Lunge

Die Pleura als Notfall

Die Pleura, das Lungenfell, ist eine Mesothelschicht, die die beiden Lungenflügel und den Innenraum der Brustwand umhüllt und damit einen „Pleuraraum“ bildet. In der Notfallmedizin spielt die Pleura bei zwei Krankheitsbildern eine zentrale Rolle:

Bericht: Michael Krassnitzer

Erstens beim Pneumothorax, bei dem Luft in den Pleuraraum gelangt und damit die Ausdehnung eines oder beider Lungenflügel behindert wird. Und zweitens beim Pleuraerguss, wo vermehrt Flüssigkeit (Blut, Transsudat, Exsudat) in diesem sonst schmalen Raum akkumuliert, die Lungen komprimiert und zu Atemnot führt. Pneumothorax und Pleuraerguss sind zwei Notfälle, an denen sich die Rolle der Sonographie bzw. das ergänzende Zusammenspiel von Sonographie und Computertomographie trefflich illustrieren lässt.

CT nach Kontrastmittel: Ausgedehnter Pleuraerguss rechts mit...
CT nach Kontrastmittel: Ausgedehnter Pleuraerguss rechts mit Kompressionsatelektase rechter Unterlappen, Pleuraerguss links, Perikarderguss bei Pneumonie/Sepsis (Pneumokokken).

„In der Notfalldiagnostik spielt die Sonographie eine immer größere Rolle“, weiß Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Mostbeck, Vorstand des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Wiener Wilhelminenspital. Insbesondere in der präklinischen Phase eines Notfalls, also im Rettungswagen oder im Rettungshubschrauber, bevor der Patient ins Krankenhaus kommt, spielt der „point-of-care“-Ultraschall mit kleinen tragbaren Geräten eine zentrale Rolle. Er bietet eine grobe Orientierung über große Verletzungen. Die standardisierte FAST-Methode (Focused Assessment with Sonography for Trauma) erlaubt es, in nur wenigen Schnitten freie Flüssigkeit im Bauchraum, in der Pleura und im Herzbeutel zu finden. „Der Ultraschall liefert darüber hinaus auch wichtige Informationen über den hämodynamischen Zustand des Patienten“, betont Mostbeck.

In der Notfallaufnahme schlägt dann die Stunde der Computertomographie, sofern vorhanden. „Große notfallmedizinische Einrichtungen und chirurgische Schockräume sind heute standardmäßig mit CT oder CT im Nahbereich ausgerüstet“, sagt der Wiener Radiologe. Zwar sei die Sonographie für die Diagnose von Pneumothorax und Pleuraerguss auch gut geeignet, doch sei die CT übersichtlicher und erlaube es nicht nur freie Flüssigkeit, sondern auch das Mediastinum, die großen Gefäße, die Lymphknotenstationen und eventuelle Tumoren zu erkennen. „Wenn man die genaue Ursache der Flüssigkeits- oder Luftansammlung in der Pleura wissen möchte, dann wird man häufig eine CT machen müssen, insbesondere bei älteren Patienten, bei Kindern eher kaum“, bekräftigt Mostbeck.

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Mostbeck ist Vorstand des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Wiener Wilhelminenspital.

Wenn es in der Folge darum geht, den Erguss zu punktieren, kommt wieder die Sonographie ins Spiel. „Aus Strahlenschutzgründen würde ich eine Punktion unter Ultraschall-Sicht durchführen“, gibt Mostbeck seine Erfahrung wieder: „Außerdem wird Ultraschall auch dazu verwendet, venöse Zugänge zu legen, um die Komplikationsrate durch Fehlpunktionen zu vermeiden.“ Auch im Sinn einer erweiterten Notfallmedizin könne die Sonographie im Weiteren von großem Nutzen sein: „Für die Diagnostik kleiner pleuraler Tumoren im Rahmen einer Metastasierung ist der Ultraschall sehr gut geeignet, weil die räumliche Auflösung der Sonographie besser ist als jene der CT und weil man mit Ultraschall ganz gezielt nach pathologischen Veränderungen suchen kann.“

„Zwischen Sonographie und Computertomographie besteht in der Notfallmedizin kein Konkurrenzverhältnis, sondern die beiden Verfahren ergänzen sich“, resümiert Mostbeck. In manchen Bereichen sei die CT der Goldstandard in der Notfalldiagnostik – vor allem wenn die Strahlenbelastung keine Rolle spielt. Bei Kindern und Jugendlichen hingegen, etwa bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung, stehe die Sonographie an erster Stelle. Und der Wiener Radiologe wird nicht müde, auf die Bedeutung der Sonographie als zielgerichtete, nicht umfassende Untersuchung zu verweisen, die schnell eine erste Klärung gestattet: „Der Patient hat akute Schmerzen im Oberbauch – da will ich wissen: Hat er eine entzündete Gallenblase? Der Patient hat ein Messer im Bauch stecken – da möchte ich wissen: Hat das zu einer massiven Blutung im Abdomen geführt?“


Profil:

Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerhard Mostbeck ist Vorstand des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie am Wilhelminenspital in Wien und des Instituts für Röntgendiagnostik am Otto Wagner-Spital, ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt. Seine klinisch-radiologischen Schwerpunkte liegen im Bereich der Thorax-Radiologie, der Radiologie des Abdomens, der urogenitalen Radiologie sowie der Mamma-Diagnostik und der Radiologie in der Onkologie. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte des Facharztes für Radiologie, der Past-Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin ist, liegen in der Thoraxradiologie und Radiologie in der Onkologie.


Veranstaltungshinweise:

Raum: Split-Meeting 11

Mittwoch, 11. Oktober 2017, 08:30 – 10:00

AWS Notfallsonographie Teil 1: Pleura

Pleura im CT

Gerhard Mostbeck (Wien/AT)


Raum: Seminar 2

Donnerstag, 12. Oktober 2017, 14:00 – 15:30

RK 13 Update Leber I

Ohne CT und MRT geht gar nichts!

Gerhard Mostbeck (Wien/AT)

11.10.2017

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