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News • Patient Blood Management
Frühzeitige Anämiediagnostik stärkt Frauengesundheit
Patient Blood Management verbessert die Sicherheit von Patientinnen und Patienten vor Operationen. Zum „Präventionsjahr 2026" setzen sich Frankfurter Expertinnen und Experten dafür eine, Frauen in der Anämiediagnostik besonders in den Fokus zu rücken.
Anämie, umgangssprachlich als Blutarmut bezeichnet, zählt zu den häufigsten Erkrankungen von Frauen weltweit. Schätzungen zufolge ist etwa jede dritte Frau betroffen. Allein in Deutschland entspricht dies rund 14 Millionen Frauen. Dennoch wird die Erkrankung häufig erst spät erkannt – mit potenziell schwerwiegenden Folgen insbesondere vor operativen Eingriffen. Unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski hat die Universitätsmedizin Frankfurt das Patient Blood Management (PBM) in den vergangenen Jahren federführend entwickelt und als einer der ersten Standorte in der frühzeitigen Diagnostik und Behandlung von Anämien etabliert. Heute machen die Verantwortlichen darauf aufmerksam, dass diese Maßnahmen in der medizinischen Versorgung für Frauen von besonderer Bedeutung sind.
Viele Patientinnen wissen nicht, dass hinter Müdigkeit, Leistungsabfall oder Konzentrationsproblemen eine Anämie stecken kann
Vanessa Neef
„Anämie wird noch immer vielfach als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen wahrgenommen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine eigenständige und weit verbreitete Erkrankung, die die Gesundheit und Sicherheit von Patienten und insbesondere Patientinnen erheblich beeinträchtigen kann“, erklärt Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie der Universitätsmedizin Frankfurt. „Gerade im operativen Umfeld müssen wir Anämien frühzeitig erkennen und behandeln. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Frauengesundheit und zur Verbesserung der Patientensicherheit.“
Die Bedeutung einer frühzeitigen Anämiediagnostik zeigt sich besonders vor größeren chirurgischen Eingriffen. Studien belegen, dass fast jede zweite Patientin vor einer Operation anämisch ist. Gleichzeitig gilt eine Anämie als unabhängiger Risikofaktor für postoperative Komplikationen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Bluttransfusionen erforderlich werden. Die häufigsten Ursachen sind Eisenmangel sowie ein Mangel an Folsäure oder Vitamin B12. Werden diese Defizite rechtzeitig erkannt, lassen sie sich in den meisten Fällen unkompliziert und wirksam behandeln.
„Viele Patientinnen wissen nicht, dass hinter Müdigkeit, Leistungsabfall oder Konzentrationsproblemen eine Anämie stecken kann“, sagt Prof. Dr. Vanessa Neef, stellvertretende Direktorin der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. „Dabei verfügen wir heute über effektive Möglichkeiten, die Ursachen einer Blutarmut gezielt zu diagnostizieren und häufig innerhalb kurzer Zeit zu behandeln. Das verbessert nicht nur die Lebensqualität, sondern kann auch das Risiko von Komplikationen rund um eine Operation deutlich reduzieren.“
Die Universitätsmedizin Frankfurt gehört international zu den Pionieren des Patient Blood Management. Bereits 2012 wurde das Konzept fest in den klinischen Alltag integriert. Ziel ist es, die körpereigenen Blutreserven der Patientinnen und Patienten zu schützen, vermeidbare Blutverluste zu reduzieren und Bluttransfusionen nur dann einzusetzen, wenn sie medizinisch notwendig sind.
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Dank PBM besser mit Patientenblut haushalten
Blut zählt zu den wichtigsten Ressourcen der Menschheit – und es ist knapp: Der Bedarf durch mehr Operationen steigt, zugleich wird immer weniger Blut gespendet. Zudem wird Blut verschwendet, bei teilweise überflüssigen Bluttests und durch zu große Mengen, die dafür entnommen werden. Deshalb fordern Transfusionsmediziner schon länger ein stringentes Patient Blood Management (PBM).
Ein zentraler Baustein ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Anämien. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski entstand an der Universitätsmedizin Frankfurt die erste Anämie-Ambulanz Deutschlands. Dort werden Patientinnen und Patienten vor geplanten Operationen gezielt auf das Vorliegen einer Blutarmut sowie deren Ursachen untersucht und individuell behandelt.
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Frankfurter Expertinnen und Experten den bislang unterschiedlichen Grenzwerten zur Diagnose einer Anämie bei Frauen und Männern. Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt eine Anämie bei nicht schwangeren Frauen erst unter einem Hämoglobinwert von 12 g/dl vor, bei Männern hingegen bereits unter 13 g/dl. Aus Sicht der Frankfurter Fachleute greift diese Unterscheidung jedoch zu kurz. Bei größeren Operationen verlieren Frauen und Männer vergleichbare Mengen Blut. Frauen verfügen jedoch durchschnittlich über ein geringeres Blutvolumen und eine niedrigere Gesamthämoglobinmenge. Dadurch können sie durch denselben Blutverlust stärker belastet werden und schneller eine kritische Sauerstoffunterversorgung des Gewebes entwickeln.
Deshalb werden an der Universitätsmedizin Frankfurt bereits heute Patientinnen mit Hämoglobinwerten unter 13 g/dl auf Eisen-, Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel untersucht und gegebenenfalls behandelt. International verfolgen zunehmend mehr Kliniken einen vergleichbaren Ansatz. „Wenn wir die Gesundheit von Frauen nachhaltig verbessern wollen, müssen wir diagnostische Grenzwerte kritisch hinterfragen und an die aktuelle wissenschaftliche Evidenz anpassen“, betont Prof. Dr. Dr. Kai Zacharowski. „Unser Ziel ist es, vermeidbare Risiken frühzeitig zu erkennen und Patientinnen bestmöglich auf operative Eingriffe vorzubereiten. Dafür setzen wir uns auch auf nationaler und internationaler Ebene ein.“
Quelle: Universitätsmedizin Frankfurt
09.07.2026



