Fremder Stuhl statt Antibiotika

Beim sogenannten Mikrobiomtransfer übertragen Ärzte den Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm eines Kranken, um dessen geschädigte Darmflora wiederaufzubauen. Für kompliziert verlaufende, wiederkehrende Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile ist der Stuhltransfer inzwischen die Methode der Wahl, erklären Experten der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Clostridium difficile angereichert aus einer Stuhlprobe durch Filtration ©CDC
Clostridium difficile angereichert aus einer Stuhlprobe durch Filtration ©CDC

Studien zeigen, dass das Verfahren konventionellen Behandlungsmethoden deutlich überlegen ist. Die Zahl der Infektionen mit dem Erreger Clostridium difficile wächst hierzulande rasch, vor allem schwere Verläufe nehmen zu. Während im Jahr 2000 noch rund 1300 Patienten stationär behandelt werden mussten, waren es im Jahr 2011 bereits 28200. Die Bakterien sind vor allem im Zusammenhang mit Antibiotika gefährlich: Stören die Medikamente das Gleichgewicht der gesunden Darmflora, vermehrt sich der Erreger mitunter massenhaft. Schwere Durchfälle sind die Folge. Insbesondere bei älteren Patienten kann die Erkrankung kompliziert und sogar tödlich verlaufen.

„Bei einem Teil der Patienten kommt die Erkrankung immer wieder zurück“ sagt Dr. Ulrich Rosien, leitender Arzt in der Medizinischen Klinik am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg. „Diese Betroffenen können durch die Übertragung von fremdem Stuhl nun dauerhaft geheilt werden.“ Eine 2013 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie zeigte, dass bei rund 90 Prozent der Patienten, bei denen die Erkrankung trotz einer speziell auf sie ausgerichteten Antibiotikatherapie wieder ausgebrochen war, die Stuhlübertragung erfolgreich war. „Das Verfahren ist der konventionellen Behandlung so weit überlegen, dass es bei wiederkehrenden Infektionen mit Clostridium difficile als neuer Standard empfohlen werden kann“, sagt Dr. Rosien.

04.09.2014

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