taiwanese booth on medical fair exhibition
Auf dem gemeinsamen TAITRA-Stand in Medica-Halle 17 stellten die taiwanesischen Firmen ihre Produkte vor.

Foto: Behrends

Innovationen

Taiwan zeigt virtuelle Lösungen für reale Probleme

Wenn es nach Jhy-Wey Shieh geht, liegt die Verbindung zwischen Taiwan und Deutschland auf der Hand: „Im Begriff ‚Trade‘, der für die Medica von zentraler Bedeutung ist, steht das ‚T‘ für Taiwan und das ‚DE‘ für Deutschland – viel deutlicher kann man es doch gar nicht machen.“ Auch wenn dieser linguistische Exkurs des taiwanesischen Botschafters nicht ganz ernst gemeint war, zeigte die diesjährige Präsentation der taiwanesischen Handelsförderungsorganisation TAITRA (Taiwan External Trade Development Council) in aller Deutlichkeit, wie stark das Band zwischen den beiden Nationen ist.

Bericht: Wolfgang Behrends

Unter dem Begriff ‚Taiwan Excellence‘ hatte TAITRA auch in diesem Jahr einen ganzen Strauß innovativer Medizintechnik im Gepäck: Von virtuellen 3D-Anatomiemodellen über robotische Reha-Helfer bis hin zu ‚smarten‘ Windeln wurden auf der Messe Produkte vorgestellt, die mit dem taiwanesischen Gütesiegel ausgezeichnet wurden.

Neue Technik kann uns wirkungsvolle Werkzeuge an die Hand geben, mit der Herausforderung einer älter werdenden Gesellschaft umzugehen

Dar-Bin Shieh

„Es ist eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit, dass die Menschen immer älter werden“, sagte Dr. Dar-Bin Shieh, stellvertretender Minister für Wissenschaft und Technologie. „Neue Technik kann uns wirkungsvolle Werkzeuge an die Hand geben, mit dieser Herausforderung umzugehen.“ Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Früher war Kurzsichtigkeit im Alter ein unabwendbares Schicksal – heute gibt es Brillen, und Kontaktlinsen, die scharfe Sicht bis ins hohe Alter bewahren. Inzwischen tragen orthopädische Hilfen und Prothesen aller Art dazu bei, eine hohe Lebensqualität für Senioren zu gewährleisten. „Wir stehen mit unseren Möglichkeiten erst am Anfang“, betonte Shieh: KI, Big Data und personalisierte Medizin werden die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten – für Senioren, aber auch für alle anderen – in völlig neue Sphären voranbringen, zeigte sich der Minister überzeugt.

VR hilft Körper und Geist

man with vr glasses exploring 3d anatomical model at medical fair
Virtual Reality (VR) soll angehenden Medizinern dabei helfen, die menschliche Anatomie besser zu verstehen – wie hier im ‚3D Organon‘ des HTC-Ablegers DeepQ.

Einen besonderen Schwerpunkt legten die Taiwanesen dabei auf virtuelle Realität (VR). „Viele kennen VR aus Filmen wie ‚Ready Player One‘ oder aus Videospielen. Dort ist die Technik vor allem dazu da, der Realität zu entfliehen – aber wir können sie auch dazu nutzen, Probleme in der Realität zu lösen“, sagte Lewis Chang, der neue Produkte des HTC-Ablegers DeepQ Technology vorstellte. Das Unternehmen ist Privatanwendern durch Smartphones und die VR-Brille ‚HTC Vive‘ ein Begriff, stellt aber auch medizintechnische Lösungen her. Eines davon ist ‚3D Organon‘, ein dreidimensionaler, interaktiver Anatomieatlas, der vor allem bei der Ausbildung junger Ärzte zum Einsatz kommt. „Studenten können sich frei um ein anatomisches 3D-Modell bewegen, es Schicht für Schicht auseinandernehmen und so die räumlichen Strukturen des Körpers besser verstehen“, erklärte Chang. Die Arbeit mit echten Körpern soll das nicht ersetzen, sondern durch Spezialfunktionen wie das gezielte Ein- und Ausblenden verschiedener anatomischer Bestandteile – Knochen, Muskeln, Organe und Gefäßsysteme – eine zusätzliche Lehr- und Lernmethode eröffnen.

Nicht nur der Körper, sondern auch der Geist kann mithilfe von VR-Lösungen geheilt werden: ‚Oxford VR‘ ist ein Programm zur Therapie psychologischer Erkrankungen wie Höhenangst. „Wer in der virtuellen Welt üben kann, eine hohe Brücke zu überqueren, der schafft es später leichter in der Realität“, erklärt Chang. In Taiwan wird die VR-Therapie bereits erfolgreich eingesetzt, nun soll auch der Europäische Markt von den Möglichkeiten der neuen Technik überzeugt werden.

Vom Riesen-Display bis zur Augmented Reality

presentation of virtual surgery table at medical fair
Der ‚Asclepus surgical table‘ der Firma Taiwan Main Orthopedics Biotechnology stellt auf einem ca. ein mal zwei Meter großem Display Körper in Lebensgröße dar.

Auf die Wirkmacht virtueller 3D-Modelle setzt auch der ‚Asclepus surgical table‘ der Firma Taiwan Main Orthopedics Biotechnology Der Tisch stellt auf einem ca. ein mal zwei Meter großem Display Körper in Lebensgröße dar, die sich frei drehen, bewegen und zerteilen lassen. Neben generischen Körpermodellen, die zum Beispiel bei der Ausbildung des chirurgischen Nachwuchses zum Einsatz kommen, können auch patientenspezifische Daten dargestellt werden, so dass der Tisch auch bei der OP-Planung eine große Hilfe sein kann, sagte Geschäftsführer Min-Liang Wang während der TAITRA-Präsentation.

Ein weiteres Produkt der Firma sind die ‚Foresee-X smart surgical glasses‘, die bereits im Vorjahr vorgestellt wurden(englischsprachiger Artikel). In diesem Jahr zeigte Wang die zweite Generation der Mixed-Reality-Brille, ‚Caduceus‘. „Während eines Eingriffs kann der Chirurg zusätzliche Informationen einblenden lassen, ohne den Blick vom Patienten wenden zu müssen, um auf einen Monitor zu schauen“, erläuterte der Geschäftsführer.

Entlastung für Fachärzte

Neben dem demographischen Wandel stellt auch der Fachärztemangel zunehmend ein Problem dar – in Taiwan genauso wie in Deutschland. Die Firma AmCad BioMed will mit Ultraschall-basierter Technik dazu beitragen, dass Patienten mit Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe (OSA) schnell und zuverlässig diagnostiziert werden und die langwierigen und unangenehmen Untersuchungen im Schlaflabor nur dann auf sich nehmen, wenn es wirklich nötig ist. „Etwa 25% der erwachsenen Bevölkerung leidet unter OSA“, sagte AmCad-President Yili Lee. „Einige haben nur eine leichte Form der Krankheit, die sie kaum beeinträchtigt, andere sind stark betroffen und werden zu spät behandelt, weil sie die lange Untersuchung im Schlaflabor scheuen.“ Das Produkt der Firma ermöglicht eine zuverlässige Diagnose des OSA-Risikos und -schweregrad innerhalb weniger Minuten, während der Patient bei vollem Bewusstsein bleibt. „Ein lasergestütztes Positionierungssystem stellt sicher, dass die Untersuchung mit jedem gängigen Ultraschall-Transducer von jedem Arzt durchgeführt werden kann, ohne dass die Vergleichbarkeit der Ergebnisse darunter leidet“, sagte AmCad-Vizepresident James Lee.

Roboterhand hilft bei der Schlaganfall-Reha

robotic hand for stroke rehabilitation presented at medical fair
Die „Mirror Hand“ des Herstellers Rehabotics Medical Technology soll Schlaganfallpatienten helfen, die Bewegungsfähigkeit ihrer Hände wiederzuerlangen: Bewegungen der gesunden Hand werden per Sensorhandschuh auf ein Exoskelett übertragen, das die Bewegung „nachahmt“.

Die Spätfolgen eines Schlaganfalls will die Firma Rehabotics Medical Technology mithilfe einer Roboterhand mindern. Die ‚Mirror Hand‘ hilft als mobiles Exoskelett, die nach dem Schlaganfall verlorenen motorischen Funktionen der Hand wiederherzustellen. Dabei hilft ein Sensorhandschuh an der anderen Hand, deren Bewegungen aufgezeichnet und vom Exoskelett ‚gespiegelt‘ werden. „So können gezielt motorische Abläufe einzelner Finger oder der ganzen Hand trainiert werden“, sagte Rehabotics-Geschäftsführer Jian-Jia Huang.

Viele der auf der Medica vorgestellten Produkte stehen kurz vor der CE-Zertifizierung oder sind bereits auf dem europäischen Markt erhältlich. Die TAITRA-Präsentation machte erneut deutlich, dass mit Medizintechnik ‚Made in Taiwan‘ zu rechnen ist – auch in Europa.

28.12.2018

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