Afrika

Die Sonographie – ein Multitalent in den Tropen

Für den Patienten nicht belastend, mobil einsetzbar, mit breiter Anwendung und zudem kostengünstig – das macht den Ultraschall zu einer effektiven Methode bei der Diagnostik von Erkrankungen, die vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern auftreten.

Davon ist Dr. Wilhem Schäberle, Facharzt für Gefäß- und Viszeralchirurgie an der Klinik im Eichert in Göppingen, überzeugt. „Sonographisches Know-how gepaart mit umfassenden Kenntnissen über tropische Erkrankungen sind aber unabdingbar für den erfolgreichen Einsatz“, so Schäberle.

Ultraschall in Entwicklungsländern erfordert Fachwissen über parasitäte...
Ultraschall in Entwicklungsländern erfordert Fachwissen über parasitäte Erkrankungen.

Gute Morphologie

Je nach Erkrankung zeigt der Ultraschall typische morphologische Veränderungen oder eher unspezifische Ausprägungen. In beiden Fällen kann der Einsatz dennoch wegweisend sein. Einige parasitäre Erkrankungen, verursacht durch Würmer oder Insekten, sind mithilfe dieses bildgebenden Verfahrens gut darzustellen und damit auch zu diagnostizieren. So zum Beispiel die Bilharziose, bei der nach der Infektion Eigranulome in den periportalen Arealen der Leber zu einer Fibrose mit portaler Hypertension führen. Die Echinococcose bildet typische Zysten eventuell mit Tochterzysten in der Leber; der durch Amöben verursachte Abszess zeigt meist eine relativ homogene, echoarme, fokale Läsion. Bei der Wurmerkrankung Askariasis oder beim Leberegel kann der Befall der Gallengänge nachgewiesen und auftretende Komplikationen können beurteilt werden.

Unspezifische Pathologie

Andere tropische Erkrankungen zeigen dagegen relativ unspezifische pathologische Veränderungen. Beispiele sind Malaria, Toxoplasmose, Trypanosomiasis, Tuberkulose, Kalaazar und Aids-bedingte Pathologien. Bei solchen Krankheitsbildern kann sonographisch für die weiterführende zytologische oder histologische Untersuchung von Leberbefunden und Lymphomen ganz gezielt punktiert und Zellen aspiriert werden. „Bei uns würde der Patient zunächst ein CT oder MRT erhalten“, führt Schäberle aus, „in Ermangelung dieser Geräte in den Entwicklungsländern ist die ultraschallgesteuerte gezielte Punktion dort die adäquate Methode für die Differenzialdiagnose.“ Neben Magen- und Darminfektionen mit Durchfall ist Malaria übrigens die häufigste Erkrankung, mit der Touristen aus dem Urlaub zurückkommen. Andere Tropenkrankheiten sind eher selten, da sie meistens mit unhygienischen Bedingungen und einem grundsätzlich ärmeren Milieu, jenseits der Touristenströme, assoziiert sind.

Hilfreiche Therapiesteuerung

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Platzieren einer Drainage nach vorheriger ultraschallgesteuerter Lokalisation und Markierung.

Auch Verlaufskontrolle und Therapiesteuerung sind in Entwicklungsländern etablierte Einsatzmöglichkeiten für die Sonographie. Bei der Schistosomiasis mit Leberbefall kann unter der Behandlung mit Praziquantel bei Kindern und Jugendlichen die Rückbildung der periportalen Fibrose dargestellt und damit auch die Therapiedauer eingegrenzt werden. Kleinere Amöbenabszesse in der Leber werden üblicherweise mit Metrodinazol behandelt. Das Anschlagen der Therapie lässt sich sonographisch nachweisen. 

Bei großen Amöbenabszessen kann ultraschallgesteuert zur Aspiration punktiert oder eine Drainage gelegt werden. Ein interventioneller Ansatz zur Therapie von Echinococcuszysten in der Leber wurde in häufig betroffenen Regionen wie der Türkei und in Nordafrika weiterentwickelt und evaluiert. Die sogenannte PAIR-Therapie ermöglicht in einem einzigen Durchgang die ultraschallgesteuerte Punktion, die Aspiration, bei der der zystische Inhalt abgesaugt wird, die Injektion von hypertoner Kochsalzlösung oder 95%igem Alkohol zum Abtöten des Skolizes (die Bandwurmkopfanlagen) und die abschließende Re-Aspiration. „Eine überzeugende Therapie mit vielen Vorteilen gegenüber einer offen chirurgischen Resektion zystischer Strukturen, die sonst weiter wachsen und zur Verdrängung und Beeinträchtigung von Leberfunktionen führen“, findet Schäberle.

Praxisorientierte Ausbildung

Neben den Grundlagen wird vor Ort vor allem auf die praktische Erfahrung nach dem Motto „Learning-by-doing“ unter Anleitung gesetzt.

Dr. Wilhelm Schäberle

Voraussetzung für einen effektiven Einsatz des Ultraschalls in den Entwicklungsländern ist das Fachwissen über den Formenkreis der parasitären Erkrankungen sowie über Anwendung und Interpretation des Ultraschalls. Letzteres setzt viel praktische Erfahrung voraus. Schäberle: „Das Bild wird nicht einfach geliefert, wir müssen es uns erarbeiten, uns um Knochen und Luft herumlavieren, die verschiedenen Ebenen nutzen. Die Sonographie ist eine extrem untersucherabhängige Methode, aber mit hoher Ortsauflösung und diagnostischer Treffsicherheit.“ Mitglieder des Arbeitskreises „Ultraschall in Entwicklungs- und Schwellenländern“ der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) sorgen für Kurse vor Ort und erarbeiteten Ausbildungskonzepte für die Ultraschalldiagnostik in Schwellen- und Entwicklungsländern. Neben den basalen physikalischen, technischen und sonomorphologischen Grundlagen wird vor Ort vor allem auf die praktische Erfahrung nach dem Motto „Learning-by-doing“ unter Anleitung gesetzt.


Profil:
Dr. Wilhelm Schäberle, ist Viszeral- und Gefäßchirurg und Seminarleiter der DEGUM sowie Lehrbuchautor. Von 1995 bis 2005 war er mit „Ärzte ohne Grenzen“ über zehnmal in den Bürgerkriegsregionen Afrikas chirurgisch im Einsatz und gab seine Erfahrungen in der Ultraschalldiagnostik, speziell auch in der Diagnostik von Tropenkrankheiten, in vielen Ultraschallkursen in Afrika weiter.

Veranstaltung:
Raum: A Flüela
Samstag, 26.09.2015, 08:30 Uhr
Sonomorphologie von Krankheiten in den Tropen
Wilhelm Schäberle,
Christoph F. Dietrich, Deutschland
Session: RK Ultraschall in Entwicklungs- und Schwellenländern

24.09.2015

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