Intraoperative Hirnstimulation bei der wachen Patientin, wobei eine reproduzierbare Verbesserung der Stimmung beobachtet wurde.
Quelle: Insel Gruppe

Tiefe Hirnstimulation

Neuer Ansatz gegen Depression

Ein interdisziplinäres Ärzteteam des Universitären Neurozentrums Bern hat zum ersten Mal am Inselspital eine tiefe Hirnstimulation bei Depression durchgeführt. Für die Patientin ist es die letzte Hoffnung auf Heilung.

In der Behandlung von Bewegungsstörungen wie zum Beispiel Morbus Parkinson hat sich die tiefe Hirnstimulation in den letzten zehn Jahren etabliert. Das Inselspital kann diesbezüglich auf eine lange Tradition zurückblicken: 1998 wurde die erste Patientin mit der Technik der tiefen Hirnstimulation behandelt. Unterdessen führt das interdisziplinäre Team bestehend aus Prof. Dr. med. Claudio Pollo, Stv. Chefarzt an der Universitätsklinik für Neurochirurgie (Klinikdirektor Prof. Dr. med. Andreas Raabe), Dr. med. Ines Debove, Dr. med. Lenard Lachenmayer, Oberärzte an der Universitätsklinik für Neurologie (Klinikdirektor Prof. Dr. med. Claudio Bassetti) und PD Dr. med. Michael Schüpbach, Konsiliarius, am Inselspital jährlich über 40 solche Operationen durch.

Erste Patientin mit einer schweren Depression

Die Erkenntnisse sind so vielversprechend, dass die tiefe Hirnstimulation bei psychiatrischen Erkrankungen künftig wohl vermehrt zur Anwendung kommen wird

Ines Debove

Es ist jedoch das erste Mal, dass der Eingriff bei einer depressiven Patientin durchgeführt wurde. „Während ich bei Parkinsonbetroffenen die Elektroden durch die Schädeldecke ins Hirninnere zum Nucleus subthalamicus führe, also zu einer Hirnregion, die die Motorik mitsteuert, implantiere ich der depressiven Patientin die Elektroden im Bereich des Nucleus accumbens, einer Hirnregion für die Stimmungsstörungen und die Motivation“, beschreibt der Neurochirurg Claudio Pollo seine Aufgabe.

Auch wenn das Verfahren vergleichbar ist, steckt die tiefe Hirnstimulation für psychiatrische Erkrankungen noch in den Kinderschuhen. “Weltweit wurden bis dato rund 150 Fälle, die meisten davon in Studien, publiziert”, erklärt die Neurologin Ines Debove. “Die Erkenntnisse sind jedoch so vielversprechend, dass die tiefe Hirnstimulation bei psychiatrischen Erkrankungen künftig wohl vermehrt zur Anwendung kommen wird.”

Interdisziplinäres Team mit enormer fachlicher Expertise

Photo
In Anwesenheit von Sebastian Walther (links) sowie Ines Debove und Michael Schüpbach (rechts) setzt Claudio Pollo der Patientin eine Elektrode ein.
Quelle: Tanja Läser, Insel Gruppe

Prof. Dr. med. Sebastian Walther, Stv. Direktor und Chefarzt der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD), ist der behandelnde Psychiater. “Die Patientin leidet seit zwei Jahrzehnten an einer schweren therapieresistenten chronischen Depression. Die tiefe Hirnstimulation ist ihre letzte Hoffnung, nachdem alle anderen Behandlungsformen wie störungsspezifische Psychotherapie, Pharmakotherapie und nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren erfolglos blieben”, erklärt er. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Neuromedizin und die langjährige Expertise im Universitären Neurozentrum Bern ermöglichte es, dass die tiefe Hirnstimulatin auch bei Depression angewandt werden kann.

Hintergrund:

Bei der tiefen Hirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) werden den Patientinnen und Patienten in einem minimalinvasiven neurochirurgischen Präzisionseingriff kleinste Elektroden im Gehirn implantiert. Diese Elektroden führen dem Hirn über einen Hirnschrittmacher, der unter dem Schlüsselbein im Brustbereich implantiert wird, chronische elektrische Impulse zu. Neurologinnen und Neurologen stellen den Hirnschrittmacher über ein externes Programmiergerät ein. Diese Feinjustierung kann Tage bis Wochen dauern und jederzeit angepasst werden.


Quelle: MEDICA/Universitätsspital Bern

09.11.2017

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