Vernetzung von Forschungspraxen mit bis zu 21 Millionen Euro gefördert

Bildquelle: Gerd Altmann auf Pixabay

Allgemeinmedizin

Vernetzung von Forschungspraxen mit bis zu 21 Millionen Euro gefördert

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert von 2020-2025 deutschlandweit sechs regionale Forschungspraxennetze und eine Koordinierungsstelle in Berlin mit bis zu 21 Millionen Euro.

Ziel der Initiative DESAM-ForNet ist der Aufbau einer Netzwerkstruktur für Forschungspraxen zur Stärkung der Allgemeinmedizin. Bundesweit soll damit eine unabhängige, nachhaltige und international wettbewerbsfähige Netzwerkstruktur für Forschung im ambulanten Setting geschaffen werden. „Mit der Initiative Deutscher Forschungspraxennetze DESAM-ForNet wollen wir hochwertige Forschung aus und für die allgemeinmedizinische Praxis weiter ausbauen und eine bundesweite Zusammenarbeit ermöglichen“, erläutert Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM).

Koordiniert wird die Initiative DESAM-ForNet von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) und der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF). Die zentrale Koordinierungsstelle schafft gemeinsame Kommunikationsstrukturen und unterstützt die Vernetzung und den Austausch sowie eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den regionalen Netzwerken.

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Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Unikliniken stärken

Mit der BMBF-Fördermaßnahme soll auch die Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und ihren Praxisteams mit Universitäten bzw. Universitätskliniken gestärkt werden. Hierzu werden (über-)regionale Netzwerke aus hausärztlichen Forschungspraxen mit Anbindung an die allgemeinmedizinischen Institute der medizinischen Fakultäten auf- oder ausgebaut. Nach dem strukturellen Aufbau wird die Funktionsfähigkeit dieser Netzwerke in Pilotstudien getestet. Langfristiges Ziel ist es, auch überregionale Studien der klinischen Forschung in deutschlandweit bis zu 1.700 Primärversorgungspraxen durchzuführen.

Am 3. Dezember 2020 fand ein Kick-Off-Workshop mit internationalen Experten in Form einer Videokonferenz statt. Die sechs regionalen Netze, die gemeinsam mit der Koordinierungsstelle die Initiative bilden, stellten ihrer Konzepte vor und berichteten aus den gemeinsamen Arbeitsgruppen. Unter reger Beteiligung von internationalen Experten (aus Australien, Belgien, Dänemark, Irland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schottland, Schweden, UK und USA) und nationalen Experten wurden Erfahrungen ausgetauscht und drängende Herausforderungen diskutiert. „DESAM-ForNet möchte in den kommenden Jahren eine unabhängige, nachhaltige und international wettbewerbsfähige Netzwerkstruktur für die Forschung im ambulanten Setting aufbauen. Für Deutschland stellt dies eine relevante Ergänzung seiner nationalen Forschungsinfrastrukturen dar. Die TMF freut sich, in das Projekt ihre Erfahrungen nicht zuletzt aus der ebenfalls BMBF-geförderten Medizininformatik-Initiative (MII) einbringen zu können: Standardisierung, Datenschutz und transsektorale Anschlussfähigkeit sind hierbei elementar“, erläutert Sebastian C. Semler, Geschäftsführer der TMF.

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Die Pandemie hat den Bedarf der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens deutlich gezeigt: Ad hoc-verfügbare, interoperable Infrastrukturen, die in der Versorgung erhobene Patientendaten in Echtzeit auswertbar zusammenführen und für Forscherinnen und Forscher nutzbar machen, werden jetzt umso dringender gebraucht.

Hausärzte für die Forschung in der Allgemeinmedizin zu motivieren, ist eine der Herausforderungen des Projektes. Die Einbeziehung der Praxen in die Entwicklung von Forschungsfragen sowie eine umfassende Kommunikation der möglichst praxisrelevanten Ergebnisse stellen, noch vor finanziellen Kompensationen, zentrale Erfolgsfaktoren dar, so der Tenor des internationalen Panels.

Voraussetzung und Bedingung der Nutzung von Daten für die Forschung ist weiterhin die informierte Einwilligung der Patienten. Diese breite Einwilligung (Broad Consent) habe sich bereits in verschiedenen Ländern als kompatibel mit den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung erwiesen, stellten die internationalen Experten im Workshop fest.

Nur mit einer breiten Einwilligung in die Nachnutzung ihrer Daten können diese auch für zukünftige Forschungsfragen und damit für das Wohl jetziger und zukünftiger Patienten herangezogen werden. Auch hier ist eine enge Zusammenarbeit der Initiative DESAM-ForNet mit der MII vorgesehen. Sektorenübergreifende Zusammenarbeit sei mehr denn je der Schlüssel für den Erfolg zukünftiger Forschungsansätze.


Quelle: TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung

11.12.2020

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