Schlaganfall: bessere Bilder, neue Therapie

Fortbildung ist ein Muss für verantwortungsbewusste Radiologen

Rund 270.000 Bundesbürger erleiden jährlich einen Schlaganfall, er ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache.

Angiografie nach der Behandlung. Der Blutfluss ist...
Angiografie nach der Behandlung. Der Blutfluss ist wiederhergestellt.
Bildrechte und Bildquelle liegen bei: Prof. Dr. med. Olav Jansen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.
Angiografie einer Katheterbehandlung beim Schlaganfall. Mittels eines Stents...
Angiografie einer Katheterbehandlung beim Schlaganfall. Mittels eines Stents wird das Blutgerinnsel aus dem Gefäß entfernt. Bildrechte und Bildquelle liegen bei: Prof. Dr. med. Olav Jansen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Aus demografischen Gründen rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg in den kommenden Jahrzehnten. Neue Ansätze bei Diagnostik und Therapie versprechen jetzt eine weitere Verbesserung der Heilungschancen.

Über 200 zertifizierte Stroke Units versorgen deutschlandweit die Betroffenen. Wie in den anderen großen Schlaganfallzentren stehen am Universitätsklinikum Essen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr kompetentes Personal und die notwendigen Modalitäten, darunter ein Angioplatz, bereit. Das Team mit rund 45 Ärzten plus Assistenz und Pflege betreut jährlich etwa 150 Schlaganfallpatienten, so Prof. Dr. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen.

Neues Verfahren verbessert Rekanalisierung

Die Therapie der Wahl in den Stroke Units ist seit Längerem die Thrombolyse; eine Reihe von Studien hat diese Methode abgesichert. Seit zwei bis drei Jahren zeigt sich ein Trend zur intraarteriellen Therapie. Diese wurde bislang pharmazeutisch mit Thrombolytika durchgeführt, heute geht man laut Prof. Forsting zur Thrombektomie über – das Extrahieren von Thromben durch stentähnliche Instrumente.

Die Thrombektomie funktioniert technisch sehr gut: Die Wahrscheinlichkeit der Rekanalisierung der Gefäße ist hoch, erläutert der Experte: „Im Vergleich wird hierdurch mindestens eine Verdoppelung der Rekanalisierungsrate erreicht.“ Erholen sich jedoch durch Thrombektomie versorgte Patienten besser vom Schlaganfall als intravenös behandelte? Erste Studienergebnisse werden derzeit bekannt. Mitunter zeigen sie, dass das Outcome auf Basis der Thrombektomie nicht besser ist. Allerdings lassen sich gegen das Design einiger dieser Studien Argumente ins Feld führen. Randomisierte multizentrische Studien, die die beiden Herangehensweisen vergleichen, sollen Klarheit schaffen. Protokolle sind definiert, Zentren befinden sich in der Auswahl. Einige Studien laufen derzeit an oder werden innerhalb dieses Jahres starten. Große Patientenzahlen sind vonnöten, um belastbare Ergebnisse zu produzieren. „Auch das Universitätsklinikum Essen ist mit dabei“, so Prof. Forsting.

In Zusammenarbeit stellen ferner die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie (DeGIR) durch zwei Fortbildungsmodule sicher, dass die neue Therapie flächendeckend zum Einsatz kommen kann, sobald Studien sie absichern.

Bildgebung zeigt Durchblutung

Auch bei der Bildgebung gibt es neue Entwicklungen. So war die Größe des Infarkts im Hirn längst Teil der diagnostischen Aufgabenstellung. Heute analysiert man mit der CT-Angiographie – unter geringem zeitlichen Mehraufwand – und/oder mit MRT, inwieweit ein großes Blutgefäß im Gehirn verschlossen ist. Prof. Forsting: „Mit einem Perfusionsbild lassen sich die Risikogruppen innerhalb der Schlaganfallpatienten besser definieren.“ Diese nichtinvasive Gefäßdiagnostik erhält verstärkt Einfluss auf die Entscheidung des Therapiearms für den jeweiligen Patienten. Hybridverfahren, so der Experte, nehmen zu viel Zeit in Anspruch und werden in den nächsten drei bis fünf Jahren daher noch nicht Eingang in die klinische Routine finden.

Aufforderung zur Fortbildung

Möglichst viele Radiologen und Neuroradiologen sollten das Schlaganfall-Fortbildungsangebot wahrnehmen, so die Aufforderung von Prof. Forsting beim Deutschen Röntgenkongress 2013. Nur so kann bei Durchsetzung der Therapie ein flächendeckendes Angebot erfolgen.  

IM PROFIL

Prof. Dr. Michael Forsting studierte Medizin in Aachen und Bern, arbeitete als Neuroradiologe an der Universität Aachen und war vier Jahre lang an der Universität Heidelberg Forschungsleiter der Neuroradiologie. Seit 1997 ist Forsting Leiter der Abteilung Neuroradiologie an der Universität Essen, seit 2003 Leiter der Abteilungen Radiologie und Neuroradiologie. Zu seinen Schwerpunkten gehören Schlaganfall, MR-Imaging von Gehirntumoren und endovaskuläre Therapien bei Gefäßmissbildungen des Gehirns. 2008 trat er seine Stelle als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen an. Prof. Forsting ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und übergibt das Amt des Präsidenten der Deutschen Röntgengesellschaft während des Kongresses an Prof. Dr. Norbert Hosten.

Veranstaltungshinweis

Raum Albers-Schönberg

Mi, 29.05., 15:15 – 16:15 Uhr

Forsting M / Essen

Session: FFF - Fit für den Facharzt - Neuroradiologie

29.05.2013

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