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MTRA & Hygiene

Über Händedesinfektion muss man stolpern

Die Kontrastmittelgabe im Rahmen von CT-Untersuchungen erfolgt meist mittels Injektomaten. Glücklicherweise gibt es im Zusammenhang mit diesen Geräten nur wenige Infektionen, über die in der Vergangenheit berichtet wurde. Dennoch gilt es auch beim Umgang mit Injektomaten, auf die Hygiene zu achten.

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Dr. Matthias Sauter ist Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie, Infektiologie und Notfallmedizin und hat die Ärztliche Leitung der Abteilung für Hygiene und Infektiologie des Klinikverbunds Kempten-Oberallgäu gGmbH inne.

Dr. Matthias Sauter, Ärztlicher Leiter der Abteilung Hygiene und Infektiologie des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu, stellt die wichtigsten Hygienemaßnahmen auf dem diesjährigen Bayerischen Röntgenkongress vor und wendet sich damit in erster Linie an die Medizintechnischen Radiologieassistenten (MTRA). Seine besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Handling des Venenkatheters, denn dieser stellt den Zugang zum Patienten dar. „Selbst wenn es sich nur um die Konnektion oder Diskonnektion der Verbindung vom Injektomaten zur Venenkanüle handelt, liegt per definitionem eine aseptische Tätigkeit vor“, mahnt Sauter.

Das Tragen von Einmalhandschuhen ersetzt keinesfalls die Händedesinfektion.

Dr. Matthias Sauter

Aus Arbeitssicherheitsaspekten ist bei dieser Tätigkeit das Tragen von Einmalhandschuhen unabdingbar. „Auf keinen Fall darf die Händedesinfektion unmittelbar vor Durchführung einer aseptischen Tätigkeit und danach, beziehungsweise nach Kontakt mit potenziell infektiösen Materialien in der Patientenumgebung, vergessen werden. Das Tragen von Einmalhandschuhen ersetzt keinesfalls die Händedesinfektion“, erinnert er. Ein Verhalten, das mit der Zeit in Fleisch und Blut übergeht, am Anfang jedoch mühevoll antrainiert werden muss, weil es sonst vergessen wird. Gerade hier lauern aber die versteckten Gefahren potentieller Infektionen. Die Kontamination von Venenkathetern durch die Hände des medizinischen Personals birgt das Risiko von Infektionen – bis hin zur Sepsis – und tritt mutmaßlich sehr viel häufiger auf als spektakuläre Ausbrüche durch blutübertragene Erkrankungen bei Mehrfachanwendung von Applikationssystemen. „Als aseptische Tätigkeit gilt auch die Konnektierung der einzelnen Systembestandteile“, so Sauter.

Über Händedesinfektion muss man stolpern
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Was passiert im Falle einer Infektion?

Der schlimmste anzunehmende Fall ist die Kontamination eines Patienten mit Fremdblut. Diese Möglichkeit ist dann denkbar, wenn ein Applikationssystem für mehrere Patienten benutzt wird, wie in den meisten Einrichtungen praktiziert. Gerade hier ist es wichtig, mit den geltenden Vorschriften und insbesondere auch den Anwendungshinweisen des Herstellers vertraut zu sein. „Wenn im Extremfall herauskommt, dass der Anwender gegen geltende Vorschriften oder die Anwendungshinweise des Herstellers verstoßen hat, kann dies zu erheblichen haftungsrechtlichen Problemen führen.“

Leitlinien gibt es kaum

Zudem lohnt es sich, die eigenen Arbeitsprozesse unter hygienischen Gesichtspunkten näher zu beleuchten.

Dr. Matthias Sauter

Unglücklicherweise existieren nur wenig wissenschaftlich fundierte Regeln. „Es gibt eine S1-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), meines Wissens die einzige ihrer Art im deutschsprachigen Raum“, weiß Sauter. Selbstverständlich muss auch das Medizinproduktegesetz und das Arzneimittelrecht zu Rate gezogen werden. „Trotzdem empfehle ich dringend die eingehende Auseinandersetzung mit der genannten Leitlinie und eine anschließende Risikobewertung der eigenen Vorgehensweise.“

Grundsätzlich sollten die gleichen Rahmenbedingungen und Regeln eingehalten werden, die für die Verabreichung parenteraler Arzneimittel gelten, fordert Sauter. „Zudem lohnt es sich, die eigenen Arbeitsprozesse unter hygienischen Gesichtspunkten näher zu beleuchten, denn auch die Kontrastmittelgabe ist letztlich eine intravenöse Injektion.“

Angemessene Prävention

Um einen hygienischen Ablauf zu gewährleisten, empfiehlt Sauter die gut sicht- und erreichbare Anbringung von Händedesinfektionsspendern in den jeweiligen Bereichen. „Eigentlich muss so sichtbar auf die Händedesinfektion hingewiesen werden, dass man quasi darüber stolpert, bevor eine aseptische Tätigkeit durchgeführt wird“, macht der Facharzt deutlich.

Obligat ist die Kenntnis der Herstellerangaben sowohl hinsichtlich des Kontrastmittels als auch des Applikationssystems. Basierend hierauf ist eine Risikobewertung möglich, die dem Anwender dabei hilft, sein Risiko zu minimieren und den Prozess für den individuellen Patienten so sicher wie möglich zu gestalten.

Veranstaltungshinweis:
Raum: Conference 5
Freitag, 14. Oktober 2016, 11:30-12:00 Uhr
MTRA 1 – KM-Injektor
KM-Injektoren und Hygiene

13.10.2016

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