Neue Ärztliche Direktorin

KI und Anästhesie zusammenführen

Sie führen Narkosen durch und sorgen dafür, dass Patienten die Operation gut überstehen. Damit ist das Aufgabenspektrum von Anästhesisten aber bei weitem noch nicht abgesteckt.

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Professorin Dr. Bettina Jungwirth ist seit 1. Februar 2020 neue Ärztliche Direktorin der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Ulm.
Quelle: Universitätsklinikum Ulm

Als wichtiges Querschnittsfach ist die Anästhesiologie essentieller Teil jeder operativen Behandlung – vor dem Eingriff, währenddessen, aber auch danach. Das individuelle Behandlungsergebnis jedes Patienten weiter zu optimieren ist das erklärte Ziel von Professorin Bettina Jungwirth. Die 44-Jährige ist seit 1. Februar 2020 neue Ärztliche Direktorin der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Ulm. Sie folgt auf Professor Michael Georgieff, der 2019 in den Ruhestand gegangen war.

„Anästhesistinnen und Anästhesisten agieren oft im Hintergrund, dennoch ist unsere Arbeit essentiell für den Erfolg der Operation. Wir schaffen im OP die bestmöglichen Bedingungen für die Operateure“, erklärt Professorin Jungwirth. „Und wir sorgen dafür, dass die Patientinnen und Patienten während des Eingriffs ganzheitlich gut versorgt sind. Dafür, dass sie die Operation gut überstehen, und auch dafür, dass sie danach schnell wieder auf die Beine kommen. Im Fall von Komplikationen können wir mit dem komplexen Behandlungsspektrum der Intensivmedizin eingreifen“, so Professorin Jungwirth weiter. Neben Anästhesiologie und Intensivmedizin gehören auch Notfallmedizin und Schmerztherapie zum Fachgebiet. Letztere umfasst neben der Behandlung von akuten Schmerzen auch die Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen.

[KI] wird Mediziner und Medizinerinnen nicht ersetzen, sondern ihnen Freiraum schaffen sich auf die Dinge zu fokussieren, für die es menschliche Intelligenz, Intuition und Empathie braucht

Bettina Jungwirth

„Sowohl Allgemein- als auch Regionalanästhesien sind heute perfektioniert und sehr sicher, dadurch sind auch sehr komplexe Eingriffe möglich“, erklärt Professorin Jungwirth. Ihren klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunkt setzt die Medizinerin daher auf die Optimierung des Behandlungsergebnisses. „Unsere Patientinnen und Patienten werden immer älter und immer kränker.“ Ihr Ansatz deshalb: Die Risikoprognose verbessern und einen individuellen Behandlungsverlauf festlegen. Personalisierte Medizin ist hierfür das Stichwort, also maßgeschneiderte Konzepte für jeden Patienten. Die passenden Werkzeuge dafür liefern neben exzellenter Ausbildung Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. „Anästhesiologie und Intensivmedizin erzeugen während der Behandlung sehr große Datenmengen, verschiedenste Parameter werden aufgezeichnet. Durch die Digitalisierung werden diese Daten vielfältig nutzbar – und zwar mit den Methoden der Künstlichen Intelligenz“, erläutert Professorin Jungwirth. Nicht nur die Vorhersage des individuellen Risikos, sondern auch die OP-Planung könne davon profitieren. Bedenken, dass Künstliche Intelligenz menschliche Aktivität überflüssig machen könnte, hat die Direktorin nicht: „Künstliche Intelligenz kann uns helfen, die Personalisierte Medizin besser zu gestalten. Sie wird Mediziner und Medizinerinnen nicht ersetzen, sondern ihnen Freiraum schaffen sich auf die Dinge zu fokussieren, für die es menschliche Intelligenz, Intuition und Empathie braucht“. Diese Überzeugung teilt auch Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm. „Mit Professorin Jungwirth ist es uns gelungen, nicht nur eine hochqualifizierte Ärztin, sondern auch eine zukunftsorientierte Forscherin und starke Führungspersönlichkeit für die Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Ulm zu gewinnen“, so Professor Kaisers.

In Ihrer neuen Position leitet Professorin Jungwirth ein Team von über 100 Ärzten. Auch für diese Führungsposition hat sie sich Ziele gesteckt, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. „Es hat eine neue Ära begonnen, die nicht nur neue medizinische Möglichkeiten, sondern auch einen gesellschaftlichen Wandel und eine neue Generation von Medizinerinnen und Medizinern mit sich bringt“, so Professorin Jungwirth. Es brauche Konzepte für eine familienfreundlichere Arbeitswelt, etwa mit Teilzeitmodellen für Männer und Frauen gleichermaßen. Die Professorin sieht darin eine große Chance für eine menschlichere und diversifiziertere Medizin. Sich selbst sieht sie dabei durchaus auch in einer Vorbild- und Mentoren-Funktion. „Die Universitätsmedizin ist komplex und vielfältig, es gibt stetig wachsende Anforderungen in Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Eine Aufgabe und Verantwortung, die Professorin Jungwirth gern übernimmt: „Ich freue mich darauf, in Ulm gestalten zu können.“


Quelle: Universitätsklinikum Ulm

20.02.2020

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