Ein Patient wird auf der Intensivstation beatmet.
Ein Patient wird auf der Intensivstation beatmet.

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Empfehlungen zur Beatmungstherapie bei COVID-19

Rechtzeitige Intubation kann Leben retten

Der Stellenwert der invasiven und nicht-invasiven Beatmung bei einem akuten respiratorischen Versagen im Zusammenhang mit COVID-19 wird zurzeit viel diskutiert und kommentiert. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat das zum Anlass genommen, ein „Positionspapier zur praktischen Umsetzung der apparativen Differenzialtherapie der akuten respiratorischen Insuffizienz bei COVID-19“ zu erstellen. Der Tenor ist eindeutig: Eine rechtzeitige Intubation kann Leben retten.

Report: Sonja Buske

Portrait von Prof. Dr. Michael Preifer
Prof. Dr. Michael Pfeifer
Quelle: Mike Auerbach

„Wir möchten den Ärzten mit unseren Empfehlungen mehr Sicherheit bei der Behandlung von COVID-19-Patienten geben“, sagt Prof. Dr. Michael Pfeifer, Präsident der DGP und einer der Autoren des Positionspapiers. „Mittlerweile liegen erste Erfahrungen aus Deutschland vor, wo dank der guten Vorbereitung des Gesundheitssystems der medizinische Notstand bisher ausgeblieben ist. Wichtig ist die differenzierte und abgestufte apparative Therapie der Lungenentzündung durch COVID-19. Zur Verfügung stehen die Sauerstoff-Insufflation, High-Flow Sauerstoff (NHF), die nicht-invasive Beatmung und die invasive Beatmung.“ Gerade letztere sollte aber nicht der letzte Ausweg sein, machen die Autoren deutlich. Pfeifer: „Eine rechtzeitige Intubation verringert die Sterblichkeit. Letztendlich können wir dem Körper aber nur helfen, sich selbst zu helfen, da uns keine Therapie zur Verfügung steht.“

Lunge kann sich nach Beatmung vollständig erholen

Portrait von Prof. Dr. Torsten Bauer
Prof. Dr. Torsten Bauer

Viele Menschen äußern die Sorge, dass eine invasive Beatmung die Lunge auf Dauer schädigen könnte. Prof. Dr. Torsten Bauer, Stellvertretender Präsident der DGP, führt dazu aus: „Eine vollständige Erholung der Lunge nach einer Beatmung ist durchaus möglich und nicht selten. Dauerhafte Beeinträchtigungen kommen meistens dann vor, wenn die Lunge bereits vorgeschädigt ist oder die Krankheit selbst Schäden verursacht.“ Der Pneumologe macht allerdings auch deutlich, dass eine Rehabilitation im Anschluss an eine ausgestandene COVID-19-Erkrankung unabdingbar ist.

80 Prozent der bisher aufgetretenen Erkrankungen verlaufen mild, 20 Prozent sind kritische Fälle, von denen 5 Prozent intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Die meisten dieser Patienten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, konnten die Experten feststellen. Im Unterschied zu einer „normalen“ Lungenentzündung kennt der Körper das Virus nicht, so dass es sich unkontrolliert ausbreiten kann. Die entscheidende Phase tritt laut Bauer zwischen Tag acht und zwölf ein. Entweder gewinnt dann das Immunsystem und greift das Virus an, oder die Situation wird kritisch.

Asthma: Therapie unbedingt fortsetzen

Ein Appell an Asthmatiker und Allergiker ist Bauer und Pfeifer besonders wichtig: „Wer ein kortisonhaltiges Medikament einnimmt, sollte die Behandlung keinesfalls aus Angst vor einer COVID-19-Infektion abbrechen, auch dann nicht, wenn das Immunsystem dadurch eventuell geschwächt werden könnte. Eine Verschlimmerung des Asthmas wäre wesentlich bedrohlicher.“ Die Differenzierung zwischen allergischem Asthma und COVID-19 ist für Mediziner auf den ersten Blick nicht leicht. Ein Röntgenbild gibt da Aufschluss: Pfeifer: „Infiltrationen der Lunge sind nur bei COVID-19 zu sehen, nicht bei Asthma. Abgesehen davon haben Asthmatiker kein Fieber.“

Zuversichtlich äußert sich Bauer zum Thema Schutzausrüstung für medizinisches Personal: „Die Lage normalisiert sich gerade wieder, wir können alle unsere Mitarbeiter inzwischen adäquat ausstatten.“ Der Moment der Intubation ist der für Mitarbeiter gefährlichste, da zu diesem Zeitpunkt die Aerosoldichte in der Luft am höchsten ist. Ein einfacher Trick kann hier aber schon viel bewirken: „Fenster auf und lüften“, bringt es der Pneumologe auf den Punkt. „Das gilt auch in allen anderen Räumen, nicht nur im Krankenhaus.“

Das Positionspapier ist im Internet verfügbar unter: https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/COVID-19/20200417_DGP__app._Differenzialtherapie_ARI_bei_COVID-19.pdf


Profile:
Professor Dr. Michael Pfeifer ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP), Medizinischer Direktor der Klinik Donaustauf, Zentrum für Pneumologie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Professor Dr. Torsten Bauer ist Stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP), Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Lungenklinik Heckeshorn, HELIOS Klinikum Emil von Behring, Berlin.

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