Löst die SIRT die TACE ab?

Auf diese Frage gibt Prof. Dr. Gerald Antoch, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, im Gespräch mit RöKo Heute eine kurze und prägnante Antwort: „Nein“, ist der Radiologe überzeugt.

Prof. Dr. Gerald Antoch
Prof. Dr. Gerald Antoch

Röko Heute: Welche Überlegungen stehen hinter Ihrer klaren Aussage?
Antoch: Die TACE ist ein einfaches, aber etabliertes Verfahren, das standardmäßig bei primären und sekundären Tumorerkrankungen der Leber zum Einsatz kommt und in vielen Leitlinien verankert ist. Dagegen ist die SIRT erst seit zehn Jahren auf dem Markt, verfügt noch nicht über ausreichendes Datenmaterial und hat insofern noch keinen Einzug in die Leitlinien gehalten. Auch die genaue Indikationsstellung ist entscheidend bei der Frage „TACE oder SIRT?“. Meine Meinung ist daher klar: Die SIRT hat einen festen Platz neben der TACE, löst diese jedoch nicht ab.

Wann kommt welches Verfahren zum Einsatz?
Die TACE funktioniert besonders gut, wenn sie selektiv durchgeführt wird: Mit einem kleinen Katheter geht man möglichst nah an den Tumor heran und chemoembolisiert diesen dann komplett. Das funktioniert aber nur, wenn es nicht zu viele Tumorherde gibt, sonst ist das nicht mehr effektiv umsetzbar. Liegen sehr viele Tumorherde vor, so wird die SIRT, also die Embolisation mit radioaktiven Mikrokügelchen, zunehmend eingesetzt. Gesunde Zellen werden weitestgehend geschont, das erkrankte Gewebe dagegen gezielt bestrahlt.

Was macht die Wirkweise der SIRT aus?
Radioaktive Partikel werden über einen Katheter in das arterielle Gefäßnetz der Leber injiziert. Tumoren der Leber sind meist vermehrt durchblutet, erhalten somit aufgrund ihrer stärkeren Durchblutung mehr radioaktive Partikel als das normale Lebergewebe. Die Radioaktivität der Partikel zerstört den Tumor von innen, es handelt sich bei der SIRT somit um eine interne Strahlentherapie. Aktuell sind zwei kommerzielle Produkte auf dem Markt verfügbar, die sich bezüglich des Materials der Mikrosphären, der Zahl der Mikrosphären und der Aktivität je Sphäre unterscheiden.

Wie ist der Ablauf der SIRT?
Fakt ist, die SIRT ist ein extrem komplexes Verfahren. Nach einer vorbereitenden Angiographie müssen kleinere Gefäße, die zum Magen oder zum Darm führen, mit Coils verschlossen werden. Denn dringt Radioaktivität in Magen oder Darm ein, ist mit ernst zu nehmenden Komplikationen zu rechnen. Im Anschluss wird eine schwach radioaktive Substanz gespritzt und im SPECT wird kontrolliert, ob alles dicht ist. Auch ein relevanter Shunt zwischen Leber und Lunge muss ausgeschlossen werden. Nun erfolgt die Errechnung und Bestellung der notwendigen Radioaktivität. Die eigentliche Therapie erfolgt dann zwei bis vier Wochen später.

Das hört sich in der Tat sehr aufwendig an.
Hinzu kommt, dass das Verfahren nur in Zusammenarbeit mit einem Nuklearmediziner erfolgen kann. Dieser hat die Fachkunde nach Strahlenschutzverordnung und legt die Dosis fest. Damit kommt die SIRT nur in größeren Häusern mit entsprechender Infrastruktur und Expertenwissen beziehungsweise im Zuge einer guten Kooperation mit einer erfahrenen radiologischen Praxis infrage. Ein weiterer Aspekt für den Einsatz der Verfahren, der nicht ganz unwichtig ist, ist der ökonomische: Mit der TACE verdient ein Krankenhaus Geld, die Vergütung der SIRT hingegen reicht gerade mal, um die Kosten zu decken. Also jede Menge Argumente dafür, dass eine Entweder- oder-Entscheidung Unsinn ist. Wie so oft macht es die Mischung.

Veranstaltung
Raum Werner
Mi., 28.05.2014,
13:15 - 13:45 Uhr
Therapiemonitoring mit PET: Wie, wann, warum ?
Antoch A. / Düsseldorf
Session: Onkologische
Bildgebung I – Radiologisches Therapiemonitoring

23.05.2014

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