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News • Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge
S3-Leitlinie Lungenkrebs: neue Empfehlungen zu Immuntherapie und Operabilität
Die S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“ wurde im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisiert. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Empfehlung zur medikamentösen Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms (SCLC) im fortgeschrittenen Stadium, grundlegende Anpassungen zur Operabilitätsbewertung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) im Stadium II und III und neue Empfehlungen zur interventionellen Therapie.
Die Leitlinie entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP), der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. vertreten durch ihre Arbeitsgemeinschaften und unter Mitwirkung von 29 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde das Leitlinienupdate von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.
Die neue S3-Leitlinie Lungenkarzinom ist hier abrufbar.
Laut Robert Koch-Institut erkrankten im Jahr 2023 24.900 Frauen und 33.500 Männer an Lungenkrebs. Die Prognose ist eher ungünstig und richtet sich stark nach dem Erkrankungsstadium: Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei Frauen bei rund 25% und bei Männern bei 19%. Lungenkarzinome lassen sich in die Gruppen NSCLC und SCLC einteilen, wobei etwa 20% der diagnostizierten Tumoren SCLC sind.
Durch die Checkpoint-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie wurde ein neuer Standard etabliert, der das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben deutlich verbessert
Wolfgang Schütte
60% bis 70% aller Patienten mit einem neu diagnostizierten SCLC befinden sich zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits im palliativen Stadium IV. Die Therapie zielt daher auf Lebensverlängerung und -qualität ab.
Für diese Therapiesituation wurde in der Leitlinie eine neue Empfehlung zur Kombination der Chemotherapie mit einem PD-1-Antikörper aufgenommen. „Durch die Checkpoint-Inhibitoren zusätzlich zur Chemotherapie wurde ein neuer Standard etabliert, der das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben deutlich verbessert“, sagt Professor Wolfgang Schütte vom Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. Gemeinsam mit Dr. Sylvia Gütz, St. Elisabeth Krankenhaus Leipzig und Dr. Wiebke Nehls, Helios Klinikum Emil von Behring, koordinierte er die Aktualisierung der Leitlinie. „Wir haben nun erstmals Daten, die ein Langzeitüberleben von drei Jahren zeigen. Die Studien zeigen klare Vorteile der kombinierten Therapie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie.“
Auch für die Situation eines Rezidivs oder eines Fortschreitens des SCLC im Stadium IV werden in der aktualisierten Leitlinie neue Therapieempfehlungen gegeben.
In der Leitlinie werden auch neue Empfehlungen zur Therapieentscheidung beim NSCLC Stadium II und III gegeben. Wenn möglich, ist eine Operation als kurativer Ansatz die Therapie der Wahl. Ist eine Operation nicht möglich, was insbesondere im fortgeschrittenen Stadium der Fall ist, werden verschiedene multimodale Konzepte angewandt.
Erstmals wird nun die Operabilität systematisch in drei Dimensionen bewertet:
- Technisch: Ist der Tumor resektabel?
- Funktionell: Verträgt der Patient die OP?
- Onkologisch: Ist eine vollständige Tumorentfernung mit einer besseren Prognose für den Patienten möglich?
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Themenschwerpunkt: Lungenkrebs
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Neu sind dazu standardisierte Diagnostikpfade zur präzisen Beurteilung der Operabilität sowie klare Empfehlungen zur multimodalen Therapie: Bei resektablen Tumoren kommt neoadjuvante Immunchemotherapie zum Einsatz. Bei unsicherer Operabilität soll die Empfehlung zur multimodalen Therapie erst nach erweiterter Diagnostik im Tumorboard und unter besonderer Berücksichtigung der Patientenwünsche erfolgen. Auch die operativen Verfahren werden durch neue Empfehlungen genauer definiert, so beispielsweise die Kriterien für minimalinvasive Lobektomien (VATS/RATS) oder die Indikation für Manschettenresektionen zur Pneumonektomie-Vermeidung. Zudem wurde das Alter als alleiniges Ausschlusskriterium gestrichen – hier soll nun eine individuelle, interdisziplinäre Risikoabwägung stattfinden.
Interventionelle Therapien sind Methoden, die lokal wirksam sind und als minimalinvasive Eingriffe durchgeführt werden. Beim Lungenkrebs werden sie vor allem im palliativen Setting eingesetzt, etwa um Atemwege zu befreien, Blutungen zu stillen oder Tumorgewebe zu zerstören.
„In der Leitlinie gibt es viele neue und überarbeitete Therapieempfehlungen, die dabei helfen, die Lebensqualität unserer Patienten zu verbessern oder eine Folgetherapie zu ermöglichen“, so Schütte.
Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft
27.06.2026


