Anatomiemodell der Lunge: Patienten mit Lungenerkrankungen wie COPD sind gegenüber COVID-19 besonders gefährdet

Bildquelle: Unsplash/Robina Weermeijer

Projekt für Lungen- und Herzpatienten

Telemedizin soll Hochrisikopatienten schützen

Patienten mit Lungenerkrankungen gehören in Zeiten von COVID-19 zu dem am meisten gefährdeten Personenkreis. Selbst in normalen Zeiten werden jährlich 250.000 Patienten mit schweren Lungenerkrankungen (COPD) in deutschen Krankenhäusern behandelt.

Um diese Patienten besser zu schützen startet das Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule Gelsenkirchen) in Zusammenarbeit mit den Deutschen Gesundheitsdiensten (DEGEDI) in Bochum ein Angebot zur telemedizinischen häuslichen Betreuung dieser Patienten. Die Patienten werden mit entsprechenden Geräten (Pulsoximeter, Spirometer) ausgestattet und von Fachärzten telemedizinisch betreut, um Komplikationen und Krankenhauseinweisungen gerade in Zeiten von COVID-19 zu vermeiden.

Die Gesundheitsdaten der Patienten werden kontinuierlich erfasst und über ein Modem automatisch an das telemedizinische Zentrum von DEGEDI übermittelt. Dort werden die Informationen ausgewertet und die Patienten auf dieser Basis telefonisch beraten, um Komplikationen zu vermeiden. Dr. Songül Secer, Fachärztin bei DEGEDI, weist darauf hin, dass im Rahmen von Studien gezeigt werden konnte, dass eine engmaschige Betreuung, die rechtzeitige Identifikation von Symptomen und die Beratung dieser Patienten Krankhauseinweisungen verhindert und Leben gerettet werden können. Stephan von Bandemer, Projektleiter am Institut Arbeit und Technik erklärt ergänzend, dass es gerade in der aktuellen Situation für die Patienten und die Krankenhäuser besser sei, wenn die Patienten präventiv versorgt, anstatt in eine Intensivstation eingewiesen zu werden. Dies ließe sich zwar nicht in allen Fällen vermeiden, aber die Häufigkeit könne deutlich reduziert werden.

pulse oximeter
Mithilfe eines Pulsoximeters wird die Sauerstoffsättigung im Blut der Patienten überwacht

Das Projekt wird zunächst im nördlichen Ruhrgebiet gestartet, könnte aber vor dem Hintergrund der derzeitigen Herausforderungen kurzfristig deutlich ausgeweitet werden. Die Patienten erhalten ein Pulsoximeter und ein Spirometer sowie ein Modem, welches die erfassten Daten kontinuierlich an das telemedizinische Zentrum überträgt. Dort arbeiten Internisten, Lungenfachärzte und Kardiologen interdisziplinär zusammen, um die Patienten vor Schäden zu schützen, bei Komplikationen rechtzeitig ambulant zu intervenieren und die Patienten bei Bedarf in geeigneten Zentren versorgen zu können.

Auch Patienten mit Herzerkrankungen, die ebenfalls zu den Hochrisikopatienten gehören, werden in dem Projekt betreut. Bei diesen Patienten werden insbesondere Blutdruck und EKG gemessen und Trainingspläne zur Prävention ausgearbeitet. Sowohl bei Lungenerkrankten als auch bei Herzpatienten ist dabei die fachliche Beratung der Patienten auf Basis systematisch erhobener Daten besonders wichtig. Hierzu wurden spezielle Beratungs- und Betreuungskonzepte entwickelt und abgestimmt.

Zwar werden zurzeit lediglich 200 Patienten in dem Projekt berücksichtigt. Es wäre aber kein Problem das Projekt kurzfristig landes- bzw. bundesweit auszuweiten und etliche tausend Patienten zu versorgen. Stephan von Bandemer erläutert dazu, „dass dabei auch mit weiteren telemedizinischen Zentren zusammengearbeitet werden kann“. Für DEGEDI macht Dr. Secer deutlich, dass die entwickelten Konzepte selbstverständlich mit anderen Anbietern geteilt werden können.


Quelle: Institut Arbeit und Technik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen

07.04.2020

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