Die munteren Senioren

Wie wird man 90 Jahre alt - und glücklich?

Sind Lebenswille und Optimismus der Schlüssel zu einem langen Leben in weitgehender Selbstbestimmung? Diesen Schluss lässt ein einzigartiges Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zu.

Wissenschaftler untersuchten, welche Bedingungen und Chancen zu einem langen Leben in weitgehender Selbstbestimmung beitragen. Dabei ging es vor allem darum, die Situation von Hochbetagten zu verstehen, die gerade keine akute medizinische Versorgung erhalten oder in betreuten Einrichtungen leben. Zielsetzung war es zu untersuchen, welche Besonderheiten und Verhaltensweisen die Gesundheit und Lebensqualität von überdurchschnittlich aktiven älteren Menschen kennzeichnen.

Quelle: Pixabay/Maklay62

In Bayern leben rund 107.000 Frauen und Männer im Alter von 90 Jahren und älter. Eine große Mehrheit der über 90-Jährigen lebt zu Hause in ihren eigenen vier Wänden. Bislang ist nur wenig über die gesundheitliche Situation dieser besonderen Gruppe von Hochbetagten bekannt, die nicht akut geriatrisch oder pflegerisch versorgt werden und ihr Alltagsleben in weitgehender Selbstbestimmung meistern.


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Die Wissenschaftler identifizierten auch enge Vertrauensbeziehungen als wichtige Größe.
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Erste Befunde der Nürnberger Studie zum Leben in der zehnten Lebensdekade belegen, dass viele der untersuchten Hochbetagten trotz einer oftmals hohen gesundheitlichen Belastung und trotz zahlreicher medizinisch diagnostizierter Krankheiten noch ein positives Lebensgefühl und einen aktiven Lebensstil pflegen, der sich insbesondere auch durch eine meist hohe Willenskraft auszeichnet. Hinsichtlich der Gesundheit der untersuchten Neunzigjährigen zeigt sich eine große individuelle Vielfalt der körperlichen Belastungen. Dennoch fühlten sich die meisten teilnehmenden Hochbetagten deutlich jünger, als ihr tatsächliches chronologisches Alter und ihr Gesundheitszustand erwarten ließen. Für eine hohe Lebensfreude und ein hohes subjektives Gesundheitserleben in der zehnten Dekade des Lebens erscheint insbesondere körperliche Aktivität bedeutsam, ob es zufriedenstellende, enge Vertrauensbeziehungen im Umfeld gibt und wie gut es gelingt, den Alltag weitgehend aus eigener Kraft zu meistern.

„Da es in Deutschland bislang nur wenige Studien zur Situation der im eigenen Privathaushalt, nicht pflegebedürftig lebenden hochbetagten Menschen über 90 Jahre gibt, ist davon auszugehen, dass unsere Studie eine deutschlandweite Relevanz und Aussagekraft hat. Allerdings ist zu beachten, dass es sich bei den Teilnehmern zugleich um eine besondere Bevölkerungsgruppe handelt, über die bislang nur wenig bekannt ist“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Frieder Lang vom Lehrstuhl für Psychogerontologie der FAU.

Es ist wichtig, im Ruhestand fit zu bleiben und die eigene Gesundheit sinnvoll zu unterstützen – etwa durch Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Von großer Bedeutung ist aber auch die soziale Einbindung

Melanie Huml

Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml wirbt anlässlich der neuen Studie dafür, dass ältere Menschen möglichst lange aktiv an der Gesellschaft teilhaben. Huml betont: „Es ist wichtig, im Ruhestand fit zu bleiben und die eigene Gesundheit sinnvoll zu unterstützen – etwa durch Bewegung und eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Von großer Bedeutung ist aber auch die soziale Einbindung. Dies bestätigen die ersten Ergebnisse der Studie.“

Die Ministerin verweist auf ihre aktuelle Schwerpunktkampagne zur Seniorengesundheit mit dem Titel „Mein Freiraum. Meine Gesundheit. In jedem Alter“. Huml erläutert: „Wir informieren darüber, wie es gelingen kann, möglichst lange möglichst gesund und selbstständig zu leben. Körperlich aktiv zu sein, stärkt nicht nur die Gesundheit. Mobilität unterstützt vielmehr auch ein selbstbestimmtes Leben – und vor allem die Teilhabe an der Gesellschaft. Dafür sind die hier in Nürnberg befragten Senioren beste Vorbilder!“

An der Studie nahmen 125 Frauen und Männer im Alter von 90 bis 100 Jahren teil. Sie ließen ihre körperliche und geistige Funktionstüchtigkeit untersuchen und beantworteten eine Vielzahl von Fragen zu ihrer Lebenssituation sowie zu ihren Einstellungen zum Leben. Die Studie wurde in Zusammenarbeit den Lehrstühlen für Gesundheitspsychologie und für Psychogerontologie, gemeinsam mit der von der Schöller-Stiftung geförderten Beratung für gesundes Altern (BegA) an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) durchgeführt.


Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

10.12.2017

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