Test-Arsenal gegen Corona

SARS-CoV-2-Diagnostik – Molekular, Antigen, Antikörper

Der Mangel an diagnostischen Kapazitäten in Deutschland führte dazu, dass in der ersten Welle die Anzahl sowohl der bundesweiten als auch der globalen Covid-19-Infektionen massiv unterschätzt wurde. Im Rahmen einer Online-Session des LabMed Forums der virtual.Medica 2020 zu den „diagnostischen Aspekten und Immunität während der Covid-19-Pandemie“ skizzierte Prof. Dr. Hendrik Streeck, einer der führenden Virologen in Deutschland, aktuelle Trends und Herausforderungen bei den SARS-CoV-2-Tests.

Bericht: Mark Nicholls

portrait of hendrik streeck
Professor Hendrik Streeck

Verbesserte Test- und Diagnoseverfahren zeigen heute die realistischere Anzahl von etwa 20.000 neuen Fällen pro Tag bundesweit, so der Experte.

Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, analysierte zunächst Inzidenz und Entwicklung von Covid-19 in Deutschland sowie das Verhalten des Virus ein Jahr nach dem ersten diagnostizierten Fall in China. Während der ersten Welle wurden im März in Deutschland 6.000 Neuinfektionen pro Tag verzeichnet. Im Laufe des Sommers nahm das Infektionsgeschehen ab, stieg dann aber wieder bis auf 23.000 Fälle pro Tag an. Aktuell liegt die Zahl der Neuinfektionen bei 17.000 pro Tag, was einen „Shutdown light“ erforderlich machte.

„Wir sollten die erste Infektionswelle im März nicht unterschätzen“, so Streeck. „Drei Veröffentlichungen verschiedener Autoren gehen davon aus, dass die Infektionszahlen im März zwischen 15.000 und 62.000 pro Tag lagen. Aufgrund mangelnder Testkapazitäten wurden damals nur 6.000 Infektionen pro Tag diagnostiziert, die tatsächlichen Zahlen also massiv unterschätzt. In der zweiten Welle sehen wir jetzt ein Muster, das allen bekannt ist, die Erfahrung mit Coronaviren-Tests haben.“

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Streeck verwies auf die saisonal auftretenden Coronaviren im Allgemeinen und die vier endemischen Coronaviren, die grippeähnliche Symptome verursachen, ausgenommen SARS-CoV-2. Daten aus den Jahren 2010-2020 zeigen einen ähnlichen Verlauf mit Abflachungen im März und April und einem steilen Anstieg im Herbst. „Dieses sehr typische Muster erklärt, warum wir aktuell so viele Neuinfektionen sehen.“

Das Wichtigste sei jetzt das Testen, so Streeck. Dabei gilt der PCR-Test als Goldstandard, da er eine sehr hohe Sensitivität und Spezifizität bietet. Der Antigentest liefert Ergebnisse in nur 10-15 Minuten, jedoch bei geringerer Sensitivität. Die dritte Waffe im Testarsenal sind Antikörpertests, die zwar keine akute SARS-CoV-2-Infektion erkennen, dank der Antikörper aber zeigen, wer bereits eine Infektion durchgemacht hat. 

Aktuell werden in Deutschland 1,6 Millionen PCR-Tests pro Woche durchgeführt. Daher, so Streeck, könne man die Zahlen aus dem März und April nicht mit den aktuellen Zahlen vergleichen, insbesondere angesichts der jüngsten Aktualisierung der Diagnoseleitlinien, die jetzt vorgeben, dass ausschließlich symptomatische Patienten getestet werden.

Wir hoffen, dass uns die Antigentests in die Lage versetzen, schnell zu testen und diejenigen herauszufiltern, die noch infektiös sind und andere anstecken können

Hendrik Streeck

Streeck sprach auch über Probleme der Molekular- und Antigentests. Eine wesentliche Frage ist dabei die Erkennung der Infektiosität in den unterschiedlichen Phasen des Krankheitsverlaufs. „Wir hoffen, dass uns die Antigentests in die Lage versetzen, schnell zu testen und diejenigen herauszufiltern, die noch infektiös sind und andere anstecken können“, so der Ausblick des Virologen. 

Im Rahmen dieser Session sprachen zudem Professor Jonathan Schmid-Burgk vom Universitätsklinikum Bonn über die Hochdurchsatztests bei SARS-CoV-2. Dr. Verena Haselmann von der Universitätsmedizin Mannheim stellte Ringversuche zu SARS-CoV-2-Antikörpern vor und Dr. Alexander von Meyer vom Universitätsklinikum München präsentierte die diagnostische Performance von PCR- und Antikörpertests in einem Ausbruchsszenario.

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Profil:

Prof. Dr. Hendrik Streeck ist Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, wo er auch die HIV- & AIDS-Forschung mitleitet. Darüber hinaus berät er das Militärische HIV-Forschungsprogramm der USA im Bereich zelluläre Immunologie sowie die Corona Task Force des Landes Nordrhein-Westfalen. Seine Forschungsschwerpunkte sind HIV-Epidemiologie und -Impfstrategien, retrovirale Infektionen, Immunologie und SARS-CoV-2-Epidemiologie.

27.11.2020

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