Pädiatrie

Weniger Strahlenbelastung, mehr Lebensqualität für Kinder

Die 53. Jahrestagung der internationalen Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) ging in Stuttgart erfolgreich zu Ende. Über 300 Teilnehmer aus Fachgebieten der Pädiatrischen Radiologie und Pädiatrie trafen sich zum wissenschaftlichen Austausch sowie zu Fortbildungskursen für MTRA und Ärzte. Der Kongress der Fachgesellschaft der deutschsprachigen Kinderradiologen wurde vom Kongressteam des Radiologischen Instituts des Olgahospitals Klinikum Stuttgart organisiert, mit rund 45.000 Untersuchungen im Jahr eine der größten kinderradiologischen Abteilungen in Deutschland.

Wie vielfältig die Kinderradiologie aufgestellt ist und welch hohen Stellenwert sie in der interdisziplinären Zusammenarbeit hat, zeigte schon allein die Themenvielfalt des wissenschaftlichen Programms. Zu allen Tagungsschwerpunkten gab es sowohl hochwertige wissenschaftliche Kurzvorträge als auch Übersichtsvorträge eingeladener Experten. Zu diesen international renommierten Referenten gehörten unter anderen Prof. Beverley Newman aus Stanford, USA, zum Thema Thoraxdiagnostik bei Kindern; PD Dr. Christian Kellenberger aus Zürich, Schweiz, und Prof. Johannes Roth aus Ottawa, Kanada, über die Diagnostik rheumatischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen sowie Prof. Jürgen Spranger, Freiburg, zur Diagnostik von Skelettfehlbildungen. Prof. Stefan Pfister aus Heidelberg informierte über seine aktuellen Forschungsergebnisse zu kindlichen Hirntumoren. Einer der Experten aus dem Olgahospital Klinikum Stuttgart war Prof. Stefan Bielack, der in diesem Jahr den Deutschen Krebspreis erhalten hat und über den neuesten Stand der Therapie von Knochentumoren berichtete. Ein besonderes Highlight war der Festvortrag von Prof. Jens Frahm vom Max-Planck-Institut in Göttingen über die Weiterentwicklung der revolutionären Echtzeit- MRT.

Der Strahlenschutz als einem zentralen Anliegen der GPR spielte in fast allen Sitzungen eine Rolle. Doch es wurde auch deutlich, dass Untersuchungen mit Röntgenstrahlen trotz strenger Indikationsstellung aus der modernen Kinderradiologie nicht wegzudenken sind, denn Röntgenaufnahmen und Computertomografie bieten zur Beurteilung von Knochen- oder Lungenerkrankungen und beim akuten Trauma auch bei Kindern beste und oft lebensrettende diagnostische Möglichkeiten. Entscheidend ist somit der verantwortungsbewusste Umgang mit den Röntgenstrahlen. Die dafür notwendigen Kenntnisse erwerben Kinderradiologen während einer dreijährigen Zusatzausbildung im Anschluss an ihre Facharztweiterbildung Radiologie. MTRA, die die Geräte einstellen und die Untersuchungen durchführen, erwerben das notwendige Wissen durch Kurse, Fortbildungen und praktische Tätigkeit in einer kinderradiologischen Abteilung.

Eine spezialisierte Kinderradiologie unterscheidet sich aber nicht nur beim Umgang mit Röntgenstrahlung von einer allgemeinen Radiologie. „Für alle pädiatrischen Fächer gilt: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“, wie die Tagungspräsidentin Priv.-Doz. Dr. med. Thekla von Kalle, Ärztliche Direktorin des Radiologischen Instituts des Olgahospitals Klinikum Stuttgart, betonte. „Man kann das, was man bei Erwachsenen gelernt hat – seien es Krankheiten, die Physiologie des Organismus oder Untersuchungsmethoden – nicht einfach auf Kinder übertragen. Jedes Kindesalter hat typische Erkrankungen oder typische Reaktionen des Körpers auf Erkrankungen“, so Priv.-Doz.  Dr. Thekla von Kalle. „Nur Radiologen, die das wissen, können schnell und effektiv helfen, ein krankes Kind richtig zu therapieren.“

Sowohl aufgrund der komplexen Technik als auch der speziellen Bedürfnisse der jungen Patienten sind die Anforderungen an das Fachpersonal hoch. Um auch bei sehr kleinen und ängstlichen Kindern rasch und mit möglichst geringer Strahlenbelastung Diagnosen zu stellen, müssen Ärzte und Fachpersonal mit den Eltern auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Für eine  kindgerechte und möglichst schnelle Durchführung der Untersuchungen in der hochtechnisierten Umgebung einer radiologischen Abteilung  brauchen Ärzte und MTRA viel Erfahrung, Einfühlungsvermögen, Geduld und vor allem die Unterstützung der Eltern.

„Manche Kinder kommen bereits als Fetus während der Schwangerschaft zu uns zur Diagnostik, so dass wir auch mit Geburtshelfern zusammenarbeiten“, so Priv.-Doz. Thekla von Kalle. „Für die Kinder ist es von großem Vorteil, wenn alle betreuenden Ärzte ihr Vorgehen gut miteinander und auch mit den Eltern abstimmen. Nur so kann man unnötige Untersuchungen vermeiden oder mehrere schmerzhafte diagnostische und therapeutische Eingriffe möglichst in einer einzigen Narkose unterbringen und die Belastung der Kinder gering halten. Wenn wir Mediziner dabei vor allem an schnelle Diagnosestellungen denken,  ist es aus Sicht der Kinder vor allem der Gewinn an Lebensqualität!“ Der Tagungsleiterin war gerade deshalb der Austausch mit den niedergelassenen Pädiatern ein besonderes Anliegen, so dass das Kongressteam einen Fortbildungskurs eigens für Kinderärzte organisiert hatte.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin

21.10.2016

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