Nicht erst im OP entscheidet sich der Ausgang eines Eingriffs. Schon vorher können Behandler und ihre Patienten viel dafür tun, zum Gelingen der Operation beizutragen.

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News • Eingriffs-Vorbereitung für Behandelnde und Patienten

"Better in = better out": Beste Voraussetzungen für ein gutes OP-Ergebnis

Eine Operation stellt eine relevante Belastung für den Organismus dar. Je besser die körperliche Verfassung, desto leichter verkraftet der Patient diese Belastung.

Anlässlich des 25. Kongresses der Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik (AE) in Leipzig berichtet Priv.-Doz. Dr. Stephan Kirschner, Präsident AE und Direktor der Klinik für Orthopädie in den ViDia Kliniken, Karlsruhe, was Behandelnde und Betroffene tun können, um optimale Voraussetzungen für ein gutes OP-Ergebnis zu schaffen. 

Fit werden für eine Operation, darum geht es bei „Better in – Better out“.1 Für die Phase der perioperativen Versorgung sind unter dem Begriff „Fast track“ die klassischen Probleme nach Operationen, wie Schmerz, Übelkeit und Erbrechen sowie Darm-Atonie erfolgreich adressiert worden.2 Für die weitere Verbesserung der Patientenversorgung ist nun der Abschnitt vor der operativen Versorgung in den Fokus gerückt.3 Dabei sind der Patient und der Arzt gefragt.

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Patienten

Rein auf Patientenseite sind zunächst einmal die geplanten Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen mit ausreichendem Vorlauf zur Operation wahrzunehmen und die Untersuchungsergebnisse zur Verfügung zu stellen. Insbesondere gilt dies für den Medikationsplan, der unbedingt alle eingenommenen Präparate aufweisen sollte. 

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Der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten kann dabei helfen, den Körper auf eine Operation vorzubereiten.

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Ein nächster wichtiger Schritt für den Patienten besteht in einer gesünderen Lebensweise 4 bis 6 Wochen vor der Operation. Der Konsum größerer Mengen Alkohol sollte im Vorfeld einer Operation unterbleiben. Ein „riskanter“ Alkoholkonsum beginnt hier bereits ab einer täglichen Trinkmenge von 0,5 bis 0,6 Liter Bier pro Tag oder 0,3 Liter Wein für Männer. Bei Frauen beginnt ein riskanter Konsum schon bei der Hälfte dieser Menge.4 Das Risiko einer postoperativen Komplikation kann bei diesen Patienten durch einen mehrwöchigen Verzicht fast halbiert werden (RR 0.62 (KI 0,4-0,96)). Auch für Raucher besteht ein 2 bis 5-fach erhöhtes Risiko einer postoperativen Komplikation, insbesondere einer Infektion. Ein Rauchverzicht für 6 Wochen vor der Operation reicht aus, um das Risiko relevant (ungefähr 50%) zu senken.5

Zum Erhalt der individuellen Gesundheit wird eine körperliche Aktivität von 150 Minuten pro Woche empfohlen. Durch eine einfache vermehrte körperliche Aktivität wie Spazierengehen oder Radfahren kann insbesondere bei sehr inaktiven Patienten die körperliche Leistungsfähigkeit für eine Operation deutlich gesteigert werden.6

Ergänzend bringt ein einfaches Atemtraining mit Fokus auf tiefem Einatmen, Kräftigung der inspiratorischen Muskelkraft und einer ausreichende Ausatemzeit eine Verbesserung der pulmonalen Leistungsfähigkeit mit deutlich positiven Effekten.7

Arzt und Patient

Wichtige und kurzfristig beeinflussbare Risiken sind eine Anämie, Mangelernährung und Sarkopenie, schweres Übergewicht, ein Vitamin-D Mangel und bisher untherapierte chronische Erkrankungen wie zum Beispiel eine Niereninsuffizienz. 

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Leichtes Krafttraining zum Muskelaufbau ist ein sinnvoller Baustein für die OP-Vorbereitung.

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Für die meisten dieser Risiken können einfache Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Eiseninfusion nach Anämiediagnostik rasch Abhilfe schaffen und den präoperativen Patientenzustand deutlich verbessern.8 Dabei ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Operateur von deutlichem Vorteil. Ein besonderes Augenmerk gebührt Patienten mit körperlicher Inaktivität, Mängelernährung und mangelnder Muskelkraft, in starker Ausprägung wird dies als Sarkopenie bezeichnet und kommt bei älteren Patienten in relevanter Häufigkeit vor. Diese Patienten haben bei Tumoroperationen ein 3 bis 4-fach erhöhtes Risiko einer relevanten Komplikation.9

In milderer Ausprägung ist eine Intervention mit erhöhter Protein- und Kalorienzufuhr gemeinsam mit Krafttraining geeignet, innerhalb von 12 Wochen eine deutliche Verbesserung der körperlichen Leistung zu erreichen. Bei Patienten mit Sarkopenie wird ein längerer Zeitraum zur Verbesserung des Zustandes benötigt. In Einzelfällen ist mit dem Patienten auch eine Verschiebung der Operation zu besprechen. 

Die gemeinsame Anstrengung von Patient und Arzt im Rahmen einer Prähabilitation vermindert die perioperativen Risiken und ermöglicht eine raschere Rückkehr in die gewünschten Aktivitäten.


Literatur:

  1. Bloch W.: „Fit werden für eine Operation“ Dt. Ärzteblatt . 114:22–23; 2017 
  2. Kehlet H.: „Prinzipien der Fast track Chirurgie“ Chirurg 80(8):687-9; 2009
  3. Ljungqvist O et al.: „Opportunities and Challenges for the Next Phase of Enhanced Recovery After Surgery: A Review“ JAMA Surg. 1;156(8):775-784; 2021 
  4. Egholm JW et al.: Perioperative alcohol cessation intervention for postoperative complications. Cochrane Database Syst Rev. 8;11(11); 2018 
  5. Thorngren K-G. and Böhler N.: Join the ESCAPE project: European smoking cessation activities – a project of EFORT Foundation.
  6. Rütten und Pfeifer: „Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“ FAU Erlangen Nürnberg 2016. 
  7. Odor PM et al.: “Perioperative interventions for prevention of postoperative pulmonary complications: systematic review and meta-analysis” BMJ 11;368:m540; 2020
  8. Kirschner, S. et al.: „3. 10 Prärehabilitation in der Ortho Geriatrie“ in Alterstraumatologie und Ortho Geriatrie Autoren: U. C. Liener, C. Becker, K. Rapp, M. J. Raschke, B. Kladny, D. C. Wirtz 1. Auflage, Oktober 2021
  9. Chen F. et al.:”Impact of preoperative sarcopenia on postoperative complications and prognosis of gastric cancer resection: A meta-analysis of cohort studies”. Arch Gerontol Geriatr. 2022 Jan-Feb;98 
  10. Liau et al.: “The Role of Muscle Mass Gain Following Protein Supplementation Plus Exercise Therapy in Older Adults with Sarcopenia and Frailty Risks: A Systematic Review and Meta-Regression Analysis of Randomized Trials”. Nutrients, 11, 1713; 2019 
  11. O´Connor M. et al.: “Movement is life. Optimizing Total Hip and Knee Arthroplasty Patients: Malnutrition, Disparities, and Total Hip and Knee Arthroplasty. J Am Acad Orthop Surg 00:1-4; 2021


Quelle: AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik

06.12.2023

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