
Bildquelle: Universitätsmedizin Magdeburg; Fotografin: Melitta Schubert
News • Studie zu Nutzen und Akzeptanz
Exoskelette entlasten Pfleger im Klinikalltag
Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universitätsmedizin Magdeburg hat erstmals wissenschaftlich untersucht, ob körperunterstützende Systeme den Pflegealltag erleichtern
Passive Exoskelette könnten Pflegekräfte bei körperlich belastenden Tätigkeiten im Klinikalltag unterstützen und dazu beitragen, Rücken und Gelenke zu entlasten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universitätsmedizin Magdeburg, die jetzt im Fachjournal Applied Ergonomics veröffentlicht wurde. Durchgeführt wurde die Studie von dem Bereich Arbeitspsychologie und Gesundheitsmanagement des Universitätsklinikums Magdeburg sowie dem Bereich Telemedizin, Digitalisierung und Ökonomie in der Medizin an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Fabian-S. Frielitz gemeinsam mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Britta Exner, Doktorandin.
Die Gesundheit und langfristige Arbeitsfähigkeit unserer Mitarbeitenden sind zentrale Voraussetzungen für eine leistungsfähige Patientenversorgung
Fabian-S. Frielitz
Wer in der Pflege arbeitet, hebt und trägt täglich schwer und das oft über viele Jahre. Erkrankungen des Bewegungsapparats – also Beschwerden an Muskeln, Gelenken und Wirbelsäule – sind in diesem Berufsfeld weit verbreitet und gehören zu den häufigsten Gründen, warum Pflegekräfte krankheitsbedingt ausfallen oder ihren Beruf vorzeitig aufgeben. Bisherige Studien zeigen, dass sogenannte passive Exoskelette – tragbare Stützstrukturen, ähnlich einer robusten Weste mit integriertem Rahmen, die den Körper ohne Strom beim Heben unterstützen – vor allem in der Logistik und im Lagerbereich erprobt wurden, etwa beim Verladen schwerer Pakete. Für den Gesundheitsbereich fehlten bislang systematische Untersuchungen aus dem echten Arbeitsalltag. Die Magdeburger Studie schließt diese Lücke und leistet somit wichtige Pionierarbeit.
Für die Studie untersuchte das Forschungsteam unter anderem die Benutzerfreundlichkeit, den Tragekomfort, die Alltagstauglichkeit und die Akzeptanz der Systeme. An der Erprobung nahmen Pflegekräfte teil, die die Geräte im täglichen Arbeitsablauf trugen und anschließend systematisch befragt wurden. Die Untersuchung zeigt, dass die getesteten Systeme von vielen Teilnehmenden als einfach in der Anwendung beschrieben wurden und insbesondere bei Hebe- und Stützbewegungen Vorteile bieten könnten. Beim Tragekomfort und der praktischen Alltagstauglichkeit gingen die Erfahrungen jedoch deutlich auseinander – was zeigt, dass individuelle Unterschiede beim Körperbau und der Tätigkeit eine große Rolle spielen.
Ein weiterer Befund betrifft die Wirtschaftlichkeit: Die Analyse legt nahe, dass sich der Einsatz passiver Exoskelette bereits dann finanziell lohnt, wenn dadurch pro Jahr nur eine geringe Anzahl krankheitsbedingter Fehltage bei Pflegekräften vermieden wird. Konkrete bundesweite Zahlen verdeutlichen, warum das relevant ist: Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen im Schnitt deutlich häufiger krankheitsbedingt als Arbeitnehmende in anderen Branchen und Rückenerkrankungen sind dabei einer der Hauptgründe.
„Die Gesundheit und langfristige Arbeitsfähigkeit unserer Mitarbeitenden sind zentrale Voraussetzungen für eine leistungsfähige Patientenversorgung. Innovative ergonomische Unterstützungssysteme wie Exoskelette können hierbei künftig eine wichtige Rolle spielen“, betont Fabian-S. Frielitz.
„Bereits 2023 konnten wir dank der Unterstützung unseres Klinikumsvorstands als eine der ersten Universitätskliniken in Deutschland passive Exoskelette gemeinsam mit Pflegekräften unter realen Bedingungen erproben“, sagt Arbeitspsychologe Stefan Waßmann. „Uns war wichtig, frühzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln und wissenschaftlich zu untersuchen, ob solche Unterstützungssysteme den Pflegealltag tatsächlich entlasten können.“
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Exoskelette: Entlastung für das Pflegepersonal?
Die Universitätsmedizin Magdeburg testet den Einsatz von Exoskeletten. Dabei geht es vor allem darum, wie die Technologie das Personal in der Intensivpflege körperlich entlasten kann.
Das Team betont zugleich, dass Exoskelette allein die körperlichen Belastungen in der Pflege nicht lösen können. Wichtig bleiben weiterhin ausreichend Personal, ergonomische Arbeitsabläufe und zusätzliche technische Hilfsmittel. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für weitere Projekte im Bereich digital unterstützter Gesundheits- und Arbeitsprozesse dienen.
Quelle: Universitätsmedizin Magdeburg
26.05.2026



