Uroradiologie – wie kommen wir dem Prostatakarzinom bei?

Prof. Dr. Kazuro Sugimura, ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der Uroradiologie, erhält auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Röntgengesellschaft.

Diffusionsgewichtete MRT-Aufnahme: Klare Detektion eines Tumors in der...
Diffusionsgewichtete MRT-Aufnahme: Klare Detektion eines Tumors in der Übergangszone, der mit der routinemäßig durchgeführten Standard-TRUS-Biopsie leicht zu übersehen ist.
Prof. Dr. Kazuro Sugimura
Prof. Dr. Kazuro Sugimura

RöKo Heute hat mit ihm über innovative Technik, die Vorzüge und Nachteile von Screeningprogrammen beim Prostatakarzinom sowie die kulturellen und geographischen Unterschiede in Hinblick auf diese Erkrankung gesprochen.

Welchen Beitrag leistet die Bildgebung zur Definition von Behandlungsstrategien bei malignen Erkrankungen des Urogenitaltrakts?

Kazuro Sugimura: Die Bildgebung der Prostata dient der Tumordetektion,auch im Screening, der Charakterisierung oder Differentialdiagnose, dem Staging, sowie der Therapiesimulation und -bewertung, denn alle aus der Bildgebung gewonnen Daten können die Behandlungsstrategie beeinflussen.
PSA ist einer der wichtigsten Marker bei malignen Tumoren. Obwohl die Frage, inwiefern PSA-Screening die Krebsmortalitätsrate senken kann, kontrovers diskutiert wird, so weisen doch jüngste Studien darauf hin, dass sich dieser Test in der Tat gerade bei jüngeren Männern und niedrigen PSA-Werten bei einemopportunistischen PSA-Screening als nützlich erweisen könnte.

In Japan ist die Screening-Rate mit derzeit etwa 10 Prozentsehr niedrig. Dabei steigen sowohl Inzidenz als auch Mortalität bei Prostatakrebs in Japan weiterhin an, während sie in den meisten westlichen Ländern rückläufig sind. Das heißt, das Screening von Prostatakarzinomen ist in Japan nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale Frage. Die Biopsie ist bei der Diagnose der meisten bösartigen Tumoren ein wesentlicher Schritt. Jedoch reicht der Nachweis maligner Zellen in der Prostata allein nicht aus, denn bei Prostatakrebs hängt die Behandlungsstrategie in hohem Maße von der Aggressivität des Tumors ab.

Die Palette möglicher Therapien bei Prostatakrebs ist breit: Sie reicht von keiner Behandlung, also lediglich aktivem Monitoring, ansonsten „Abwarten“ über chirurgische Eingriffe, Roboterchirurgie und Laparoskopie. Die Strahlentherapie (Brachytherapie, IMRT, Protonenstrahltherapie) bis zur lokalen Ablation (Cryo- und Laserchirurgie oder RFA) wird ebenso angewandt wie die Hormon- oder Chemotherapie. Häufig gibt es auch eine Kombinationen dieser Therapieformen.

Für jeden Patienten die geeignete Therapie zu wählen, stellt dabei nach wie vor eine enorme Herausforderung dar, weil die Tumorbiologie noch kaum erforscht ist. Die korrekte Ermittlung des Gleason Score, der die Tumoraggressivität misst, sowie das klinische Staging liefern äußerst wichtige Informationen, auf deren Grundlage das Risiko für den Patienten – und somit auch eine geeignete Therapiestrategie – bestimmt werden kann. Wie bei anderen malignen Tumoren auch kann die Bildgebung, insbesondere die Hochfeld-MRT, die Präzision des Staging verbessern.

Die MRT kann darüber hinaus potenziell die Genauigkeit der Biopsie steigern. Eine Prostatabiopsie erfolgt im Allgemeinen transrektal mit Ultraschallführung, ein Verfahren, das jedoch für die Tumordetektion nicht sensitiv genug ist. Daher präferieren wir heute anstelle einer gezielten eine systematische Biopsie, bei der sechsbis zwölfRegionen untersucht werden. Die Ergebnisse einer systematischen Biopsie zeigen jedoch unter Umständen immer noch nicht den „wahren“ Charakter des Tumors, da nur ausgewählte Regionen betrachtet wurden.

Jüngste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass verschiedene Biomarker, etwa ADC für diffusionsgewichtete MRT oder bestimmte Parameter der dynamischen kontrastmittelverstärkten MRT die Aggressivität des Prostatatumors darstellen können. Das bedeutet, eine MRT vor der Biopsie könnte die aggressivsten Läsionen in der Prostata zeigen und somit eine Navigationshilfe für die eigentliche Biopsie darstellen. Diese Methode beeinflusst dann die Behandlungsstrategie, weil sie die korrekte Ermittlung des Gleason Score für den Patienten ermöglicht.

Welche Modalitäten verwenden Sie für das Follow-up und warum?

Kazuro Sugimura: Normalerweise verwenden wir CT für die Nachuntersuchung, da sie flächendeckend verfügbar und schnell ist. Beim Follow-up eines Nierenzellkarzinoms führen wir unter Umständen eine Thorax- und Abdominal-CT durch, da bei diesem Krankheitsbild häufig Lungenmetastasen vorkommen. Bei der Detektion von Lebermetastasen hingegen ist der Ultraschall sehr wichtig, insbesondere bei Patienten mit Kontrastmittelunverträglichkeit. Obgleich die MRT wesentlich besser für die Evaluierung von Prostatatumoren geeignet ist als die CT, spielt sie bei der Detektion eines Rezidivs dieses Karzinoms nur eine untergeordnete Rolle.

Wie bereits erwähnt, kann der PSA-Wert Aufschluss darüber geben, ob erneut ein Prostatatumor entstanden ist. Hier liegt die Betonung auf „kann“, denn PSA ist im Grunde zu sensitiv, um ein Rezidiv zweifelsfrei zu klären. Wir sehen häufig Fälle, in denen der PSA-Wert auf ein biochemisches Rezidiv hinweist, dies aber weder durch die Bildgebung noch durch die klinische Untersuchung bestätigt wird. Lymphknotenmetastasen sind wohl die Hauptursache eines PSA-Anstiegs, aber derzeit haben wir leider kein zuverlässiges klinisches Verfahren zur ihrer Detektion.

Daher plädiere ich ausdrücklich für die klinische Zulassung von USPIO-MRI (ultrasmall superparamagnetic iron oxyde – ultrakleines superparamagnetisches Eisenoxid). Sollte USPIO zugelassen werden, stellt dies meiner Ansicht nach eine wichtige Methode zur Evaluierung eines erneuten PSA-Anstiegs bei Prostatakrebs dar. Natürlich ist auch die Erkennung eines lokalen Rezidivs beim Prostatakarzinom wichtig. Die lokale Salvage oder adjuvante Therapie ist jedoch nur sinnvoll, wenn Lymphknoten- und Organmetastasen ausgeschlossen werden können.

Wenden Sie ein Standardverfahren zur Erkennung und Behandlung von Karzinomen des Urogenitaltrakts an?

Kazuro Sugimura: Wie oben erwähnt ist PSA ein wesentlicher Marker für das Follow-up bei Prostatakrebs. Was andere Krebsformen des Urogenitaltrakts betrifft, für die es keine zuverlässigen Tumormarker gibt, zum Beispiel Nierenkrebs, ist die regelmäßige Bildgebung unerlässlich. Im Rahmen der Nachsorge wird jährlich oder alle zwei Jahre ein CT-Scan durchgeführt, wobei die Intervalle vom Tumorstaging und vom Stadium des Tumors zum Zeitpunkt der Ersttherapie abhängen.


Wie viele Männer sind in Japan im Vergleich zu Europa von Prostatakrebs betroffen?

Kazuro Sugimura: Im Jahr 2010 starben laut Center for Cancer Control and Information Services, National Cancer Center, Japan 10.722 Personen an Prostatakrebs, was einer Mortalitätsrate von 17,4 pro 100.000 Einwohner entspricht. 2006 wurde bei 42.517 Männern Prostatakrebs diagnostiziert, was eine Inzidenz von 68,2 pro 100.000 Einwohner bedeutet. Auch wenn diese Zahlen relativ gesehen unter denen in Europa und in den USA liegen, steigen sie dennoch weiterhin an.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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Im Profil

Der 59-jährige Japaner Prof. Dr. Kazuro Sugimura beendete 1977 sein Medizinstudium an der medizinischen Fakultät der Universität Kobe. Nach einem Abstecher an die Universität von Shimane ging er zurück nach Kobe, wo er bis heute als Professor der Radiologie lehrt und die Universitätsklinik als Direktor führt. Seit 2010 ist er Präsident der Japanischen Radiologengesellschaft und Ehrenmitglied der RSNA.

Während des 93. Deutschen Röntgenkongresses wird Kazuro Sugimura als einer von vier herausragenden Persönlichkeiten der Radiologie die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Röntgengesellschaft e. V. verliehen.

 

08.05.2012

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