RöKo 2014

Erleichtert die Tomosynthese die Früherkennung von Brustkrebs?

Auf diese Frage antwortet Prof. Dr. Ulrich Bick, Leiter des Bereichs Mammadiagnostik an der Charité in Berlin, mit einem klaren Ja, immerhin können mit ihrer Hilfe bis zu 30 Prozent mehr Tumoren gefunden werden – allerdings nur dann, wenn das Verfahren zusätzlich zur konventionellen Mammographie eingesetzt wird.

Prof. Ulrich Bick
Prof. Ulrich Bick

„Die digitale Tomosynthese ist in der diagnostischen Situation, in der die Fragestellung „Brustkrebs – ja oder nein?“ beantwortet werden muss, extrem hilfreich. Dort wird sie auch routinemäßig eingesetzt, weil ihre dreidimensionalen Bilder dabei helfen, den fraglichen Befund anderer Verfahren abzuklären“, erläutert Prof. Bick die Vorteile. Die Tomosynthese ist nicht generell das bessere Verfahren, sondern in erster Linie eine Add-on- Option zu den vorhandenen Methoden.

Das Problem bei der Detektion von Brustkrebs mit Röntgenverfahren, also Mammographie oder Tomosynthese, sind die Unsicherheitsfaktoren. Nicht nur die Erfahrenheit des Befunders ist von großer Bedeutung, ebenso kann eine falsche Einstellung am Gerät, dichtes Brustgewebe oder die zufällige Überlagerung dazu führen, dass ein Tumor nicht erkannt wird. Das macht nach Aussagen von Prof. Bick auch die Vergleichsbeurteilung zwischen den verschiedenen Verfahren so schwierig. „Bei der vergleichenden Beurteilung zwischen konventioneller und digitaler Mammographie ist schon die Streubreite zwischen zwei Mammographien groß, erst recht, wenn sie von unterschiedlichen Befundern kommen. Um also Unterschiede nachweisen zu können, würde man enorm viele Daten benötigen, die noch dazu unter gleichen Voraussetzungen erstellt sein müssten – eine nicht zu bewältigende Aufgabe. Und selbst wenn man die bisherigen Daten zwischen Mammographie und Tomographie bei gleich hoher Dosis vergleicht, sprechen diese nicht eindeutig für das eine oder das andere Verfahren“, schildert Prof. Bick.

Rekonstruierte versus echte 3D-Bilder

Die digitale Tomosynthese errechnet die dreidimensionalen Bilder aus mehreren Schichtbildern mit sehr niedriger Dosis, die allerdings auch stark rauschen, weil sich die Bildqualität proportional zur angewendeten Dosis verhält. „Würde man 26 Einzelbilder in der Qualität einer Mammographie- Aufnahme machen, ließe sich ein fantastisches Ergebnis erzielen – allerdings mit einer Dosisgabe, die nicht zu rechtfertigen ist“, so Bick.

Eine logische Weiterentwicklung der digitalen Tomosynthese ist die Computertomographie (CT). Im Gegensatz zur Tomosynthese, die zwar eine hohe Auflösung in der Schichtebene hat, aber dafür in der Z-Achse nicht, kann die CT aufgrund des kompletten Kreislaufs isotrope Voxel aufnehmen und somit echte 3D-Bilder erzeugen. Auch wenn es bislang keinen zugelassenen Brust-Computertomographen gibt und er sicherlich kein Screeninginstrument werden wird, ist Bick davon überzeugt, dass die CT über kurz oder lang in spezialisierten Zentren Einzug halten wird: „Die CT hat eine große Chance, weil sie gleichzeitig Funktion und Morphologie abbilden kann, schnell, reproduzierbar und ohne Kompression ist.“

Kontrastmittel

Bereits jetzt stellt die Kontrastmittelgabe in der Mammographie und zukünftig wohl auch in der Tomosynthese ein zusätzliches Verfahren dar. Der Effekt, den man bislang nur in der kontrastmittelgestützten MRT hatte, nämlich Karzinome anhand ihrer vermehrten Vaskularisation zu erkennen, ist dann mit weniger Kosten und für alle verfügbar darstellbar – allerdings nach Ansicht Bicks nicht besser als in der MRT. „Die MRT ist hier das überlegene Verfahren, doch ihre Anwendbarkeit im klinischen Alltag durch gesundheitsökonomische Restriktionen leider eingeschränkt.“

 

PROFIL:
Als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes hat Prof. Ulrich Bick sein Medizinstudium an der Universität Bonn absolviert. Im Anschluss an einen zweijährigen Forschungsaufenthalt bei Dr. Lipton in Chicago erhält er 1996 von der Uni Münster die Venia Legendi. Im Jahr darauf geht er als Oberarzt an das Berliner Institut von Prof. Hamm, wo er seit 2004 als stellvertretender Direktor agiert. Bick ist Sprecher des Zentrums für familiären Brust- und Eierstockkrebs in Berlin und seit Mai 2008 Vorstandsvorsitzender der AG Mammadiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft.

 

23.05.2014

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