Verdauungstrakt

Biomarker verbessern die Behandlung

Zellen, Gene, Moleküle oder deren Teile weisen in Blut, Speichel, Urin oder Stuhlproben auf Krankheiten hin. Für die Behandlung von Darmerkrankungen werden diese sogenannten Biomarker in den nächsten Jahren immer wichtiger.

Darmerkrankungen sind im Blut nachweisbar.
Darmerkrankungen sind im Blut nachweisbar.

Deren Erforschung und Entwicklung ermöglicht, dass Labortests Krankheiten des Darmtrakts noch genauer identifizieren, so dass Ärzte noch zielgerichteter behandeln können, erklärt ein Experte im Vorfeld der Medica Education Conference. Die wissenschaftliche, interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung findet im Rahmen der Medica, der weltweit größten Messe für Medizintechnik, vom 12. bis 15. November in Düsseldorf statt.

„Schon heute benutzen Ärzte eine Reihe von Biomarkern, um Krankheiten des Verdauungstraktes gezielt beurteilen zu können“, erläutert Professor Dr. med. Guido Gerken, Direktor der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie des Universitätsklinikums Essen. Als Beispiele nennt er den Tumormarker AFP, den Leberkrebszellen ans Blut abgeben, oder eine Reihe von Antikörpern, anhand derer Autoimmunkrankheiten der Leber oder anderer Organe diagnostiziert werden. Auch der Stuhltest auf Darmkrebs gehört dazu. Biomarker sind hier die vom Tumor freigesetzten Blutspuren und neuerdings auch Gene.

Die Zahl der Biomarker ist in den letzten Jahren gewachsen. Professor Gerken erwartet für die Zukunft einen weiteren Anstieg. „Vor allem molekulare Marker oder genetische Marker werden derzeit untersucht. Beim Darmkrebs entscheiden schon heute Mutationen im KRAS-Gen darüber, mit welchen Medikamenten die Patienten behandelt werden.“ Die Behandlung von Magenkrebs hängt laut dem Experten davon ab, ob HER2-Merkmale auf den Tumorzellen gefunden werden. Für beide Krebserkrankungen sieht Professor Gerken in den nächsten Jahren weitere Biomarker voraus. Mit sogenannten Genchips könnten Wissenschaftler in einem Test die Aktivität tausender Gene untersuchen. Mit dem „Full Genome Sequencing“ wäre schon bald das Erbgut von Tumoren zu entschlüsseln.

„Auch bei den beiden entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bahnen sich deutliche Fortschritte an“, erklärt Professor Gerken, Mitglied des Programmkomitees der Medica Education Conference 2014 für den Bereich Gastroenterologie und Hepatologie. Die Ursache der Darmentzündungen werde heute in einer Barrierestörung der Darmschleimhaut gesehen. Eine Rolle spielen hier sowohl die Darmbakterien als auch die Abwehrlage des Körpers. Beides könnten Wissenschaftler in Zukunft durch Biomarker untersuchen. „Die Labortests zeigen uns, ob eine Dysfunktion des angeborenen Immunsystems vorliegt, oder ob es im Darm zur Vermehrung von Krankheitserregern gekommen ist“, erklärt Professor Gerken.

Doch die neuen Tests sind kostspielig. Professor Gerken sieht eine gesellschaftliche Debatte darüber voraus, welche Tests für die Patienten und für die Kostenträger noch zuträglich sind. Allzu pessimistisch ist der Experte jedoch nicht. „Mit den neuen Tests können wir vorhersagen, für welche Patienten eine Therapie erfolgversprechend ist und welchen Patienten unnötige Nebenwirkungen erspart werden könnten“, sagt der Experte: „Dadurch können durchaus Kosten in der Therapie eingespart und gleichzeitig die Belastungen der Patienten vermindert werden.“
 

21.08.2014

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