Mit vernetztem Wissen die Krebsmedizin voranbringen – auf dem Jahreskongress der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie wird dieses Potenzial ein Kernthema sein.

Bildquelle: Gerd Altmann auf Pixabay

Kontinuierliches Lernen

Mit dem Fortschritt der Krebsmedizin Schritt halten

Präzisionsmedizin, Big Data, neue Wirkstoffe: In keinem medizinischen Bereich sind die Fortschritte so rasant wie in der medikamentösen Behandlung von Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen. Wissenschaftliche Kongresse wie die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie sind das wichtigste Forum, um über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berichten und zu diskutieren.

Mehr als 5.500 Teilnehmer werden vom 11. bis zum 14. Oktober 2019 in Berlin erwartet. Eine der übergeordneten Fragen ist der Umgang mit Big Data. Welche Daten können wir aus der Versorgung generieren, und wie gehen wir mit der Menge und Komplexität kontinuierlich neu generierter Daten um? Durch die Digitalisierung eröffnen sich mit diesem riesigen Datenschatz völlig neue Chancen für die Therapie, aber auch die Verpflichtung zur kritischen Überprüfung.

Ausführliche Informationen zur Jahrestagung gibt es unter www.haematologie-onkologie-2019.com

portrait of lorenz trümper
Kongresspräsident Prof. Dr. Lorenz Trümper ist Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen
Quelle: UMG

„Mit Big Data verbindet sich die Hoffnung, die Komplexität von Krebserkrankungen noch besser zu verstehen und daran anknüpfend effektive Therapien für unsere PatientInnen entwickeln zu können. Als onkologisch tätige ÄrztInnen sind wir gefordert, dieses Versprechen einzulösen. Dazu müssen wir verstehen, was Big Data leisten könne, welche Voraussetzungen für ihre Generierung und Interpretation geschaffen werden müssen und wie darauf basierende Erkenntnisse in eine evidenzbasierte Versorgung integriert werden können. Unsere diesjährige Jahrestagung bietet eine Plattform, um dieses Schwerpunktthema gemeinsam zu diskutieren“, so Kongresspräsident Prof. Dr. Lorenz Trümper, Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen. So wird im Rahmen der Plenarsitzung „Big Data und Digitale Medizin“ am 14. Oktober 2019 unter anderem diskutiert, welche Hürden es bei der Translation von Big Data in die Präzisionsmedizin gibt und wie die Daten für die klinische Entscheidungsfindung genutzt werden können.

Big Data vs. klinische Studien?

Was vor wenigen Wochen noch aktueller Stand des medizinischen Wissens war, ist es morgen schon nicht mehr

Michael Hallek

Welches Potenzial Big Data für die evidenzbasierte Medizin haben, wird kontrovers diskutiert. „Big Data ist kein Ersatz für hochwertige klinische Studien“, betont Prof. Dr. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie. „Aber wir haben heute die Möglichkeit, die Fülle großer Datensätze in ihrer Gesamtheit für spezifische Fragestellungen zu erschließen. Auf Basis dieser Analysen lassen sich Hypothesen ableiten, die in zum Teil prospektiv randomisierten Studien geprüft werden müssen.“ Damit auch Patienten in ländlichen Regionen Zugang zu innovativen Therapieverfahren erhalten, sind flächendeckend Netzwerkstrukturen aus Universitätskliniken, städtischen Krankenhäusern und Praxen erforderlich.

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Auch im Zeitalter von Big Data bleibt die kritische Beurteilung von Daten auf medizinischer und wissenschaftlicher Basis originäre Aufgabe von Ärzten und Wissenschaftlern. „Maschinen und künstliche Intelligenz werden Menschen nicht überflüssig machen. Vielmehr kommt auf die in der Hämatologie und Onkologie Tätigen die herausfordernde Aufgabe zu, aus der Vielzahl an Daten die für die jeweilige Behandlungssituation richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Rolle und Funktion von uns ÄrztInnen wird damit an Bedeutung gewinnen – aber nur, wenn wir uns hier entsprechend weiterbilden. Denn letztlich sind es ÄrztInnen, die gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für oder gegen eine Therapie treffen“, so Trümper.

Vor diesem Hintergrund ist die qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildung von eminenter Bedeutung. Dazu gehört eine ausgewiesene Expertise in systemischer medikamentöser Tumortherapie. „In kaum einer anderen Disziplin ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung so wichtig wie in unserem Fachgebiet. Durch die hohe Geschwindigkeit bei der Zulassung neuer Arzneimittel ändern sich auch die Behandlungsleitlinien entsprechend rasant. Was vor wenigen Wochen noch aktueller Stand des medizinischen Wissens war, ist es morgen schon nicht mehr. Deshalb sind wir in unserem Fachgebiet auf hochqualifizieren ärztlichen und wissenschaftlichen Nachwuchs angewiesen. Auch deshalb versuchen wir mit dem Studententag im Rahmen der Jahrestagung oder der DGHO-Juniorakademie schon früh junge Menschen für unser Fach zu begeistern“, so Hallek.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)

02.10.2019

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