Hygiene

MTRA-Schützenhilfe gegen multiresistente Erreger

In jeder Untersuchungseinheit muss damit gerechnet werden, dass Patienten mit Infektionserkrankungen und multiresistenten Erregern die Radiologie aufsuchen.

MTRA sind in engem Patientenkontakt und sollten deshalb besonders aufmerksam der Ansteckungsgefahr entgegen wirken. Vor allem Patienten, bei denen die Infektion noch nicht bekannt bzw. der Erreger nicht sicher bestimmt ist, stellen ein Risiko für Mitarbeiter und nachfolgende Patienten dar. Auch sollte immer eine Risikoeinschätzung stattfinden, denn Patienten, die beispielsweise aus anderen Krankenhäusern oder Rehabilitationseinrichtungen kommen, tragen ein erhöhtes Risiko für multiresistente Erreger. Sylvia Ryll, Hygienefachkraft am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald gibt einige Hinweise, die MTRA helfen, sich selbst, Patienten und Kollegen zu schützen.

Schutz der radiologischen Mitarbeiter

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Sylvia Ryll ist leitende Hygienefachkraft am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

Der beste Schutz für die MTRA – wie für alle Mitarbeiter in der Medizin – vor ansteckenden Kinder- und Infektionskrankheiten ist nach Ansicht von Sylvia Ryll eine Impfung gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). „Man sollte einen aktuellen Impfstatus haben, das ist elementar für jede MTRA. Auch wenn es nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, so sollte aus dem eigenen Verantwortungsempfinden heraus jeder Mitarbeiter dieser Pflicht nachkommen, dazu gehört auch, sich saisonal gegen die Influenza impfen zu lassen“, rät die Greifswalder Hygienefachkraft.

Neben der Erfüllung dieser elementaren Voraussetzungen, gibt es weitere Schutzmaßnahmen, die je nach Risikoprofil des Patienten Anwendung finden sollten. Bei Patienten mit unklarer Symptomatik, vor allem bei unklarem und neu aufgetretenem Haut- oder Schleimhautausschlag, sollte immer Schutzkleidung angelegt werden, weil es sich um eine Kinderkrankheit handeln könnte. Dies gilt bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen, denn wegen der schlechten Impfbereitschaft in der Bevölkerung erkranken auch wieder vermehrt Volljährige an Krankheiten wie Masern, Mumps und Keuchhusten.

Schutz der Oberflächen und Luftaustausch

Patienten mit Infektionen oder solche, bei denen man eine Infektion vermutet, sollten nach Möglichkeit am Ende des Bestellplans untersucht werden

Sylvia Ryll

Patienten mit ansteckenden Infektionskrankheiten stellen aber nicht nur ein Risiko für die Mitarbeiter dar, sondern sie gefährden auch nachfolgende Patienten. So wird durch aerogen übertragbare Infektionskrankheiten die Raumluft im Untersuchungszimmer kontaminiert. Zum Beispiel durch Husten gelangen die Erreger bei der Sedimentation aus der Raumluft auf Oberflächen und medizinische Geräte. Deshalb müssen diese Oberflächen, insbesondere die Kontaktflächen und die leicht erreichbaren horizontalen Flächen desinfizierend aufbereitet werden, sobald infizierte und möglicherweise infizierte Patienten, den Raum verlassen haben. Weiterhin muss auch für einen ausreichenden Wechsel der Raumluft gesorgt werden, insbesondere bei Kinderkrankheiten, deren Erreger zum Teil lange in der Raumluft überleben können. Dies sollte entweder durch eine Stoßlüftung von 3 bis 10 Minuten Dauer erfolgen – im Sommer eher noch etwas länger – oder die Raumlufttechnik übernimmt den Luftaustausch. „Bei einem hohen Durchlauf an Patienten empfiehlt es sich, die Untersuchungslogistik umzustellen: Patienten mit Infektionen oder solche, bei denen man eine Infektion vermutet, sollten nach Möglichkeit am Ende des Bestellplans untersucht werden, also z.B. mittags vor der Pause oder am Nachmittag, wenn ausreichend Zeit zum anschließenden Lüften vorhanden ist. Wenn eine Infektion vorher nicht bekannt ist und erst bei der Diagnostik bemerkt wird, wie z.B. ein Hautausschlag, sollte man sich trotz möglicher Verzögerungen für nachfolgende Untersuchungen an die Vorgaben halten, sonst setzt man den nächsten Patienten wissentlich einer Gefahr aus“, so Sylvia Ryll.

Werden multiresistente Erreger bei einem Patienten vermutet, sollte unbedingt...
Werden multiresistente Erreger bei einem Patienten vermutet, sollte unbedingt Schutzkleidung getragen werden.
Quelle: Pixabay/whitesession

Multiresistente Erreger

Noch schwieriger als Kinder- und Infektionskrankheiten sind für die MTRA multiresistente Erreger zu erkennen. Das Wissen um mögliche klar definierte Risikofaktoren für den Erwerb von MRE ist deshalb auch für die MTRA von Bedeutung. Diese Patienten sollten nach Möglichkeit wieder ans Ende der Untersuchungszeiten geschoben werden oder die MTRA muss sich selbst und den Untersuchungsort entsprechend schützen. Hier sollte erregerabhängig Schutzkleidung, bestehend aus Schutzkittel, Schutzhandschuhen bei Kontakt mit erregerhaltigem Material und bei evtl. aerogner Übertragung dreilagiger Mund-Nasenschutz, getragen und die Kontaktflächen desinfiziert werden. Auch weiter entfernte Flächen, die das Personal berührt hat, müssen desinfiziert werden. Denn hier kann immer eine Übertragung via Hand erfolgen, darum ist neben der Flächen- auch die Händedesinfektion ein sehr wichtiges und dabei äußerst wirksames Mittel zur Unterbrechung von Übertragungswegen. „Bei Kinderkrankheiten ist immer daran zu denken, dass eine Umstellung auf viruzid wirksame Desinfektionsmittel erforderlich sein kann.“


Profil:

Sylvia Ryll begann ihre Laufbahn im Gesundheitswesen mit einer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, später absolvierte sie einen Stationsleitungskurs und ließ sich zur Praxisanleiterin weiterbilden. Sie hat einen Bachelorabschluss in Hygienemanagement (B.A.) und ist leitende Hygienefachkraft am Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald


Veranstaltungshinweis

Do, 10.05.18, 17:45-18:30: 

Infektionskrankheiten - wann wird's gefährlich?

S. Ryll, (D-Greifswald)

Wissenschaftliche Sitzung: MTRA 6 - Technologiefortschritt

09.05.2018

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