CT nach Maß

Medizintechniker senken Strahlenbelastung bei bildgebenden Verfahren

4.5 Millionen Euro für die Entwicklung eines App-gesteuerten Computertomografen

Wir wollen nun ein System entwickeln, das durch die Möglichkeit, es mit individuellen sowohl Software- als auch Hardware-Applikationen auszustatten, unterschiedlichen Anwendungen Rechnung trägt

Georg Rose

Medizintechniker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeln den ersten individuell konfigurierbaren Computertomografen (CT). Ziel des gemeinsamen Forschungsprojektes der Universität Magdeburg, der metraTec GmbH und der Dornheim Medical Images GmbH ist es, unter dem Dach des Forschungscampus STIMULATE einen konfigurierbaren, schnittstellenoffenen und dosissparenden Computertomografen, kurz KIDS-CT, zu realisieren. Im Vergleich zu herkömmlicher bildgebender Technik wird es dann möglich sein, den CT mit Hilfe von Apps mit anwendungsspezifischen Funktionen auszustatten und so nutzungsorientiert in Klinik und Forschung einzusetzen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 4.5 Millionen Euro über die nächsten drei Jahre unterstützt. Bis Ende 2020 soll ein Prototyp, ein sogenannter Demonstrator, entstehen.

„Konventionelle Computertomografen sind geschlossene Systeme, sozusagen Konfektionsware“, erklärt Prof. Dr. rer. nat. Georg Rose vom Lehrstuhl Medizinische Telematik und Medizintechnik und Sprecher des Forschungscampus STIMULATE. In ihrer Funktion und Anwendung seien sie nicht frei veränderbar, Anpassungen oder Softwareänderungen wären nicht möglich. Darüber hinaus können diese Geräte in der Regel nicht mit anderen Systemen, wie z. B. Kameras, kommunizieren und deren Informationen einbeziehen. „Wir wollen nun ein System entwickeln, das durch die Möglichkeit, es mit individuellen sowohl Software- als auch Hardware-Applikationen auszustatten, unterschiedlichen Anwendungen Rechnung trägt“, so Rose. Bestimmte Bereiche des Körpers könnten somit besser und, vor allem, mit einer geringeren Strahlenbelastung dargestellt werden. Wie Apps auf einem Smartphone sollen Nutzer ihre eigenen Anwendungsbereiche definieren und Erweiterungen laden können.

Quelle: Pixabay/insspirito

Ein Schwerpunkt bei spezifischen Anwendungen wird in der Untersuchung von Kindern liegen, so Prof. Georg Rose. „Eine Kamera beobachtet das im CT unruhig liegende Kind und gibt die Information an das CT weiter, so dass die Bildstörungen aufgrund der Bewegung korrigiert werden können.“ Neben den klinischen Anwendungen ist dieser CT auch für die Forschung interessant. Verschiedene wissenschaftliche Fragestellungen und Untersuchungen könnten mit einem Gerät stattfinden, so der Medizintechniker weiter. „Statt einer vorgefassten Software erlauben es unterschiedliche Apps, verschiedene Funktionen abzurufen.“

An der Entwicklung dieses neuartigen Computertomografen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beteiligt. Sie kommen aus den Fakultäten Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau und Medizin der Universität Magdeburg. So bestimmt das Team um den Juniorprofessor und Maschinenbauer Elmar Woschke mittels einer Simulationssoftware im Vorfeld die kritischen Schwingungen, die minimiert werden müssen, um präzise Bilder zu erhalten. Prof. Dr.-Ing. Thilo Pionteck vom Lehrstuhl Hardware-nahe technische Informatik arbeitet zusammen mit dem Unternehmen metraTec daran, die enormen Datenmengen, die von dem um den Patienten rotierenden Detektor generiert werden, in Echtzeit nach außen zu übertragen. Nach der Entwicklung des Prototyps soll die neue Technologie in eine Ausgründung münden, so Medizintechniker Rose. „Damit wollen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung medizintechnischer Hightech-Campus gehen, auf dem Wissenschaft und Wirtschaft quasi Tür an Tür sitzen und eng zusammenarbeiten.“


Quelle: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

31.01.2018

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Neue Horizonte in der CT

CT-Symposium und User-Meeting an der Charité Berlin

In Zusammenarbeit mit GE Healthcare Deutschland veranstaltet die Charité Berlin ab dem 23. März 2018 am Campus Virchow-Klinikum ein zweitägiges Symposium zu den neuesten technologischen…

Aquilion Lightning SP

Schneller zu höchster Bildqualität bei minimaler Dosis

Mit dem Aquilion Lightning Superior Performance (SP) stellt Toshiba Medical Systems seinen Low-Dose 160-Schicht-Computertomographen der neusten Generation vor. Das weltweit erste Gerät dieses Typs…

CBCT

Das Schläfenbein – Diagnose leicht gemacht

Die CT hat einen festen Platz in der Diagnostik des Gehörs, setzt jetzt allerdings durch den Einsatz der Cone-Beam-CT noch einen drauf, insbesondere bei der Bildgebung des Felsenbeins. Die kleinen…

Verwandte Produkte

Testing devices

IBA Dosimetry - Dosimax plus A (HV)*

IBA Dosimetry GmbH

Testing devices

Radcal - Accu-GoldTouch Professional

Radcal Corporation

Oncology

Canon - Aquilion LB

Canon Europa NV

20 to 64 Slices

Canon - Aquilion Lightning

Canon Europa NV

Volume

Canon - Aquilion Lightning SP

Canon Europa NV