Eine Frau tastet mit beiden Händen ihren Hals ab, etwa, um einen Knoten in der...
Da ist etwas: Wird bei einer Untersuchung ein Schilddrüsenknoten entdeckt, löst das oft Ängste aus. In den allermeisten Fällen besteht jedoch kein Handlungsbedarf, betonen Experten.

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News • S3-Leitlinie zu Diagnostik und Therapie

Knoten in der Schilddrüse: wann eine Behandlung sinnvoll ist – und wann nicht

Ein fast schon klassisches Beispiel für Überdiagnostik ist der Umgang mit Schilddrüsenknoten. Um hier mehr Orientierung und Sicherheit zu vermitteln, hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) eine neue S3-Leitlinie erarbeitet und kürzlich veröffentlicht.

Schilddrüsenknoten treten zwar häufig auf, sind in den meisten Fällen jedoch harmlos. Trotzdem führen sie oft zu einer erweiterten Diagnostik, die viel Zeit, Geld und Ressourcen bindet. Dass es auch anders geht, zeigt die DEGAM mit ihrer neuen S3-Leitlinie „Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen“. Die Leitlinie wurde unter Federführung der DEGAM in Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen wie Innere Medizin, Endokrinologie, Radiologie und Nuklearmedizin erarbeitet. Auch Patienteninitiativen waren beteiligt. 

Wir haben uns in der Medizin angewöhnt, alles an Diagnostik zu machen, was möglich ist. Dabei ist es längst überfällig, dass wir stärker über den tatsächlichen Nutzen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen nachdenken

Eva Hummers

Die Zahl der entdeckten asymptomatischen Schilddrüsenknoten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Es handelt sich dabei meist um Zufallsbefunde, die aufgrund von routinemäßigen und immer genaueren Ultraschalluntersuchungen entdeckt werden. „Wir haben uns in der Medizin angewöhnt, alles an Diagnostik zu machen, was möglich ist. Dabei ist es längst überfällig, dass wir stärker über den tatsächlichen Nutzen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen nachdenken“, erläutert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM. 

Das Ziel der Leitlinie ist es, im Praxisalltag eine klare Orientierung zu geben, um wichtige von überflüssiger Diagnostik zu unterscheiden. Zudem möchte die Leitlinie dazu beitragen, Knoten in der Schilddrüse als etwas eher Normales zu betrachten. Das kann für alle Beteiligten sehr entlastend sein. Es wird ausführlich dargestellt, dass nicht alles, was technisch geht, immer auch medizinisch sinnvoll ist. Ultraschalluntersuchungen sollten zum Beispiel nie ohne Anlass gemacht werden. Denn damit wird nur in den allerseltensten Fällen ein behandlungsbedürftiger Knoten entdeckt, während es in der Regel eine hohe Zahl an teilweise schädlichen Folgeuntersuchungen und -behandlungen gibt. 

Wird ein Knoten entdeckt, zeigt die Leitlinie auf Basis der aktuellen Evidenz auf, welches Vorgehen empfehlenswert ist und hilft den Hausärztinnen und Hausärzten damit, das weitere Procedere festzulegen. Natürlich werden in der Leitlinie auch alle Red Flags (Warnanzeichen) vorgestellt: Bei Beschwerden wie Luftnot, Heiserkeit, Drücken im Hals braucht es weiterführende Diagnostik. Als Therapie bei Schilddrüsenknoten hält die Leitlinie fest, dass meist keine Aktivitäten nötig sind. Nur bei Schilddrüsenknoten, die Beschwerden verursachen oder verdächtig sind, muss eine Behandlung (chirurgisch oder nuklearmedizinisch) veranlasst werden. 

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„Um es kurz zu machen: Folgeschäden sind sehr viel häufiger als das Aufdecken eines gefährlichen Knotens. Um dieses Spannungsfeld in der Kommunikation gut darzustellen, gibt die Leitlinie Ärztinnen und Ärzten entsprechende Argumente an die Hand“, kommentiert Prof. Jeannine Schübel, federführende Autorin der Leitlinie. Ihre Kollegin Dr. Karen Voigt, koordinierende Autorin der Leitlinie, ergänzt: „Es ist verständlich, dass Patientinnen und Patienten möchten, dass ihre Sorgen bei einem Knoten ernst genommen werden. Es verlangt feinfühlige Gespräche, in denen diese Ängste besprochen werden und gleichzeitig darüber informiert wird, dass die weitere Abklärung ebenfalls mit großen Ängsten und viel Stress verbunden sein kann.“ 

Das dieser Veröffentlichung zugrundliegende Projekt wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01VSF22009 gefördert. 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin 

27.03.2026

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