Patienten, die mehrere Medikamente gleichzeitig nehmen, laufen Gefahr, unter Wechselwirkungen der einzelnen Wirkstoffe zu leiden. Eine neue Initiative soll dieses Risiko vermindern.

Bildquelle: Unsplash/Volodymyr Hryshchenko

Verbundprojekt POLAR_MI

Arzneimittelsicherheit bei Polymedikation verbessern

21 Partner haben sich deutschlandweit in dem Verbundprojekt POLAR_MI (POLypharmazie, Arzneimittelwechselwirkungen und Risiken) zusammengeschlossen, um die Versorgung von Patienten mit Polymedikation zu verbessern und die Arzneimitteltherapiesicherheit zu erhöhen.

Das Projekt wird seit Februar vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp 5,5 Millionen Euro bis Mai 2022 gefördert. POLAR_MI baut auf den Infrastrukturen der Medizininformatik-Initiative (MII) des BMBF auf und vereint Institutionen aus den vier in der MII geförderten Konsortien.

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Insbesondere ältere Patienten leiden oft unter mehreren Erkrankungen und müssen deshalb gleichzeitig eine Vielzahl von Arzneimitteln einnehmen. Dies ist mit Risiken verbunden, da sich die Arzneimittel gegenseitig beeinflussen können und auch die Grundkrankheiten deren Verträglichkeit modulieren. Die gewünschte Wirkung einzelner Wirkstoffe kann bis hin zur Unwirksamkeit abgeschwächt oder unerwünscht verstärkt werden. Ein Ziel des Vorhabens POLAR_MI ist es, zu ermitteln wie häufig es zu potentiell inadäquater Medikation kommt und in welchen Risikopopulationen diese sich besonders häufen. In enger Kooperation mit der Labormedizin lässt sich dann möglicherweise auch ermitteln, ob bestimmte Medikamentenkombinationen auch mit Verläufen von Nierenfunktionswerten assoziiert sind. Das Vorhaben wird somit wichtige Grundlagen für ein besseres Arzneimittelmanagement auf der Basis von Routinedaten liefern.

Vor diesem Hintergrund startete am 1. Februar 2020 im Rahmen der Medizininformatik-Initiative das Vorhaben POLAR_MI mit dem Ziel, Gesundheitsrisiken durch arzneimittelbezogene Probleme bei Patienten mit Polymedikation und Multimorbidität zu identifizieren und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit zu leisten.

Wir werden einzigartige Daten aus 13 Universitätskliniken über die verordneten Medikationsprofile polymorbider Patienten und über Arzneimittelrisiken erhalten

Markus Löffler

Unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Löffler (Universität Leipzig) und Prof. Dr. André Scherag (Universitätsklinikum Jena) trafen sich Anfang März rund 60 Vertreter aller 21 Verbundpartner (davon 13 Universitätskliniken) in Leipzig zum Auftakttreffen. „Wir werden einzigartige Daten aus 13 Universitätskliniken über die verordneten Medikationsprofile polymorbider Patienten und über Arzneimittelrisiken erhalten“, sagt Markus Löffler. André Scherag betont: „Wir freuen uns, wie toll wir in dem Projekt über Fachgrenzen und Institutionen hinweg zusammenarbeiten. In POLAR_MI haben wir Informatiker mit Apothekern, klinischen Pharmakologen, Labormedizinern und anderen Gesundheitsforschern an einen Tisch gebracht.“

Ziel von POLAR_MI ist es, die elektronische Dokumentation der Medikation in den einzelnen Kliniken zu verbessern und zu vereinheitlichen sowie innovative Algorithmen zur Klassifizierung von Hochrisikopatienten und -arzneimitteln zu entwickeln. Die entstandenen und entstehenden Strukturen, Methoden und Prozesse der MII sollen gleichzeitig dazu genutzt werden, zukünftig standortübergreifend und datenschutzkonform Medikationsdaten für Forschungszwecke verfügbar zu machen – mit dem Ziel, die Behandlung der Patienten perspektivisch zu verbessern.


Quelle: Medizininformatik-Initiative (MII)

09.03.2020

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