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Artikel • Pädiatrische Patienten in der Röhre
Kinder in CT und MRT: Bildgebung nach Maß
Wie viel Strahlendosis braucht ein Säugling? Wie viel Kontrastmittel verträgt ein Kleinkind? Und wie bringt man ein fünfjähriges Kind dazu, in einer engen, lauten Röhre ruhig liegen zu bleiben? Beim rtaustria-Kongress gaben zwei erfahrene Radiologietechnologen aus Graz Antworten auf Fragen, die im klinischen Alltag oft unterschätzt werden.
Artikel: Wolfgang Behrends
Clemens Schramek und Monika Städtler schilderten aus ihrer langjährigen Praxis, wie CT- und MRT-Untersuchungen bei pädiatrischen Patienten sicher, dosisoptimiert und kindgerecht durchgeführt werden können.
Wir machen keine schönen Bilder, wir sind keine Fotografen – wir machen das, was befundbar sein muss
Clemens Schramek
Für die Computertomografie nannte Schramek die 40-Kilogramm-Marke als wichtigen Wert: Während Kinder über dieser Grenze im Grunde wie Erwachsene gescannt werden können, müsse bei Patienten mit geringerem Körpergewicht fast alles umgestellt werden: der Jodgehalt im Kontrastmittel, die Delayzeiten, die Wahl des Venenzugangs – und nicht zuletzt die Kommunikation mit dem Kind.
Auf die zentrale Frage nach der richtigen Strahlendosis lieferte der Experte eine klare Antwort: „Wir machen keine schönen Bilder, wir sind keine Fotografen – wir machen das, was befundbar sein muss." Das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable) steht im Mittelpunkt. Ein verrauschtes Bild ist demnach kein Problem, solange die klinisch entscheidende Information erkennbar ist – etwa ob ein Shunt zur Liquorableitung korrekt liegt. Für diese Fragestellung reicht eine ultra-low-dose-Aufnahme vollkommen aus.
Dosisquantifizierung: Warum der CTDI nicht ausreicht

Foto: zvg
Die Quantifizierung der Strahlendosis ist in der Kinderradiologie besonders anspruchsvoll. Verfügbare Referenzwerte bilden die Realität der pädiatrischen Bildgebung nur unzureichend ab – weder bezüglich der Bandbreite der Untersuchungsarten noch hinsichtlich der erheblichen Größenunterschiede zwischen Kindern verschiedener Altersstufen, erklärte Schramek. Radiologietechnologen sind daher oft auf selbst entwickelte Hilfsmittel angewiesen. Der CT-Dosisindex (CTDI), den Geräte standardmäßig ausweisen, eigne sich zwar zum Vergleich verschiedener Geräte und zur Protokolloptimierung – für eine realistische Einschätzung der tatsächlich absorbierten Dosis reiche er jedoch nicht aus.
Als praxistaugliche Lösung empfahl Schramek das Size Specific Dose Estimate (SSDE). Dieser Wert multipliziert den CTDI mit einem patientenspezifischen Umrechnungsfaktor, der aus dem anterior-posterioren (AP)- und dem Lateraldurchmesser des Kindes berechnet wird – und kann erheblich vom CTDI abweichen. Um den SSDE-Wert individuell zu berechnen, kommt am Universitätsklinikum Graz eine eigene Excel-Tabelle zum Einsatz – ein Werkzeug, das ihn bei seiner täglichen Arbeit begleitet, so Schramek.
Kontrastmittel: Physiologie als Leitfaden
Auch beim Thema Kontrastmittel gelten für Kinder eigene Regeln, betonte der Experte. So erhalten pädiatrische Patienten pro Kilogramm Körpergewicht höhere Mengen als Erwachsene. Was zunächst paradox klingt, ist den physiologischen Besonderheiten des kindlichen Kreislaufs geschuldet: dieser arbeitet deutlich schneller, ihre Herzfrequenz ist höher – bei Neugeborenen bis zu 140 Schläge pro Minute – und sie haben ein höheres Blutvolumen pro Kilogramm. All das muss bei der Berechnung der Delayzeiten berücksichtigt werden – also der Zeitspanne zwischen Kontrastmittelinjektion und Beginn der CT-Aufnahme. Wird zu lange gewartet, ist das Kontrastmittel bereits durch die relevanten Bereiche hindurchgelaufen, erklärte Schramek. Diese Werte lassen sich nur durch Erfahrung und enge Rückkopplung mit den befundenden Radiologen ermitteln – ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert.
Die Mikrobolus-Technik: Mehr, aber weniger
Für Säuglinge unter zwei Jahren hat das Team in Graz die sogenannte Mikrobolus-Technik entwickelt. Dabei werden Kontrastmittel und NaCl abwechselnd in kurzen Intervallen eingeleitet, sodass im Injektor eine verdünnte Mischung entsteht, die beim Kind ankommt. Das Mischverhältnis beträgt bei Kindern bis einem Jahr 1:3 (Kontrastmittel zu NaCl), bei Kindern von einem bis zwei Jahren 2:3. Ab zwei Jahren wird wieder unverdünntes Kontrastmittel eingesetzt.
Der entscheidende Vorteil der Technik liegt in der Verlängerung der effektiven Injektionszeit, erklärte Schramek: Da der kindliche Kreislauf schneller läuft, würde eine unverdünnte Injektion die relevanten Strukturen zu rasch passieren. Durch die Verdünnung lässt sich die Injektionsdauer strecken, ohne die Gesamtflüssigkeitsmenge zu überschreiten – und es wird insgesamt weniger reines Kontrastmittel benötigt, bei gleichzeitig ausreichend guter Bildqualität. Zudem werden Überstrahlungsartefakte durch zu hohe Kontrastmittelkonzentrationen vermieden. Moderne Injektoren verfügen für diese Technik oft über eine Zusatzfunktion, welche die Intervalle automatisch steuert.
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News • Projekt „KidsMRI“
Kinder im MRT: Neues Konzept für weniger Narkosen
Viele Kinder benötigen für eine MRT-Untersuchung noch immer eine Narkose – mit Risiken, zusätzlichem Aufwand und oft langen Wartezeiten. Das Projekt KidsMRI bietet einen neuen Lösungsansatz.
Narkose? Muss nicht immer sein
Abschließend widmete sich Schramek dem Für und Wider der Narkose bei Kindern. Unterm Strich, befand er, gebe es hier keine pauschalen Lösungen und Altersgrenzen: Während mancher Vierjährige bei der Untersuchung bereits super mitmacht, auf Kommando still- und sogar kurz den Atem anhält, klappt es bei anderen Kindern womöglich gar nicht – sei es aus Furcht, oder weil das nötige Verständnis fehlt. In letzterem Fall komme man nur über die Narkose an brauchbare Bilder, so der Experte. Der Schlüssel liege oft im Verhalten der Eltern: diese können sowohl mit dem eigenen ängstlichen Verhalten jegliche Kooperation beim Kind verbauen als auch durch liebevolles Mut-Zusprechen dazu beitragen, dass die Untersuchung auch im Wachzustand gelingt.
MRT: Vorbereitung als Schlüssel zum Erfolg

Bildquelle: rtaustria
Mit den ganz eigenen Herausforderungen der Magnetresonanztomographie machte anschließend Monika Städtler ihr Publikum vertraut. Gerade bei Kindern könne die MRT ihre Stärken gegenüber der CT-Bildgebung voll ausspielen: keine Strahlenbelastung, hoher Weichteilkontrast ohne Kontrastmittel, und die Möglichkeit, eine Begleitperson mit in den Untersuchungsraum zu nehmen. Die Kehrseite der Medaille bilden jedoch die längere Untersuchungszeit in einer engen und lauten Röhre, die höhere Bewegungsempfindlichkeit sowie Einschränkungen bei Metallimplantaten.
Ähnlich wie beim CT entscheiden eine sorgfältige, altersgerechte Aufklärung und gute Vorbereitung oft darüber, ob eine Untersuchung auch ohne Sedierung gelingt. „Stofftiere sind oft eine große mentale Stütze“, sagte Städtler – sie sind im MRT erlaubt, sofern sie keine metallischen Teile wie Reißverschlüsse oder Batterien enthalten. Während der Untersuchung helfen Musik, Hörbücher oder Filme zur Ablenkung; danach sorgt eine Tapferkeitsurkunde dafür, dass Kinder die Erfahrung positiv in Erinnerung behalten. „Bequeme Lagerung ist das A und O – dafür sollte man genügend Zeit investieren“, betonte die Expertin.
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Video • Patient experience und Empowerment
Giraffe Gerda nimmt Kindern Angst vor der Radiologie
Wie bereitet man ein Kind am besten auf eine radiologische Untersuchung vor? Die richtige Vorbereitung kann Ängste nehmen, Zeit und Geld sparen sowie Risiken minimieren. Mit dem Projekt „Giraffe Gerda“, das auf dem ECR in Wien erstmals präsentiert wurde, nimmt Siemens Healthineers die Kinderradiologie in den Fokus und will langfristig Familien im Gesundheitswesen stärken.
‚Feed and Wrap‘: Untersuchung ohne Narkose bei Säuglingen
Für Säuglinge unter drei Monaten bietet die ‚Feed-and-Wrap‘-Methode eine bewährte Alternative zur Narkose.1 „Dabei wird der natürliche Schlafzyklus nach dem Essen ausgenutzt“, erklärte Städtler. Das Kind wird gefüttert, mit Decken oder einem Handtuch eingewickelt und im Nachschlaf untersucht. Voraussetzung sind ein klinisch stabiler Zustand des Säuglings sowie eine genaue Abstimmung des Untersuchungszeitpunkts mit den Eltern, damit das Kind hungrig und wach zur Untersuchung erscheint.
Während der Untersuchung werden Pulsoximetrie und EKG zur Überwachung der Vitalparameter eingesetzt. „Das ist wichtig, weil es durch das Einwickeln und die MR-Untersuchung selbst zu einer Erwärmung kommen kann. Da die Säuglinge nur eine eingeschränkte Wärmeregulierung haben, kann das zu respiratorischem Stress führen.“ Für einen möglichst ungestörten Schlaf in der Röhre sorgen zudem spezielle Sequenzen wie ‚Quiet Suite‘ (Siemens Healthineers), ‚ComforTone‘ (Philips) oder ‚Silent Scan‘ (GE). Dabei werden die Magnetfeldgradienten weniger steil geschaltet, was die Lärmentwicklung erheblich reduziert. Da nur Nativ-Untersuchungen in "Feed and Wrap" durchgeführt werden, sei die Methode zwar für sehr viele klinische Fragestellungen geeignet, eine dynamische kontrastmittelgestützte Angiografie beispielsweise aber nicht möglich, gab die Expertin zu bedenken.
Besonderheiten beim Schädel-MRT
Auch bei der MRT müssen die physiologischen Besonderheiten von Kindern berücksichtigt werden, um aussagekräftige Bilder zu erhalten. Das betrifft etwa die Bildgebung des Schädels; hier sind spezielle Protokolle für Kinder unter zwei Jahren nötig, denn in dieser Entwicklungsphase ist der Wassergehalt im Gehirn noch deutlich höher als bei älteren Kindern und Erwachsenen. „Standard-T1 oder T2 bringt einen da oft nicht weiter“, erklärte Städtler. Unverzichtbar sei in diesem Altersbereich die koronare T1-TIR-Sequenz, die sowohl die Beurteilung der Anatomie als auch die Verfolgung des Myelinisierungsprozesses ermöglicht. Ab zwei Jahren könnten die Protokolle dann wieder weitgehend wie bei Erwachsenen durchgeführt werden.

Bildquelle: Konar AS, Shah AD, Paudyal R, et al. Cancers (Basel) 2022 (CC BY 4.0)
Abschließend stellte die Expertin die synthetische MRT vor, die auf der MDME-Sequenz (Multi-Dynamic Multi-Echo) basiert.2 In einem einzigen Scan von fünf bis sechs Minuten werden T1- und T2-Relaxationszeiten sowie die Protonendichte gemessen. Aus diesen Rohdaten werden drei Maps berechnet – T1, T2 und PD. „Auf dieser Grundlage kann man dann fast alle gängigen Kontraste nachberechnen“, so Städtler.
Besonders wertvoll ist die Methode für die Beurteilung der Hirnreifung: Durch die Quantifizierung des Myelinvolumens, des Liquorvolumens und weiterer Gewebeparameter lässt sich die Hirnreife objektiv einschätzen und mit Normwerten Gleichaltriger vergleichen – unabhängig von der subjektiven Einschätzung der befundenden Person.
Ob CT oder MRT – die Kernbotschaft beider Vorträge war dieselbe: Für gute pädiatrische Bildgebung reichen angepasste Protokolle allein nicht aus. Es braucht Erfahrung, interdisziplinäres Vertrauen und den Mut, sich eigene Werkzeuge zu bauen, wo Standards fehlen.
Literatur:
- Moltoni G, Lucignani G, Sgrò S, et al. MRI scan with the "feed and wrap" technique and with an optimized anesthesia protocol: a retrospective analysis of a single-center experience. Front Pediatr. 2024;12:1415603. Published 2024 Aug 23. https://doi.org/10.3389/fped.2024.1415603
- Konar AS, Shah AD, Paudyal R, et al. Quantitative Synthetic Magnetic Resonance Imaging for Brain Metastases: A Feasibility Study. Cancers (Basel). 2022;14(11):2651. Published 2022 May 27. https://doi.org/10.3390/cancers14112651
30.06.2026




