des Bewusstseins ist entscheidend: „Menschen – Mitglieder der Teams – werden benötigt, um ihre Kollegen immer wieder an die Verfügbarkeit der Scanner und ihrer Vorteile zu erinnern“, betont die Expertin.

Die Nachschulung des Personals durch die Hygieneverantwortlichen erfolgt derzeit mit einer herkömmlichen Methode. „Der Scanner ist eine nützliche Alternative, mit der dieses Verfahren schneller und eleganter durchgeführt werden könnte“, urteilt Rittenschober-Böhm.

Die Vermeidung von Krankenhausinfektionen ist ein strategisches Ziel des AKH – und der wichtigste Zweck der Scanner in der Neonatologie. „Kontinuierliche Bewusstseinsbildung ist der Schlüssel zur Erreichung dieses Ziels – Teammitglieder und Plakate, die Eltern und Personal daran erinnern, dienen als Unterstützung. Und das System ist ein sehr wertvolles Instrument zur Überprüfung der Qualität", fasst Rittenschober-Böhm zusammen.

Quelle: AKH Wien

17.11.2021

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