Interventionell, interdisziplinär und innovativ

Liebe Kongressbesucher, herzlich willkommen auf dem RadiologieKongressRuhr, dem zentralen Fortbildungskongress für Bildgebung im Herzen des Ruhrgebiets

Prof. Dr. Gerald Antoch
Prof. Dr. Gerald Antoch

Wir freuen uns, dass Sie auch in diesem Jahr den Weg nach Bochum gefunden haben, und sind uns sicher, dass Sie mit vielen neuen Erkenntnissen und Erfahrungen den Heimweg in Ihren Arbeitsalltag antreten werden. Nutzen Sie diesen Kongress der kurzen Wege, um sich über Neu- und Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Radiologie, der ausstellenden Industrie und unserer zuweisenden Fächer zu informieren.

Mehr denn je ist die Radiologie ein Fachgebiet, das seine Stärken in der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen nur im Austausch mit den Zuweisern voll ausspielen kann. Dies soll am Beispiel der onkologischen Bildgebung, die einen Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses bildet, erklärt werden. Eine neue Generation von molekular wirkenden Krebsmedikamenten, wie z.B. Neoangiogenesehemmern, hat das morphologische Erscheinungsbild des Ansprechens der Tumore verändert und unsere Responsebeurteilung auf den Kopf gestellt. Früher war allein die Größe, also das Wachsen oder Schrumpfen des Tumorherds, ein Indiz für den Erfolg oder Misserfolg einer Therapie. Heute liegen die Dinge nicht mehr so einfach: Tumore werden über einen längeren Zeitraum manchmal nicht kleiner, obwohl die Krebszellen nekrotisch sind und zerfallen. Sie werden gelegentlich sogar größer, weil es als Nebenwirkung der Therapie zu einer Einblutung des Tumorgewebes kommen kann, obwohl der Tumor selbst zerfällt. So haben neue Kriterien der Responsebeurteilung, basierend auf Dichtewerten, Signalintensität, Perfusion und Diffusion Einzug in die onkologische Diagnostik gefunden. Wir freuen uns deshalb sehr, dass die Session „Onkologische Bildgebung: Follow up & Response“ unter Vorsitz von Prof. Stefan Diederich und Dr. Thorsten Pöppel die Responsebeurteilung aufgreifen wird. Die Onkologie ist ganz besonders ein Gebiet, auf dem wir Radiologen umdenken und die Beurteilung des Ansprechens der Therapie auf den Tumor neu lernen müssen. Um richtig zu diagnostizieren, ist es daher sehr wichtig, ein enges Verhältnis zu Onkologen, Pathologen und Strahlentherapeuten zu pflegen, wie es idealerweise in einem Tumorboard gegeben ist. Leider haben nicht alle Kollegen hierzu die Möglichkeit und selbst die heutigen Assistenzärzte lernen durch den Wegfall des klinischen Pflichtjahrs nicht mehr selbstverständlich, worauf es in der Klinik ankommt und was der zuweisende Arzt vom Radiologen wissen möchte. Die AG Onkologische Bildgebung, gegründet auf dem Deutschen Röntgenkongress, hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, dieses Wissen flächendeckend zu vermitteln.

Weitere Themenschwerpunkte sind die Neuro- und die Kinderradiologie, denn beide Fächer sind für den Klinikalltag von großer Bedeutung. Das Vortragsprogramm am Freitagmorgen widmet sich der Neuroradiologie, ebenso wie der Fit-für-den-Facharzt-Kurs am Samstagmorgen. Und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie bietet in Kooperation mit der DeGIR einen Baustein zur Zertifizierung für die Interventionelle Neuroradiologie an. Die Praxisorientierung des Kongresses wird auch durch die interaktive Lernkontrolle TED und verschiedene Workshops unterstrichen.

Auch in diesem Jahr wird wieder ein Strahlenschutzkurs nach Röntgenverordnung angeboten, der erstmals alternativ auch zur Hälfte im Vorfeld des Kongresses online absolviert werden kann. Durch die Kombination eines Onlinemoduls mit dem Anwesenheitsmodul kann die Anwesenheitszeit reduziert werden. Alternativ besteht weiterhin die Möglichkeit, den Kurs komplett im Rahmen des RKR zu absolvieren.

Ein neues Format, das den Kongress sicher bereichern wird, ist der erstmalig stattfindende Workshop für Niedergelassene. In diesem Kurs wird radiologisches Wissen im Dialog mit dem Orthopäden praxisnah vermittelt. Beim Fokus Innovation: Was gibt es Neues? werden die Nierennervenablation, die MR-PET und der fokussierte Ultraschall aufgegriffen. Die Nierennervenablation, auch Renale Denervation genannt, ist ein innovatives Verfahren therapieresistenten Bluthochdruck zu senken. Die interdisziplinäre Herangehensweise wird auch in der Session zur „Renalen Denervation“ gepflegt, die gemeinsam von dem Radiologen Dr. Dirk Blondin und dem Nephrologen Dr. Oliver Vonend aus der Uniklinik Düsseldorf vorgestellt werden. Die Einsatzmöglichkeiten des Hybridverfahrens MR-PET sind bislang noch sehr limitiert und auf die universitären Standorte beschränkt. Jedoch wird vermutlich besonders die Pädiatrie von dem im Vergleich zur PET/CT strahlungsärmeren Verfahren profitieren. Aber auch onkologische Erkrankungen im Erwachsenenalter, deren Darstellung vom hohen Weichteilkontrast der MRT profitieren (z.B. Sarkome), sowie die Bildgebung neurodegenerativer Erkrankungen werden langfristig vermutlich zu den Indikationen der MR-PET zählen. Es herrscht also gespannte Erwartung, wie sich diese hochspezialisierte Innovation weiterentwickelt.

Das Wichtigste am Schluss: Sehr herzlich danken wir den zahlreichen Referenten, die als ausgewiesene Experten aus ganz Deutschland und Österreich den Weg nach Bochum gefunden haben und hier ihr Fachwissen vermitteln. Profitieren Sie von diesem Wissen und nutzen Sie es für den klinischen Alltag mit Ihren Patienten.

Wir wünschen Ihnen einen erfolgreichen Kongress und viel Spaß beim Lesen der Kongresszeitung „RadiologieReportRuhr“!

Ihr

Prof. Dr. Gerald Antoch

Prof. Dr. Volkmar Nicolas

Prof. Dr. Wolf-Dieter Reinbold

Kongresspräsidenten 2013

07.11.2013

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