Prostatakrebs

Wann ist Screening mittels PSA-Wert sinnvoll?

Dr. Michael Quentin ist Facharzt für Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Er betreibt die MRT-Referenzauswertungen der Ende vergangenen Jahres gestarteten Multicenter-Studie. Ziel der prospektiven, randomisierten, prostataspezifischen Antigen-(PSA-)Screening-Studie „Probase“ ist die Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe des Basis-PSA-Wertes.

Dr. Michael Quentin
Dr. Michael Quentin

„So wie das PSA-Screening heutzutage zum Teil durchgeführt wird, ist es nicht zu empfehlen“, bemerkt Dr. Michael Quentin. Er bezieht sich auf eine große amerikanische (PLCO) und eine große europäische (ERSPC) Screening-Studie. „Die aktuelle Vorgehensweise führt zu einer erheblichen Überdiagnostik und Übertherapie. Eine Lösung könnte ein risikoadaptiertes PSA-Screening abgestimmt auf das Alter und den Basis-PSA-Wert des Patienten sein.“

Die Multicenter-Studie „Probase“ soll mit einer Gesamtlaufzeit von 20 Jahren insgesamt 50.000 Probanden einschließen. Die Probanden werden im Alter von 45 Jahren in vier Studienzentren über einen Zeitraum von fünf Jahren rekrutiert. Zunächst werden die Probanden auf die beiden Screening-Gruppen aufgeteilt: verzögertes Screening mit 50 Jahren und sofortiger Screening-Beginn randomisiert. An die Rekrutierungsphase schließt sich eine Beobachtungsphase über insgesamt 15 Jahre an. Primärer Endpunkt der „Probase“-Studie ist die kumulative Inzidenz eines metastasierten Prostatakarzinoms mit 60 Jahren.

Basis-PSA-Wert

Die aktuelle S3-Leitlinie „Prostatakarzinom“ empfiehlt eine Prostatabiopsie ab einem PSA-Wert von 4 ng/ml. „Der PSA-Wert ist jedoch nicht unabhängig vom Alter des Patienten“, mahnt Dr. Quentin. Während ein PSA-Wert von 3 ng/ml bei einem älteren Patienten durchaus noch normal sein kann, ist ein solcher PSA-Wert bei dem Kollektiv der „Probase“-Studie im Alter von 45 Jahren mit einem erheblich erhöhten Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken, verbunden. Männer mit einem PSA-Wert von ≥ 3 ng/ml erhalten eine Magnetresonanztomographie und eine gezielte stereotaktische Biopsie der detektierten Herde sowie eine systematische transrektale ultraschallgesteuerte Biopsie. Die Studie soll dazu beitragen, die Verteilung des Basis-PSA-Wertes in einem großen Kollektiv zu analysieren, und Daten zu entdeckten Tumoren in diesem Kollektiv liefern. Letztlich soll die Studie klären, ob ein risikoadaptiertes PSA-Screening erst im Alter von 50 Jahren begonnen werden kann und damit später als in der aktuellen S3-Leitlinie diskutiert. Das würde erheblich zu einer Reduktion von Überdiagnose und Übertherapie beitragen.

Der Austausch von großen Datenmengen

Studienzentren sind die Universitätskliniken in Düsseldorf, Hannover, Heidelberg und München. Die Uniklinik Düsseldorf ist zudem radiologisches Referenzzentrum und wertet die MRT-Untersuchungen aller Studienzentren aus. Um diese großen Mengen an radio-logischem Bildmaterial zwischen den einzelnen Standorten austauschen zu können, ist der Westdeutsche Teleradio-logieverbund (vormals Teleradiologieverbund Ruhr) hinzugezogen worden. Er vernetzt die Zentren mittels der etablierten DICOM-E-Mail-Plattform und ermöglicht so die optimale Versendung aller Bilddaten. Erstmals wird die Plattform zur Durchführung eines so großen Forschungsprojekts eingesetzt. Um den bei einem solchen Projekt sehr wichtigen Datenschutz zu gewährleisten, können die Daten der Studienteilnehmer nur von den beteiligten Ärzten eingesehen werden.

Die MRT-Untersuchungen im Rahmen der Studie laufen nach einem standardisierten Protokoll ab, das an internationale Guidelines angepasst ist. Die Untersuchungen werden anschließend in jedem Zentrum ausgewertet und über den Westdeutschen Teleradiologieverbund an das Referenzzentrum verschickt. Im Referenzzentrum Düsseldorf werden die MRT-Untersuchungen nochmals von Dr. Michael Quentin und seinem Kollegen Dr. Lars Schimmöller ausgewertet. Seit fünf Jahren werden MRT-Untersuchungen – 500 MRT im Jahr und 100 MRT-gesteuerte Biopsien – in Düsseldorf durchgeführt. „Wir haben uns dadurch die Expertise erworben und sind Referenzzentrum geworden“, betont Dr. Michael Quentin.

Langzeittest für Prostata-MRT

Der Radiologe glaubt, dass die „Probase“-Studie einen Beitrag dazu leisten kann zu beurteilen, wann die Bestimmung des PSA-Wertes sinnvoll ist: „Möglicherweise reicht es schon, den PSA-Wert dreimal im ganzen Leben messen zu lassen. Das Ziel ist, ein risikoadaptiertes Screening zu entwickeln.“ Erstmals wird jedoch auch die Prostata-MRT in einer so großen prospektiven Studie evaluiert. „An einer so großen Multicenter-Studie teilzunehmen ist natürlich für uns als Radiologen wirklich spannend.“

 

PROFIL:

Dr. Michael Quentin, Jahrgang 1979, seit Juli 2014 Facharzt für Radiologie, ist seit 2009 am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf tätig. Seine Dissertation zum Thema „Regionale Unterschiede der Kaliumkanal-Expression und Aktionspotenzialdauer am Herzen sind assoziiert mit der räumlichen Heterogenität des myokardialen Flusses“ schloss er mit magna cum laude ab. Seit Juni 2014 ist er gewähltes Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein. Sein Forschungsschwerpunkt und zukünftiges Habilitationsthema ist die MRT der Prostata.

11.12.2014

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