Wenigstens das Einfachste

Die radiologische Response-Beurteilung bei Tumortherapien sollte in der Aus- und Weiterbildung verankert und die entsprechenden Kriterien müssen in der klinischen Routine angewandt werden.

35-jährige Patientin, Zustand nach Mammakarzinom mit Lebermetastasen, CT der...
35-jährige Patientin, Zustand nach Mammakarzinom mit Lebermetastasen, CT der Leber, „Target-Läsionen“ (Pfeile)
Abb. 2 – Follow-up-Untersuchung nach drei Zyklen Chemotherapie – „Partial Response“ (Größenreduktion von 30 Prozent+) der beiden Target-Läsionen
Bilder (2): Dr. Emina Talakic
Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger
Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger

„Die radiologische Response-Beurteilung bei Tumortherapien kommt in der Aus- und Weiterbildung nicht als eigenständiges Modul vor“, konstatiert Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger, Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Radiologie an der Universitätsklinik für Radiologie der Medizinischen Universität Graz. Das liege schlicht und einfach daran, dass die onkologische Bildgebung derzeit keine offizielle Subspezialität sei und die Response-Beurteilung wiederum nur ein kleines Gebiet der onkologischen Bildgebung. „Trotzdem wäre es sinnvoll, entsprechende Module in der Aus- und Weiterbildung zu verankern und vermehrt anzubieten. Wir alle werden immer älter, deshalb wird es auch häufiger zu Krebserkrankungen kommen.“

In onkologischen Studien kommen vier unterschiedliche Kriterien zur Anwendung, mit denen das Ansprechen einer Tumorerkrankung auf eine medikamentöse Therapie evaluiert wird:
• die RECIST-Kriterien (Response Evaluation Criteria in Solid Tumors), bei denen der Tumor nach seiner Größe – exakter: nach seinem maximalen Durchmesser – beurteilt wird
• die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die zwar veraltet, aber noch immer bei einigen Langzeitstudien im Einsatz sind
• die Jason-Kriterien für Lymphome
• die Choi-Kriterien für gastrointestinale Stromatumoren (GIST)

 

Unter forschenden Radiologen sind die RECISTKriterien durchaus umstritten, weil die modernen bildgebenden Verfahren viel mehr Möglichkeiten bieten, als nur den Durchmesser in einer Dimension zu messen. Allein was die Größenmessung angeht, gibt es heutzutage Software, die das Volumen eines Tumors automatisch berechnet – ganz zu schweigen von den Möglichkeiten der funktionellen Bildgebung, mit denen die Aktivität des Tumors bestimmt werden kann. Vielfach jedoch – speziell in Einrichtungen, in denen nicht geforscht wird – kommen selbst die simpelsten Kriterien oft nicht zum Einsatz. „Ich wäre schon froh, wenn sich zumindest die RECIST-Kriterien in der täglichen Routine durchsetzen würden“, seufzt Fuchsjäger.

Dieses Manko wiederum schlägt sich in der Ausbildung nieder: Radiologen, die in einer Universitätsklinik beziehungsweise in einem tertiären Zentrum ausgebildet werden, bekommen es dabei mit Kriterien zur Response-Beurteilung zu tun – die Kollegen in den kleineren Spitälern sehen einfach zu wenige onkologische Patienten. „Das ist auch eine Frage der Ressourcen“, weiß Fuchsjäger, „kleine Krankenhäuser haben oft kein eigenes MRT-Gerät oder das einzige vorhandene wird für die klinische Routine eingesetzt und nicht für hoch spezialisierte Tumorverlaufskontrollen.“ Deshalb wünscht sich der österreichische Radiologe wenigstens in der Fortbildung ein regelmäßiges Angebot an eigenen Kursen, in denen sich Radiologen zumindest einen Tag lang mit onkologischer Response-Beurteilung auseinandersetzen. Neben dem Ratschlag, sich mit den Beurteilungskriterien auseinanderzusetzen und diese anzuwenden, hat Fuchsjäger noch eine weitere Empfehlung für Radiologen bei der Verlaufskontrolle von Tumorerkrankungen: „Man sollte nicht immer nur die unmittelbare Voruntersuchung zum Vergleich heranziehen, sondern auch die Baseline-Untersuchung.“ Innerhalb der jeweiligen Untersuchungsintervalle nämlich verändere sich ein Tumor oft nicht in einem relevanten Ausmaß, im Vergleich zur Untersuchung direkt vor Beginn der Therapie würden jedoch oft Veränderungen sichtbar.

Im Profil
Univ.-Prof. Dr. Michael Fuchsjäger leitet die Klinische Abteilung für allgemeine Radiologie an der Universitätsklinik für Radiologie der Medizinischen Universität Graz. Fuchsjäger studierte und habilitierte 2006 an der Universität Wien. Bis zu seiner Berufung nach Graz war er dort Universitätsprofessor sowie Leitender Oberarzt. Zudem leitete er das Clinical Imaging Institute des Al-Ain-Hospitals, eines universitären Lehrkrankenhauses in Abu Dhabi. Der wissenschaftliche Schwerpunkt von Fuchsjäger ist die onkologische Bildgebung.

Veranstaltung
Raum Holthusen
Sa., 31.05.2014, 13:45 - 14:00 Uhr
MRT nach Operation und Rekonstruktion
Fuchsjäger M. /Graz
Session: Mamma II – Klinische Mamma MRT
 

29.05.2014

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