Experten warnen vor vermeintlicher Ausstiegshilfe

Mit dem Rauchen aufhören per E-Zigarette? Keine gute Idee

Den jährlichen Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai nehmen viele zum Anlass, von den Zigaretten wegzukommen. Dabei sollte man aber nicht auf E-Zigaretten als "Ausstiegshilfe" setzen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP).

Es sei nicht belegt, dass das "Dampfen" den Tabakausstieg tatsächlich erleichtert, betonen die Lungenärzte im Vorfeld des 61. Kongresses ihrer Fachgesellschaft. Außerdem berge auch der Konsum von E-Zigaretten Gesundheitsrisiken. Wie der Rauchverzicht auch ohne den Umweg über das Dampfen gelingen kann, diskutierten DGP-Experten auf einer Vorab-Pressekonferenz zum Kongress.

woman smoking e-cigarette
E-Zigaretten gelten als weniger gesundheitsschädlich als normale Zigaretten - Experten der DGP bezweifeln das und raten auch davon ab, beim Rauchausstieg auf das Dampfen auszuweichen

Bildquelle: Unsplash/Don Delfin Almonte

Bei elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) wird eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, erhitzt und vernebelt. Anstelle von Rauch, der beim Verbrennen von Tabak freigesetzt wird, atmen Konsumenten ein Aerosol feinster Liquid-Tröpfchen ein. „Ebenso wie beim Rauchen werden dabei Giftstoffe in die Lunge und das Blut aufgenommen. Denn je nach E-Zigarettentyp und Zusammensetzung des verwendeten Liquids enthalten die elektronischen Verdampfer atemwegsreizende Substanzen wie Propylenglykol, krebserregende Substanzen wie Formaldehyd und teilweise gesundheitsschädigende Metalle wie Blei, Chrom und Nikotin“, sagt Professor Dr. Wulf Pankow, ehemaliger Chefarzt der Pneumologie und Infektiologie am Vivantes Klinikum Neukölln und ärztlicher Leiter des Corona-Behandlungszentrums Jafféstraße in Berlin. Diese könnten die Entstehung von Atemwegsleiden wie eine chronische Bronchitis oder Asthma begünstigen, Herz und Gefäße schädigen, das Immunsystem beeinträchtigen  und möglicherweise zur Krebsentstehung beitragen. Einige dieser Schadstoffe sind im Aerosol zwar in deutlich geringerer Menge vorhanden als im Tabakrauch. „Insgesamt enthält das Aerosol jedoch viele chemische Verbindungen, die sich je nach Geschmacksrichtung des Liquids unterscheiden und deren gesundheitliche Auswirkungen zu einem großen Teil noch nicht bekannt sind“, betont Pankow. Vor allem Langzeitdaten fehlten noch völlig, auch gebe es nur wenige Untersuchungen dazu, wie sich der Konsum von E-Zigaretten auf eine bereits vorgeschädigte Lunge auswirkt.

Rund 85 Prozent der Raucher,die auf E-Zigaretten umsteigen, konsumieren nebenher auch weiter Tabak

Wulf Pankow

Trotz des noch weitgehend unbekannten Risikoprofils werden E-Zigaretten zuweilen als geeignetes Mittel zum Rauchstopp gepriesen. Ob das Dampfen ausstiegswilligen Rauchern aber dabei hilft, vom Tabak zu lassen, sei jedenfalls noch nicht abschließend geklärt. „Unter Studienbedingungen gelang der Tabakausstieg mithilfe der E-Zigarette zunächst tatsächlich leichter“, sagt Pankow. Dieser Effekt habe sich unter Alltagsbedingungen allerdings nicht bestätigt. Als problematisch sieht Pankow auch das Fortbestehen der Nikotinabhängigkeit an – denn sie begünstigt sowohl Rückfälle als auch den „Beikonsum“ von Tabak. Einer aktuellen Meta-Analyse zufolge verdoppelt E-Zigarettenkonsum das Rückfallrisiko bei ehemaligen Rauchern. „Rund 85 Prozent der Raucher,die auf E-Zigaretten umsteigen, konsumieren nebenher auch weiter Tabak“, sagt der Berliner Pneumologe. Gerade diese Kombination müsse aber als besonders gesundheitsschädlich angesehen werden. „Der Griff zur E-Zigarette ist für einen erfolgreichen Rauchverzicht nicht notwendig und wirkt vermutlich sogar kontraproduktiv“, sagt auch Professor Dr. Gernot Rohde, Leiter des Schwerpunktes Pneumologie/Allergologie am Universitätsklinikum Frankfurt und diesjähriger DGP-Kongresspräsident. Es gebe heute verschiedene evidenzbasierte Entwöhnungsprogramme und Hilfsmittel, mit denen eine Tabakabhängigkeit erfolgreich behandelt werden könne. Das in der S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit“ verankerte Vorgehen sieht in der Regel eine verhaltenstherapeutische Beratung und Therapie vor, die bei starker Nikotinabhängigkeit auch mit Nikotinpflastern, -lutschtabletten oder -kaugummis sowie suchthemmenden Medikamenten kombiniert werden könne. „Die E-Zigarette spielt darin zurecht keine Rolle“, so Rohde. 

Der 61. Kongress der DGP findet vom 2. bis 5. Juni 2021 virtuell statt. Alle Informationen zum Kongress finden Interessierte im Internet unter www.pneumologie-kongress.de


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin

31.05.2021

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