MERS-CoV-Reservoir vermutlich viel größer

Die Infektionsgefahr durch das ‚Middle Eastern Respiratory Syndrome Coronavirus‘ (MERS-CoV) erlangt eine neue Dimension. So hat die Zahl der Fälle in den letzten Wochen stark zugenommen.

Photo: MERS-CoV-Reservoir vermutlich viel größer

„Auch neue Erkenntnisse über die wahrscheinliche Infektionsquelle sind beunruhigend“, sagt Professor Franz X. Heinz, Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie (GfV). Denn nicht mehr nur Dromedare auf der arabischen Halbinsel dienen den Viren als Reservoir, wie bisher vermutet. MERS-CoV wurde jetzt auch in Dromedaren aus dem Sudan und Äthiopien entdeckt. Das zeigen Untersuchungen, die das Fachjournal ‚Emerging Infectious Diseases‘ im Juni veröffentlichen wird. Während in Saudi Arabien 260000 Dromedare leben, gibt es in Äthiopien fast eine Million und sogar 4,8 Millionen im Sudan. Daher könnte das natürliche Reservoir für dieses Virus wesentlich größer sein als bisher angenommen, berichtet die GfV in ihrem aktuellen Newsletter. Zudem nimmt die Fachgesellschaft Stellung dazu, unter welchen Umständen eine noch bessere Mensch-zu-Mensch-Übertragung zu befürchten wäre und wie groß die Gefahr einer Pandemie sein könnte.

Seit seinem ersten Auftreten im September 2012 erkrankten mit Stand vom 16.5.2014 laut European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) 536 Personen an Infektionen mit dem MERS-Coronavirus. „Somit hat sich die Zahl der Infektionen im letzten Monat mehr als verdoppelt“, so der GfV-Experte Heinz.
Dreißig Prozent verstarben an der grippeähnlichen Krankheit, die zu einer Lungenentzündung und akutem Lungenversagen führen kann. Die Betroffenen hatten sich auf der Arabischen Halbinsel infiziert. Einige Infektionen wurden von dort auch in andere Länder, wie Frankreich, Deutschland, Italien, Tunesien, Großbritannien und die USA exportiert. Bisher berichten Forscher von wenigen Mensch-zu-Mensch Übertragungen in Saudi Arabien, Jordanien, Katar und Großbritannien. „In den meisten Fällen infizieren sich die Betroffenen jedoch über eine tierische Infektionsquelle, viele neue Studien weisen dabei auf Dromedare hin“, sagt der GfV-Experte Professor Heinz von der Medizinischen Universität Wien.

In der jetzt veröffentlichten Studie untersuchten Forscher Dromedare in ägyptischen Schlachthöfen. Dabei stellte sich heraus, dass das Virus auch in importierten Tieren aus dem Sudan und Äthiopien vorhanden war. In aktuelle Untersuchungen sollen Forscher jetzt herauszufinden, ob sich in Afrika bereits Menschen infiziert haben, aber bisher nicht erkannt wurden.
Weitere aktuelle Informationen zur Infektionsgefahr des MERS-Coronavirus und die Ausbreitung in den betroffenen Ländern lesen Sie im aktuellen Newsletter (5/2014) der Gesellschaft für Virologie.
 

21.05.2014

Mehr zu den Themen:

Verwandte Artikel

Photo

News • Forschungsprojekt „INTRA-SEQ“

Bluttest verrät Infektionsgeschichte eines Menschen

Mit welchen Infektionen ist ein Mensch im Verlauf seines Lebens schon in Kontakt gekommen? In Zukunft reicht eventuell ein einziger Bluttest, um diese Frage zu beantworten.

Photo

News • Metagenom-basierte Schnelldiagnostik

Harnwegsinfektionen: Weg zu weniger Breitband-Antibiotika

Gezielte Antibiose statt Breitband auf Verdacht: Ein neues Verfahren gewinnt diagnostische Informationen aus Patientenproben in kürzester Zeit – und zeigt so, welche Antibiotika wirksam sind.

Photo

News • Immunzellen im Fokus

Forscher sind Ursache von Long Covid auf der Spur

Wie Long Covid entsteht, ist noch weitgehend unverstanden. Eine aktuelle Studie beleuchtet molekulare Zusammenhänge, die helfen, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen.

Newsletter abonnieren