Doppelte Herausforderung

Wenn Hirntumor und Epilepsie gemeinsam auftreten

Gehirntumoren und Epilepsie – zwei scheinbar unterschiedliche Erkrankungen, jedoch können beide gemeinsam auftreten. Diese Kombination ist nicht häufig, sie stellt aber für Betroffene und Ärzte eine Herausforderung dar.

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Privatdozent Dr. Pitt Niehusmann vom Oslo University Hospital am Mikroskop. Er ist derzeit Fellow der Stiftung Michael am Interdisziplinären Epilepsie-Zentrum des Universitätsklinikums Bonn.

© Foto: Trine Brevig

Privatdozent Dr. Pitt Niehusmann vom Oslo University Hospital erforscht diese Erkrankung mit einem Focused Fellowship der Stiftung Michael am Interdisziplinären Epilepsie-Zentrum des Universitätsklinikums Bonn. Das Auftreten vereinzelter epileptischer Anfälle ist bei Gehirntumoren keine Seltenheit. Sie können sogar das erste Symptom sein, mit dem sich ein Tumor im Gehirn zeigt. Wiederholte epileptische Anfälle über einen längeren Zeitraum sind jedoch eher ungewöhnlich und weisen auf eine besondere Gruppe von Tumoren hin. Diese machen selbst in großen neurochirurgischen Zentren zwar nur einen Bruchteil der operativen Fälle aus, sind für die betroffenen Patienten aufgrund gehäufter Anfälle und des Tumorleidens individuell jedoch höchst belastend.

Den Langzeitepilepsie-assoziierten Tumoren (LEA-Tumoren) ist nur schwer beizukommen. „LEA-Tumoren stellen eine besondere Herausforderung dar, die in den Therapieplanungs- und Behandlungsphasen die gebündelten Kenntnisse eines interdisziplinären Epilepsie-Zentrums wie am Bonner Universitätsklinikum erfordert“, sagt Prof. Dr. Rainer Surges, Direktor der Klinik für Epileptologie. „Die Patienten benötigen eine besonders intensive klinische Betreuung.“

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Interdisziplinäre Strategie als Schlüssel des Behandlungserfolgs

Zumeist verhalten diese Tumoren sich sehr gutartig, ungünstige Varianten müssen aber für die postoperative Therapie sicher herausgefiltert werden

Pitt Niehusmann

Prof. Surges und sein Team stehen bei der Behandlung betroffener Patienten gleich vor mehreren Aufgaben. Neben der medikamentösen Kontrolle der Anfälle gilt es zu entscheiden, wann und in welchem Ausmaß die operative Entfernung des Tumors erfolgen soll. Dies geschieht in enger Abstimmung mit Prof. Dr. Harmut Vatter, Direktor der Klinik für Neurochirurgie: „Die Operation hat die Entfernung der Tumormasse und gleichzeitig die Freiheit von Anfällen zum Ziel. Die nachfolgende Gewebeuntersuchung des Tumors ist dann ein wesentlicher Baustein für die Planung der postoperativen Therapiephase.“

Bei den herausgeschnittenen Tumoren handelt es sich oft um komplexe Gewächse, die sowohl aus Nerven- als auch glialen Stützzellen aufgebaut sind. Sie werden meist als Gangliogliome bezeichnet. Die LEA-Tumorbank des Instituts für Neuropathologie am Uniklinikum Bonn ist eine der größten Sammlungen dieser Tumoren weltweit und bietet eine einzigartige Voraussetzung, die Biologie dieser Erkrankungen zu untersuchen. „Nicht nur die Diagnose ist oft schwierig, da das Erscheinungsbild stark variieren kann“, sagt Privatdozent Dr. Pitt Niehusmann. Sehr wichtig sei die Beurteilung des biologischen Verhaltens. „Zumeist verhalten diese Tumoren sich sehr gutartig, ungünstige Varianten müssen aber für die postoperative Therapie sicher herausgefiltert werden.“

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Dr. Niehusmann forscht aktuell mit einem von der Stiftung Michael geförderten Focused Fellowship am Institut für Neuropathologie als Teil des Interdisziplinären Epilepsie-Zentrums am Universitätsklinikum Bonn. Ziel ist, Veränderungen auf Molekülebene zu entdecken, die verbesserte Auskunft über das Risiko einer möglichen Wiederkehr des Tumors und eine maßgeschneiderte Vorbeugung gegen das erneute Auftreten von Anfällen geben können. „Die Verbesserung der Behandlung von Patienten mit Epilepsien stellt ein wesentliches Anliegen der Stiftung Michael dar“, sagt Stiftungsvorstand Dr. Heinz Bühler. „Dazu ist intensive Forschung nötig, für die die Focused Fellowships eine hervorragende Basis bilden.“


Quelle: Universitätsklinikum Bonn

05.05.2019

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