Tumorboards für Lungenmetastasen

Behalten Sie das Zepter in der Hand!

Wie bei jeder onkologischen Erkrankung gleicht auch bei den Patienten mit Lungenmetastasen kein Fall dem anderen. Die Wahl der therapeutischen Optionen sollte darum immer im interdisziplinären Team unter Abwägung aller Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden getroffen werden.

PD Dr. Dag Wormanns
PD Dr. Dag Wormanns

Anhand einiger typischer Fälle wird ein solches Tumorboard für Lungenmetastasen auf dem diesjährigen Deutschen Röntgenkongress in Hamburg simuliert.

Und das sollten sich die Radiologen – ebenso wie die Tumorboards zu anderen onkologischen Erkrankungen im Rahmen des Kongresses – nicht entgehen lassen, wie PD Dr. Dag Wormanns, Chefarzt des Radiologischen Instituts und Ärztlicher Direktor der Evangelischen Lungenklinik in Berlin, betont: „Es sollte im ureigenen Interesse der Radiologen liegen, diese Tumorboards im klinischen Alltag aktiv zu koordinieren, um in den Entscheidungsprozess eingebunden zu werden. Der Radiologe sollte den Verlauf des Patienten am besten kennen – über die Interpretation der Bilder und die Frage nach dem passenden radiologisch-interventionellen Verfahren hinaus. Wir Radiologen sollten nicht nur Stichwortgeber, sondern ernst zu nehmende Diskussionspartner sein. Das setzt aber voraus, dass man sich mit Blick auf die onkologischen Behandlungsverfahren auf dem Laufenden hält.“

Wer macht wann was?
Im Fall der Lungenmetastasen stehen einerseits systemische und andererseits unterschiedliche lokale Verfahren – nämlich die chirurgische Resektion, die Strahlentherapie sowie interventionell-radiologische, thermoablative Verfahren (an der Lunge überwiegend Radiofrequenzablation oder Mikrowellenablation) – als Therapien zur Wahl. Neben der technischen Machbarkeit ist bei der Wahl des Therapieverfahrens das zu erwartende Ansprechen der jeweiligen Tumorentität auf eine Chemo- oder Radiotherapie zu berücksichtigen. Bei bestehender Strahlenresistenz des Tumors und limitierten chemotherapeutischen Optionen kann im Einzelfall durchaus eine lokalchirurgische Therapie auch bei einer hohen Anzahl von Metastasen sinnvoll sein. „Dem Chirurgen kann es gelingen, bis zu 30 Metastasen auf jeder Seite zu entfernen“, so Dag Wormanns. Bei einem zentralen Herd hingegen gerät die Chirurgie an ihre Grenzen, weil zu viel Lungenparenchym bei der Entfernung in Mitleidenschaft gezogen werden würde. Aber auch die interventionell-radiologischen Verfahren sind hier nicht ideal, weil es sich schwierig gestaltet, die Sonde in der gefäßreichen Umgebung exakt zu platzieren. Zentrale Herde gelten in der Regel darum als typisches Beispiel für eine Strahlentherapie.

Bei peripheren Herden wiederum hängt die Therapie vom OP-Risiko des Patienten ab: Ist das Gewebe von vorangegangenen Eingriffen bereits stark vernarbt und sind nur eine oder wenige Metastasen vorhanden, sind thermoablative Verfahren gefragt, die allerdings ein höheres Rezidivrisiko als die chirurgischen Verfahren haben. Und diffuse Metastasierungen sind in aller Regel ein Fall für den Internisten und die systemische Therapie. „Die Wahl der für den individuellen Patienten besten Therapie lässt sich nicht so leicht in einfache Regeln fassen. Ziel der Session ist es darum, typische klinische Situationen zu diskutieren und anhand einschlägiger Beispiele Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Praxis kann diese Wissensvermittlung jedoch nicht ersetzen“, schließt Dag Wormanns.

Im Profil
PD Dr. Dag Wormanns wurde 1967 in Halle (Saale) geboren und studierte Humanmedizin in Berlin und Münster. Seine berufliche Laufbahn begann er am Institut für Klinische Radiologie des Uniklinikums Münster, von 2002 bis 2006 war er dort als Oberarzt tätig. 2006 wechselte er ans Radiologische Institut der Evangelischen Lungenklinik Berlin, die er seit sechs Jahren als Ärztlicher Direktor leitet. Seine wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die praxisnahe computerunterstützte Diagnostik pulmonaler Rundherde mittels Computertomographie. Seit 2003 ist der 46-Jährige im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Thorax der DRG.

Veranstaltung
Raum Peters
Fr., 30.05.2014, 13:45 - 14:30 Uhr
Rundherde/ Tumoren (incl. Atelektasen)
Wormanns D. / Berlin
Session: Fit für den Facharzt - Das konventionelle Röntgenbild - THORAX III

 

29.05.2014

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