Optimistisch und kritisch in die Zukunft

Bildquelle: DGHO

Hämatologie und Onkologie 2020

Optimistisch und kritisch in die Zukunft

Mit mehr als 6.000 teilnehmenden Experten ist die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie (11. bis 14. Oktober 2019) der wichtigste wissenschaftliche Kongress für das Fachgebiet im deutschsprachigen Raum – ein Fachgebiet, in dem reichlich Bewegung herrscht, wie die Organisatoren betonen.

So findet etwa auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen derzeit ein rasanter Fortschritt statt. Im Bereich der Diagnostik stehen unter anderem genomische und weitere Hochdurchsatz-Omics-Daten zur Verfügung, im Bereich der Therapie eine Vielzahl innovativer Arzneimittel bis hin zur CAR-T-Zelltherapie.

„In unserem Fachgebiet erleben wir eine ‚Explosion des Wissens‘. Die Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen nimmt in einer solchen Geschwindigkeit zu, dass es für jede Ärztin und jeden Arzt im Bereich der Hämatologie und Medizinischen Onkologie zu einer großen Herausforderung geworden ist, sich auf dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens zu bewegen“, so Prof. Dr. Lorenz Trümper, Kongresspräsident und Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen. Gleiches gilt für die Zulassungsgeschwindigkeit neuer Arzneimittel. Vor dem Hintergrund dieser Dynamik kommt aus Sicht von Trümper dem interdisziplinären und interprofessionellen Dialog eine besondere Bedeutung zu.

Die Ergebnisse systemmedizinischer Forschung werden heute zunehmend für die „gezielte“, personalisierte Behandlung der PatientInnen im Rahmen neuer klinischer Studienkonzepte genutzt. „Auf der Jahrestagung werden wir diesen Themenkomplex intensiv und kritisch diskutieren. Dabei wird in diesem Zusammenhang eine Kernfrage sein, inwieweit uns ‚Big Data‘ bei der klinischen Entscheidungsfindung unterstützen kann. Außerdem werden wir die aktuellen Daten aus allen Bereichen unseres Faches diskutieren. Dabei werden zell- und immuntherapeutische Ansätze sicherlich einen Schwerpunkt bilden“, so Trümper.

Nicht alle Menschen leben in Großstädten, in denen hochspezialisierte Zentren für die Versorgung vorhanden sind

Carsten Bokemeyer

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der Zunahme der Neuerkrankungsrate (Inzidenz), der wachsenden Anzahl der Patienten, die mit einer Krebserkrankung immer länger leben (Prävalenz) und der zunehmenden Versorgung älterer Patienen außerhalb der Metropolregionen gewinnt der forcierte Aufbau von flächendeckenden Netzwerk-Leuchtturm-Strukturen nach Ansicht von Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, immer mehr an Bedeutung. „Nicht alle Menschen leben in Großstädten, in denen hochspezialisierte Zentren für die Versorgung vorhanden sind. Durch die Schaffung von Netzwerken beispielsweise durch eine strukturelle Kopplung von Praxen an ein Netzwerk können wir sicherstellen, dass auch PatientInnen in ländlichen und strukturschwächeren Regionen Zugang zu innovativen Therapieverfahren erhalten. Damit tragen Netzwerke wesentlich zu einer flächendeckenden hochqualitativen Patientenversorgung bei“, so Bokemeyer.

Darüber hinaus nehmen aufgrund der demografischen Entwicklung Komorbiditäten wie Diabetes mellitus, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, koronare Herzerkrankungen, Adipositas oder dementielle Erkrankungen zu. Vor diesem Hintergrund werden verstärkt onkologisch und internistisch ausgerichtete Therapien und Langzeitbehandlungen in der Versorgung der PatientInnen erforderlich sein, da eine Vielzahl der Krebserkrankungen bei älteren Patienten bereits fortgeschritten oder metastasiert ist. „Die gleichzeitig zunehmende Komplexität der Wechselwirkungen verschiedener Medikamente untereinander und der medikamentösen Tumortherapie insgesamt erfordert eine große Anzahl von in diesem Bereich ausgebildeten SpezialistInnen mit hoher Expertise“, betont Bokemeyer.

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Auf dem Gebiet der Krebs- und Bluterkrankungen findet derzeit ein rasanter Fortschritt statt. Durch die zunehmende Übersetzung molekularbiologisch gewonnener Erkenntnisse in den Behandlungsalltag verändert sich dieses Gebiet der Medizin permanent und sehr schnell. Die Molekulargenetik ist zum festen Bestandteil der Diagnostik geworden. Gleichzeitig können immer mehr Krebserkrankungen mit gezielt wirksamen Inhibitoren behandelt werden. Auch bei den Bluterkrankungen, beispielsweise der Sichelzellanämie und den Hämophilien, finden derzeit sehr dynamische Entwicklungen statt. „Noch nie in der Geschichte unseres Fachgebiets stand uns ein so breites Wissen im Bereich von Diagnostik und Therapie zur Verfügung. Wenn wir – als forschende und behandelnde ÄrztInnen – diesen Werkzeugkasten intelligent einsetzen, ergibt sich für uns und damit für unsere PatientInnen die reelle Chance, viele hämatologische und onkologische Erkrankungen zu beherrschen“, so Prof. Dr. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Inneren Medizin I – Onkologie, Hämatologie, Klinische Infektiologie, Klinische Immunologie, Hämostaseologie, Internistische Intensivmedizin an der Universitätsklinik Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn. Vor diesem Hintergrund hat die DGHO gemeinsam mit 100 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Forschungs-Roadmap erarbeitet und sehr detaillierte Vorschläge formuliert, wie sich Deutschland wieder zu einer der führenden Wissenschaftsnationen bei der Behandlung von Blut- und Krebserkrankungen entwickeln kann.

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Prof. Dr. Wolfgang Hilbe, Präsident der OeGHO und Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie mit Ambulanz und Palliativstation am Wilhelminenspital in Wien, spricht einen weiteren Aspekt an: „Um für die Zukunft den höheren Bedarf an onkologischer Betreuung leisten zu können, ist eine weitere Professionalisierung der Pflege mit stärkerer Einbindung in das interprofessionelle Betreuungsteam notwendig.“ Krebspatienten fordern immer mehr „qualifizierte Besprechungszeit“ ein, die nicht zwangsläufig von einem Arzt geleistet werden muss. Vielfach handelt es sich um Fragestellungen wie „Was darf ich essen?“, „Darf ich Sport treiben?“, „Wie nehme ich die Tabletten ein?“, „Welche Nebenwirkungen können auftreten?“ oder „Wie regle ich Angelegenheiten mit meiner Arbeitsstelle?“. „Bestimmte Aufgaben werden zunehmend vom Pflegepersonal oder von medizinischen Fachangestellten übernommen. So werden Ressourcen für uns ÄrztInnen geschaffen, die wir sehr sinnvoll beispielsweise für persönliche Gespräche mit unseren PatientInnen nutzen können. Denn trotz Hochleistungsmedizin bleibt die menschliche Zuwendung besonders in der Krebsmedizin integraler Bestandteil der Behandlung“, so Hilbe. Die Rolle der Cancer Nurse im amerikanischen Sinne ist weitreichender als zum Beispiel in Österreich. Diese Rolle könnte laut Hilbe gerade für engagierte und zunehmend auch akademisierte Mitarbeiter des Pflegedienstes eine attraktive Karrieremöglichkeit darstellen. Die Übernahme von früher originären ärztlichen Aufgaben stellt an die in der Patientenversorgung tätigen Pflegenden hohe Anforderungen an eine exzellente Aus- und Weiterbildung. Durch den im Rahmen der Jahrestagung stattfindenden Pflegekongress wird ein Forum zum kritischen Diskurs zu in der Pflege relevanten Fragen und zur Vermittlung der für den Bereich der Pflege relevanten Aspekte des aktuellen Stands des medizinischen Wissens geschaffen.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie

14.10.2019

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