Schon ziemlich erwachsen: die Kinderradiologie

Die Wahrnehmung der Kinderradiologie in der Öffentlichkeit hat sich nach Ansicht von Prof. Dr. Gundula Staatz, Leiterin der Sektion Kinderradiologie am Universitätsklinikum Mainz und Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft, in den letzten Jahren verbessert.

Prof. Dr. Gundula Staatz
Prof. Dr. Gundula Staatz

Mit der Integration der kinderradiologischen Fortbildungen in das Gesamtprogramm des Deutschen Röntgenkongresses in diesem Jahr hofft Staatz nun auch die Kollegen zu erreichen, die normalerweise nicht in den kinderradiologischen Fortbildungen sitzen, aber dennoch gerne Hinweise und Ratschläge von Experten aufnehmen.

Die Kinderradiologie ist mit rund 80 Radiologen mit Schwerpunktweiterbildung in Deutschland ein relativ kleines Fachgebiet. Die lange Ausbildungsdauer – im Anschluss an die Fachausarztbildung müssen drei weitere Jahre in den Schwerpunkt investiert werden – schreckt junge Radiologen ab, diesen Weg einzuschlagen. Die Diagnostik durch Kinderradiologen ist deshalb im Wesentlich auf den universitären Bereich beschränkt.

Der Großteil der diagnostischen Abklärungen von Kindern und Jugendlichen findet aber in Praxen und in Krankenhäusern ohne kinderradiologische Fachspezialisten statt. „Es ist wichtig, Fortbildungen anzubieten, die auf die Besonderheiten in der Kinderradiologie aufmerksam machen, und Konzepte vorzustellen, wie man Kinder ohne unnötige Strahlenbelastung gut diagnostisch abklären kann. Der Deutsche Röntgenkongress ist daher ein ideales Forum, um die spezielle Diagnostik bei pädiatrischen Patienten einem breiten Publikum vorzuführen“, erklärt die Mainzer Professorin.

Die Kinderradiologie stellt ein komplett eigenes, sehr breit gefächertes Fachgebiet mit speziellen Erkrankungen dar, die auch eine entsprechend hochspezialisierte Diagnostik benötigen. Dosisreduktion und Strahlenschutz stehen in der Kinderradiologie natürlich immer im Vordergrund. „Sehr viel Diagnostik erfolgt mittels Ultraschall, und wenn wir eine weitere Schnittbilddiagnostik brauchen, nutzen wir bevorzugt die MRT. Als die Computertomografie mit der Entwicklung des Multidetektor-CT rasante technische Fortschritte machte, war die Versuchung groß, wegen der perfekten Bilder relativ viele CT-Untersuchungen durchzuführen. Kinderradiologen wiesen jedoch zu Recht darauf hin, dass die Strahlenbelastung durch die Computertomografie sehr hoch ist und dieses Untersuchungsverfahren nur mit Bedacht gewählt werden sollte“, so Gundula Staatz.

Für die Anwendung der Computertomografie gelten in der Kinderradiologie ganz strenge Indikationsstellungen, z.B. beim Polytrauma oder ganz speziellen Lungenerkrankungen. In allen anderen Fällen, in der abdominalen und muskuloskelettalen Diagnostik ebenso wie bei Tumorerkrankungen sollte – wenn verfügbar – der MRT der Vorzug gegenüber der CT gegeben werden.

Obwohl innerhalb der radiologischen Community eine Sensibilisierung im Hinblick auf die Kinderradiologie erfolgt ist, so ist das Fach Kinderradiologie einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. „Viele Eltern wissen gar nicht, dass es eine Kinderradiologie gibt“, meint Gundula Staatz. Es sei deshalb wichtig, die Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie fortzusetzen. Sehr gut unterstützt fühlt sich Prof. Staatz von der Deutschen Röntgengesellschaft „In den letzten Jahren hat sich sehr vieles zum Guten gewendet, in vielen Projekten erfahren wir Unterstützung, etwa bei Fortbildungsprogrammen und in den wissenschaftlichen Sitzungen auf dem Kongress.“

Viele Probleme sind in allen Spezialisierungen gleich und können am besten gemeinschaftlich gelöst werden, wie z.B. das Nachwuchsproblem und der Fachkräftemangel bei den MTRA.
 

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Im Profil

Nach Medizinstudium, Facharztausbildung, Promotion und Habilitation an der RWTH Aachen folgte Gundula Staatz 2005 dem Ruf auf eine W2-Professur für Kinderradiologie an das Institut für Diagnostische Radiologie der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Seit 2009 ist die gebürtige Essenerin W2-Univ.-Professorin und Leiterin der Sektion Kinderradiologie an der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsmedizin Mainz. Im Jahr 2000 erhielt sie den Wissenschaftspreis der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie, welche sie von 2004 bis 2010 als 1. Vorsitzende leitete.

Bereits seit 2003 ist die Fachärztin für Diagnostische Radiologie und Kinderradiologie bestellte Referenzradiologin für kindliche Nasopharynxkarzinome, NPC-2003-GPOH. Darüber hinaus ist sie unter anderem Mitherausgeberin der RöFo und der Zeitschrift Klinische Pädiatrie. Seit 2010 ist Gundula Staatz Vorstandsmitglied der Deutschen Röntgengesellschaft und Vertreterin der GPR im Konvent der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ).

 

08.05.2012

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