News • KI-strukturierte Daten

Digitale Schnittstelle soll Pflegekräfte in Intensivstationen unterstützen

AIQNET ist ein digitales Ökosystem für die sektorenübergreifende datenschutzkonforme Nutzung medizinischer Informationen. Im Mittelpunkt steht die Strukturierung dieser Daten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz.

Die TZM GmbH aus Göppingen ist an dem Projekt beteiligt und vernetzt mit seinem Medizinprodukt, dem Universal Medical Gateway, medizinische Geräte. Damit müssen beispielsweise Pflegekräfte auf Intensivstationen die Daten der zahlreichen Geräte nicht einzeln und händisch bearbeiten, weiterleiten und archivieren. Im Berliner Simulations- und Trainingszentrum (BeST) der Charité – Universitätsmedizin Berlin wird die Technologie jetzt getestet.

portrait of bastian mazzoli
Bastian Mazzoli, Solution Manager Medical Connectivity, TZM GmbH

Bild: privat

In der Medizintechnik erzeugt jeder Hersteller sein eigenes Datenkonstrukt. Das heißt, dass unterschiedliche Beatmungsgeräte von verschiedenen Herstellern nicht die gleiche „Sprache sprechen“. Um sie zu synchronisieren, hat die TZM GmbH aus Göppingen, ein Software-Dienstleister für Konnektivität und Cloud-Lösungen, den Universal Medical Gateway (UMG) entwickelt. Er übersetzt diese Sprachen in einen gemeinsamen Standard und stellt – als übergeordnete Schnittstelle – eine Verbindung zwischen medizinischen Geräten und Plattformen wie AIQNET her. Auf diese Weise können medizinische Daten gesammelt, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) analysiert, sinnvoll strukturiert und dem behandelnden Arzt zugänglich gemacht werden – unabhängig davon, welche Programme und Geräte verwendet werden oder in welcher Klinik oder Praxis man sich befindet. Koordiniert wird das vom BMWi geförderte Gesamtvorhaben von der BioRegio Stern Management GmbH aus Stuttgart.

Bastian Mazzoli, Solution Manager Medical Connectivity bei der TZM GmbH: „Aktuell sind wir hauptsächlich auf Intensivstationen unterwegs. Früher hat die Krankenpflegerin oder der Krankenpfleger die Daten händisch beispielsweise vom Beatmungsgerät abgeschrieben. So können natürlich Übertragungsfehler passieren, die durch unsere Anbindung vermieden werden. Alles läuft im Hintergrund ab, die Daten werden automatisch ins System übertragen.“

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Universal Medical Gateway (UMG)

Bild: TZM GmbH

Im Rahmen von AIQNET erhielt das Unternehmen den Kontakt zum Berliner Simulations- und Trainingszentrum (BeST). Das BeST ist ein Geschäftsbereich der Charité, die eine Intensive Care Unit (ICU) für Fort- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung betreibt. Hier gibt es die Möglichkeit, neue Techniken und Behandlungsmethoden zu erproben, unter anderem das Konzept „Walking-ICU“. Auf dieser soll das UMG ab April eingesetzt werden. Statt dauerhaft sediert zu sein, sollen sich die Patienten bewegen und sogar das Bett verlassen, daher auch der Name „Walking-ICU“. Die Technik wie auch die Behandlungsmethoden müssen sich dafür dynamisch der Situation anpassen und einander verstehen.

„Im Projekt AIQNET können wir einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Systemgrenzen zu überwinden und medizinische Daten zugänglich zu machen, also beispielsweise die Zusammenführung verschiedenster Geräte auf einem zentralen Monitor. Über die Plattform können auch Geräte, die in den Kliniken stehen, aus der Ferne konfiguriert oder neue Treiber gestartet werden“, erläutert Bastian Mazzoli. In jedem Krankenhaus werden zahlreiche Daten generiert und aus medizinischen Gründen gesammelt. Sie liegen in verschiedenen Archivsystemen und häufig in unstrukturierter Form vor: Arztbriefe auf Papier, Untersuchungs- und Laborbefunde als PDF-Dateien, häufig auf CD-ROM. Im Fokus von AIQNET steht die automatisierte Beschaffung, Strukturierung und Analyse dieser Daten mit Hilfe von KI. „Es ist wichtig, dass die Digitalisierung auch vermehrt in den Kliniken Einzug hält“, betont Mazzoli. „Die Corona-Pandemie hat diesem Thema nochmals Aufwind gegeben. Ein Austausch über AIQNET ist in meinen Augen ganz essenziell. Es ist unverzichtbar, dass mehrere Kliniken miteinander versuchen, Wege aufzuzeigen, wie Digitalisierung und eine gute Zusammenarbeit funktionieren können.“


Quelle: BioRegio Stern

25.04.2021

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