Telefon-Hotline beantwortet offene Fragen zur Behandlung des Bluthochdrucks

Seit 1992 betreibt die Deutsche Hochdruckliga (DHL) die weltweit erste und bislang einzige Telefonhotline für Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Jährlich nutzen bis zu 5000 Patienten die Möglichkeit, sich bei Experten über ihre Erkrankung und deren Behandlung zu informieren. Eine Auswertung in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) zeigt: Viele Patienten möchten mehr über ihre Erkrankung wissen, als sie im Sprechzimmer ihres Arztes erfahren.

Ein häufiger Anlass für einen Anruf beim Herz-Kreislauf-Telefon, so die offizielle Bezeichnung der Hotline, ist die begrenzte Zeit, die Ärzten in Deutschland für das Gespräch mit dem Patienten zur Verfügung steht, schreibt Diplom-Betriebswirt Joachim Leiblein. Der Geschäftsführer der DHL aus Heidelberg hat mehr als 20000 Anrufe ausgewertet und festgestellt: Viele Patienten fühlen sich vom Hausarzt nicht ausreichend informiert. Vor allem Menschen, bei denen der Bluthochdruck neu diagnostiziert wurde, holen sich gerne eine Zweitmeinung ein, da die Aussicht lebenslang Medikamente einnehmen zu müssen, sie belastet. Neben den Nebenwirkungen stellen diese Patienten auch Fragen zu den möglichen Folgeschäden einer über lange Zeit angewandten Medikation, berichtet Leiblein.

Eine Dauertherapie lässt sich bei Hochdruckpatienten zwar in der Regel nicht vermeiden. Die Aussicht, bei Nebenwirkungen auf andere Wirkstoffe ausweichen zu können, wirkt jedoch psychisch entlastend, berichtet Professor Dr. med. Peter Dominiak, Kongresspräsident des 33. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga und Präsident der Universität Lübeck, der sich eine Verbesserung der Therapietreue von den telefonischen Beratungen verspricht. Studien hätten nämlich gezeigt, dass die Möglichkeit, sich unabhängig vom Hausarzt über Medikamente zu informieren, die Bereitschaft der Patienten fördere diese einzunehmen. Dies könne langfristig Krankenhauseinweisungen aufgrund von Folgekrankheiten verhindern.

Bei der Analyse fiel Dominiak auf, dass viele Patienten nicht ausreichend darüber informiert waren, welche Medikamente sie zu welchem Zweck einnehmen. Nicht selten wurden die Hochdruckmittel mit Medikamenten gegen zu hohe Cholesterin- oder Blutzuckerwerte verwechselt. Die Beipackzettel aus den Medikamentenpackungen seien für die Patienten oft nicht verständlich und deshalb kein Beitrag für die sachgerechte Information der Patienten, kritisiert Dominiak. Doch auch Ärzte kämen ihrer Informationspflicht nicht immer nach. Bemerkenswert häufig, so Dominiak, klagten Anrufer über einen anhaltenden trockenen Reizhusten, eine bekannte Nebenwirkung einer bestimmten Gruppe von Hochdruckmedikamenten, den ACE-Hemmern. Normalerweise ist dies ein Grund, den Therapieplan zu ändern und auf andere Mittel zu wechseln. Dass dies nicht geschieht, wird immer wieder von Anrufern berichtet.

Insgesamt sind die Anrufer repräsentativ für die Gruppe von Hochdruckpatienten. Die Erkrankung wird mit zunehmendem Alter häufiger. Aufgrund des demografischen Wandels hat das Durchschnittsalter der Anrufer seit Bestehen der Hotline um mehrere Jahre zugenommen. Die meisten Anrufer sind selbst erkrankt. Angehörige nutzen die Hotline selten. Anders als beim Krebsinformationsdienst, wo mehr Frauen als Männer anrufen, ist das Geschlechterverhältnis beim Herz-Kreislauf-Telefon ausgeglichen.

Quelle:
J. Leiblein, P.Dominiak:
Analyse von 20000 Anrufen bei der Telefon-Hotline der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (45): S. 2270-2273

16.11.2009

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