Stent im Blutgefäß (Symbolbild)

Bildquelle: Adobe Stock/peterschreiber.media

News • Passgenauer Stentgraft

Premiere für neuartige Aortenprothese

An der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie, Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie und der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin von AKH Wien und MedUni Wien wurde erstmals in Österreich eine neuartige Aortenprothese implantiert.

Die Prothese wurde eigens für einen 62-jährigen Patienten mit einem 5,5 cm großen abdominellen Aortenaneurysma angefertigt. Da die Erweiterung der Hauptschlagader bereits bis an die Nierenarterien reichte, konnte kein konventioneller Stentgraft gesetzt werden. Die neue Therapieoption ermöglicht nun auch Patienten mit einem komplexen Aortenaneurysma eine schonende endovaskuläre Behandlung.

Die neue Prothese konnte rein perkutan, das heißt ohne Freilegung der Leistenarterie, eingesetzt werden. Der Patient konnte dadurch sehr rasch wieder nach Hause entlassen werden

Florian Wolf

Aortenaneurysmen können in verschiedenen Abschnitten der Hauptschlagader, die das Blut vom Herzen zu allen anderen Organen transportiert, auftreten. Während einige Aneurysmen keine Symptome verursachen, können größere Ausbuchtungen schwerwiegende Komplikationen wie eine Ruptur oder Thrombose verursachen. Besonders häufig treten Aneurysmen in der Bauchschlagader auf. So auch bei jenem Patienten, dem im März 2023 erstmals in Österreich eine neuartige Aorthenprothese implantiert wurde. „Bei größeren Aortenaneurysmen im Bauchraum muss in der Regel unter Vollnarkose über die Leistenarterie eine so genannte Y-Prothese implantiert werden. Die neue Prothese konnte rein perkutan, das heißt ohne Freilegung der Leistenarterie, eingesetzt werden. Der Patient konnte dadurch sehr rasch wieder nach Hause entlassen werden. Die erste CT-Kontrolle zeigte ein exzellentes Ergebnis“, so Florian Wolf von der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie (Leitung: Christian Loewe), Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, der gemeinsam mit Wolf Eilenberg von der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie (Leitung: Christoph Neumayer), Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie den Eingriff erfolgreich durchgeführt hat. 

Das Besondere an diesem neuartigen Stentgraft ist, dass sehr flexibel mehrere Fenster für die Nierenarterien und Viszeralarterien in die Prothese eingenäht werden können. Im Bereich der insgesamt fünf Fenster finden sich nur wenige Metallstreben, sodass die Sichtbarkeit der Drähte und Katheter bei der Implantation im Gegensatz zu anderen Produkten erleichtert ist. Der Eingriff kann dadurch schneller und einfacher durchgeführt werden. „Diese neue Struktur des Stentgrafts ermöglicht, dass nahezu jede:r Patient:in mit einem komplexen Aortenaneurysma endovaskulär versorgt werden kann“, berichten Florian Wolf und Wolf Eilenberg.

Das interdisziplinäre Aortenzentrum von AKH Wien und MedUni Wien hat sich in den vergangenen Jahren mit rund hundert Eingriffen von komplexen abdominellen Aortenprothesen pro Jahr zu einem der größten Aortenzentren in Europa entwickelt. Die hohe Fallzahl wirkt sich positiv auf die Expertise und damit auf die Sicherheit der Patient:innen aus. Während die komplexen Eingriffe vor einigen Jahren häufig über sechs Stunden dauerten, ist die durchschnittliche Eingriffsdauer auf rund zwei Stunden reduziert worden. Unter enger interdisziplinärer Zusammenarbeit der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie, der Universitätsklinik für Herzchirurgie, der Klinischen Abteilung für Herz-Thorax-Gefäßchirurgische Anästhesie und Intensivmedizin sowie der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie werden Patienten mit Aortenaneurysmen rund um die Uhr versorgt; der Großteil der Patienten mit einem komplexen abdominellen, thorakalen oder thorako-abdominellen Aortenaneurysma kann schonend minimal-invasiv versorgt werden. 


Quelle: Medizinische Universität Wien

08.05.2023

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

News • Erweiterung der Herzkranzgefäße

Revaskularisation nach Herzinfarkt: lieber sofort agieren

Damit auf den ersten Herzinfarkt kein zweiter folgt, wird die Erweiterung auch nicht betroffener Herzkranzgefäße empfohlen. Kardiologen belegten nun die Vorteile einer unmittelbaren Behandlung.

Photo

News • Für minimal-invasive Eingriffe

Flexibler Katheter-Roboter erleichtert Herz-OPs

Ärzte und Ingenieure haben einen neuartigen Roboter entwickelt, der durch Adern zum Herzen geführt wird und OPs am schlagenden Herzen künftig einfacher und patientenschonender macht.

Photo

News • Interventionell-radiologische Eingriffe im Fokus

"Tag der Patienten": Minimalinvasive Verfahren bei pAVK & Co.

Zum heutigen "Tag der Patienten" sprechen Experten über die Vorteile interventionell-radiologischer Eingriffe bei Venenerkrankungen wie der "Schaufensterkrankheit" pAVK.

Verwandte Produkte

Newsletter abonnieren