Im Alltag angekommen

Mit POCT zu einer besseren Diagnostik

Vor gerade einmal 20 Jahren galt POCT in Krankenhäusern oder Praxen als eine Methode, die zwar vielversprechend klang, aber nur von wenigen Spezialisten angewendet wurde. Das hat sich gewaltig geändert:

Von der Intensivstation über die Erstversorgung bei Unfällen, vom Operationssaal bis zur Niedergelassenen Praxis – überall ist POCT zu finden. Diese und weitere Themenfelder wurden im Frühjahr d. J. beim 3. Münchner POCT-Symposium auf Initiative und unter Leitung von Prof. Dr. Peter B. Luppa, Klinikum rechts der Isar der TU München, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, durchgeführt.

Mit POCT zu einer besseren Diagnostik
Mit freundlicher Genehmigung von EKF

EH: Herr Prof. Luppa, welchen Weg wird POCT in den nächsten 5 – 10 Jahren gehen?

Als klare Tendenz ist die Infektiologie und vor allen Dingen die molekulare Diagnostik von Infektionserregern zu erkennen. Ein weiteres großes Thema, das heute schon intensiv behandelt wird, ist die kontinuierliche Messung von Metaboliten. Damit ist allerdings nicht nur die Glukose gemeint, sondern auch andere Parameter, die auf Intensivstationen kontinuierlich gemessen werden müssen.

Während ihrer Tagung wurden neun verschiedene Themenfelder behandelt wie beispielsweise. „POCT-Management bei kontinuierlichen Krankheiten“, oder „POCT in Entwicklungsländern“. Aber auch „technische“ Gebiete, wie „Fortschrittliche POCT-Technologien und -Anwendungen“, oder „Regulierung und Normung für POCT-Geräte“ waren Gegenstand des Symposiums. Stellte sich bei dabei Prioritätenliste heraus?

Am wichtigsten sind die klinischen Anwendungen. Die IT hat ihre Rolle bei der Installation der klinischen Anwendungen. Umgekehrt benötigt man die IT-Regularien aber, um die POCT besser an den Anwendern zu bringen. Daher ist die regulatorische Seite für die Entwickler sehr wichtig, um abschätzen zu können, was machbar ist. Denn nicht alles, was entwickelt wird, kann auch sofort am Patienten eingesetzt werden.

Das bedeutet doch sicher auch, dass mit der einschlägigen Industrie gemeinsam neue Produkte – Geräte, Verfahren, Lösungen etc. – entwickelt werden müssen. Wie beurteilen Sie dieses Feld?

Ja, die Entwicklungen der Medizintechnikindustrie sollten in enger Kooperation und sozusagen synchron mit den Anwendern verlaufen, um die Vorteile dieser Technik und Methoden auch zu belegen. Der Benefit und das Outcomefür die Patienten müssen dabeiunbedingt berücksichtigt werden und eindeutig ausfallen.

Während des Symposiums fiel u.a. auf, dass zu dem Themenbereich “Regulatorische Anforderungen an POCT“ zwei Vortragende, Dr. H. Stekel, Linz, Österreich und Dr. R. Fried, Zürich, Schweiz, über nationale Probleme sprachen. „Anforderungen an das POCT in der Schweiz“, und „ISO 22870 in der österreichischen Praxis“. Müssen wir in Europa noch Hausaufgaben machen, um einheitliche Standards, Definitionen, Werte, etc. zu erarbeiten?

Es gibt durchaus bereits europäische Vorgaben. Die zitierte ISO 22870 beispielsweise wird inzwischen nicht nur in allen europäischen Ländern angewandt, sondern sogar weltweit. Aber bei der jeweiligen Umsetzung in nationales Recht kann es durchaus zu Ungereimtheiten kommen. Deshalb haben wir uns diese beiden Länder genauer angeschaut. Im Ergebnis sehen wir, dass etwa die durchgeführten Ringversuche zur Qualitätssicherung jeweils national organisiert werden, d.h., hier findet die Umsetzung von EU-Recht in nationales Recht statt. Bei anderen Ländern wie etwa Frankreich, sieht man, dass dort die Umsetzung etwas anders organisiert ist.

Es hat sich herausgestellt, dass sich der asiatische Raum neu aufstellen muss

Peter B. Luppa

Gibt es zurzeit auf europäischer bzw. globaler Ebene Kooperationen, die sich in Arbeitsgruppen, Kommissionen, Gremien etc. wiederspiegeln?

Es gibt sehr viele Gremien, die auf diesem Gebiet aktiv sind - nicht nur europäische, sondern oft internationale Gremien. Dabei stellt sich heraus, dass sich der asiatische Raum neu aufstellen muss. Daran arbeiten wir intensiv. Denn die Asiaten haben sich bisher fast ausschließlich an die FDA angelehnt, nach dem Motto, was dort geprüft ist, wird auch bei uns rechtens sein. Doch hier hat der Wandel bereits begonnen und insbesondere Indien und China haben inzwischen analoge und auch nationale Systeme aufgebaut.

Die internationale Zusammenarbeit ist auf einem sehr guten Weg. Die ISO-Normen sind dafür ein hervorragender Beleg, denn einmal eingeführt, kann ein Land praktisch nicht mehr ausscheren. Allerdings ist die Anwendung nicht zwingend, sodass, abgeleitet von der ISO, nationale Bedürfnisse berücksichtigt werden können. Erfreulich ist auf jeden Fall, dass ISO-Normen heute quasi weltweit als Grundlage dienen. Diesen Trend verstärkt, dass die Industrie, die sich in diesem Feld nur noch auf wenige Hersteller konzentriert, an nationalen Alleingängen nicht interessiert ist.

portrait of peter luppa
Professor Peter B. Luppa ist Leiter des Zentrallabors und Blutdepots am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.
Quelle: M. Stobrawe

Im November findet die jährlich wiederkehrende MEDICA in Düsseldorf statt. Während der Veranstaltung wird Prof. Georg Hoffmann, Trillium-Verlag, einvier-tägiges „LabMed Forum MEDICA“ durchführen. An einem Tag, am Mittwoch, 15. November, an dem Sie den Vorsitz haben, lautet das Thema: „Vom Selbsttest zur kontinuierlichen Glukosemessung“. Bezieht sich POCT hier ausschließlich auf den Bereich Diabetologie?

Die Diabetologie wird natürlich im Fokus stehen. Aber ebenso natürlich sind wir da nicht festgelegt und richten uns nach den Interessen der Besuchen richten. Die Veranstaltung findet zum ersten Mal statt und wir sind gespannt, wie sie sich entwickelt. Wir waren bereits bei früheren MEDICA-Veranstaltungen mit mehreren Arbeitsgruppen und Foren vertreten, als die Diagnostik in Düsseldorf noch eine größere Rolle spielte. Daher werden wir die Entwicklung jetzt beobachten und dann unsere Schlüsse ziehen. 

Hauptsächlich beschäftigen wir uns inhaltlich dieses Mal also mit der kontinuierlichen Glukosemessung. Denn bei anderen Parametern, die kontinuierlich gemessen werden können, wie Laktat oder verschiedene Herz-Marker, sind die Anwendungen noch überschaubar. 

Herr Prof. Luppa, für die Veranstaltung in Düsseldorf alles Gute und vielen Dank für das Gespräch.


Profil:

Prof. Luppa ist Leiter des Zentrallabors und Blutdepots am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Sein Wissenschaftliches Hauptinteresse ist die Regulation des Steroidstoffwechsels und die Biosensorik mit dem Ziel, verbesserte analytisch-diagnostische Methoden für Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Daraus entwickelte sich als weiterer Schwerpunkt die Point-of-Care Testing (POCT) im Krankenhaus. Er hat in internationalen Journalen mehr als 125 Beiträge publiziert und ist u.a. Mitherausgeber des ersten deutschen Fachbuches „patientennahe Labordiagnostik“; 3. Auflage.

13.10.2017

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